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Energie & Management > Stromnetz - Stromversorgung vor hybriden Angriffen schützen
Quelle: Katia Meyer-Tien
Stromnetz

Stromversorgung vor hybriden Angriffen schützen

Eurelectric stellte auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen Bericht zur Resilienz des europäischen Stromsystems vor. Versorger und Politik müssten es besser gegen Angriffe wappnen.