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Energie & Management > Elektrofahrzeuge - Studie: Bezahlen für das E-Laden ist zu kompliziert
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
Elektrofahrzeuge

Studie: Bezahlen für das E-Laden ist zu kompliziert

Registrierungspflicht, keine Kartenzahlung, enorme Preisunterschiede und Betrugsanfälligkeit machen einer „KANTAR“-Fallstudie zufolge das E-Autoladen in Europa zum Glücksspiel.
In nur einem von zehn Fällen können Autofahrer in Europa unkompliziert und ohne vorherige Registrierung mit der eigenen Debit- oder Kreditkarten ihren getankten Strom an einer E-Ladesäule bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fallstudie, die das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) durchgeführt hat.

Untersucht wurden dabei die Bezahlmöglichkeiten von 61 Ladesäulenbetreibern mit insgesamt knapp 30.000 öffentlich zugänglichen Ladesäulen in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Niederlande, Italien, Frankreich, Österreich, Schweden, Portugal, Spanien, Polen, Slowenien, Tschechien sowie Griechenland).
  • 55 der 61 untersuchten Betreiber setzten demnach ausschließlich auf geschlossene Bezahlmethoden über Ladekarten, Apps oder Webseiten, die eine vorherige Registrierung oder sogar einen Vertragsabschluss erfordern.
  • 32 Betreiber statteten ihre Ladesäulen mit einem statischen QR-Code aus, der das Aufrufen einer Webseite über das Smartphone ermöglicht, auf der die Zahlungsdaten eingegeben werden können. Ein betrugsanfälliges System, kritisiert die IDZ: So könne der QR-Code einfach überklebt werden und dann auf eine möglicherweise betrügerische Webseite verweisen.
  • 50 der 61 Ladesäulenbetreiber bieten eine eigene App für den Bezahlvorgang an, so ein weiteres Ergebnis der Fallstudie. Auch für diese sei meist eine Registrierung notwendig, die Bezahlvorgänge seien kompliziert und setzten immer die Verfügbarkeit eines Smartphones sowie einer stabilen Internetverbindung voraus. Die Mehrheit der Apps sei darüber hinaus ausschließlich in der jeweiligen Landessprache verfügbar.

Die spontane Bezahlung des Ladevorganges mit einer Debit- oder Kreditkarte durch Stecken oder kontaktlos über ein Kartenterminal war der Studie zufolge lediglich an sechs der untersuchten E-Ladesäulen – zwei in Frankreich sowie je eine in Deutschland, Österreich, Schweden und Polen – möglich.

Internetbasierte Zahlungsverfahren teurer als Ladekarten

Die Ergebnisse gelten der Studie nach insbesondere auch für Deutschland: Von zehn erfassten Ladesäulenbetreibern in Deutschand sei die Bezahlung vor Ort lediglich bei einem einzigen möglich, dessen 66 Ladesäulen nur eine geringen Anteil der deutschlandweit rund 4.600 Ladesäulen ausmachten. Ein weiterer Betreiber habe angegeben, seine 150 Schnellladesäulen in Deutschland teilweise mit kontaktlosen Kartenterminals auszustatten.

Neben den komplizierten Bezahlvorgängen kritisiert die IDZ auch die Preisgestaltung der Ladesäulenbetreiber. „In den allermeisten Fällen“ sei der Preis pro Kilowattstunde oder Ladevorgang beim Bezahlen mit der Debit- oder Kreditkarte über Apps oder Webseiten deutlich teurer als beim Stromtanken mit der betreibereigenen Ladekarte. So sei bei einer Ladesäule in Deutschland beim Tanken mit der Ladekarte ein Preis pro kWh von 0,35 Euro angefallen. Nutze man an der selben Ladesäule aber das internetbasierte Bezahlverfahren, berechne der Anbieter 0,79 Euro pro kWh. Spontanes Laden, so die IDZ, werde so für E-Autofahrer und Autofahrerinnen besonders unattraktiv gestaltet.

Gemeinsam mit anderen Akteuren setzt sich die IDZ dafür ein, spontanes Bezahlen mit Debit- und Kreditkarte über ein Bezahlterminal als Mindeststandard an E-Ladesäulen in ganz Europa festzuschreiben.

Mittwoch, 31.08.2022, 12:43 Uhr
Katia Meyer-Tien
Energie & Management > Elektrofahrzeuge - Studie: Bezahlen für das E-Laden ist zu kompliziert
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
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Studie: Bezahlen für das E-Laden ist zu kompliziert
Registrierungspflicht, keine Kartenzahlung, enorme Preisunterschiede und Betrugsanfälligkeit machen einer „KANTAR“-Fallstudie zufolge das E-Autoladen in Europa zum Glücksspiel.
In nur einem von zehn Fällen können Autofahrer in Europa unkompliziert und ohne vorherige Registrierung mit der eigenen Debit- oder Kreditkarten ihren getankten Strom an einer E-Ladesäule bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fallstudie, die das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) durchgeführt hat.

Untersucht wurden dabei die Bezahlmöglichkeiten von 61 Ladesäulenbetreibern mit insgesamt knapp 30.000 öffentlich zugänglichen Ladesäulen in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Niederlande, Italien, Frankreich, Österreich, Schweden, Portugal, Spanien, Polen, Slowenien, Tschechien sowie Griechenland).
  • 55 der 61 untersuchten Betreiber setzten demnach ausschließlich auf geschlossene Bezahlmethoden über Ladekarten, Apps oder Webseiten, die eine vorherige Registrierung oder sogar einen Vertragsabschluss erfordern.
  • 32 Betreiber statteten ihre Ladesäulen mit einem statischen QR-Code aus, der das Aufrufen einer Webseite über das Smartphone ermöglicht, auf der die Zahlungsdaten eingegeben werden können. Ein betrugsanfälliges System, kritisiert die IDZ: So könne der QR-Code einfach überklebt werden und dann auf eine möglicherweise betrügerische Webseite verweisen.
  • 50 der 61 Ladesäulenbetreiber bieten eine eigene App für den Bezahlvorgang an, so ein weiteres Ergebnis der Fallstudie. Auch für diese sei meist eine Registrierung notwendig, die Bezahlvorgänge seien kompliziert und setzten immer die Verfügbarkeit eines Smartphones sowie einer stabilen Internetverbindung voraus. Die Mehrheit der Apps sei darüber hinaus ausschließlich in der jeweiligen Landessprache verfügbar.

Die spontane Bezahlung des Ladevorganges mit einer Debit- oder Kreditkarte durch Stecken oder kontaktlos über ein Kartenterminal war der Studie zufolge lediglich an sechs der untersuchten E-Ladesäulen – zwei in Frankreich sowie je eine in Deutschland, Österreich, Schweden und Polen – möglich.

Internetbasierte Zahlungsverfahren teurer als Ladekarten

Die Ergebnisse gelten der Studie nach insbesondere auch für Deutschland: Von zehn erfassten Ladesäulenbetreibern in Deutschand sei die Bezahlung vor Ort lediglich bei einem einzigen möglich, dessen 66 Ladesäulen nur eine geringen Anteil der deutschlandweit rund 4.600 Ladesäulen ausmachten. Ein weiterer Betreiber habe angegeben, seine 150 Schnellladesäulen in Deutschland teilweise mit kontaktlosen Kartenterminals auszustatten.

Neben den komplizierten Bezahlvorgängen kritisiert die IDZ auch die Preisgestaltung der Ladesäulenbetreiber. „In den allermeisten Fällen“ sei der Preis pro Kilowattstunde oder Ladevorgang beim Bezahlen mit der Debit- oder Kreditkarte über Apps oder Webseiten deutlich teurer als beim Stromtanken mit der betreibereigenen Ladekarte. So sei bei einer Ladesäule in Deutschland beim Tanken mit der Ladekarte ein Preis pro kWh von 0,35 Euro angefallen. Nutze man an der selben Ladesäule aber das internetbasierte Bezahlverfahren, berechne der Anbieter 0,79 Euro pro kWh. Spontanes Laden, so die IDZ, werde so für E-Autofahrer und Autofahrerinnen besonders unattraktiv gestaltet.

Gemeinsam mit anderen Akteuren setzt sich die IDZ dafür ein, spontanes Bezahlen mit Debit- und Kreditkarte über ein Bezahlterminal als Mindeststandard an E-Ladesäulen in ganz Europa festzuschreiben.

Mittwoch, 31.08.2022, 12:43 Uhr
Katia Meyer-Tien

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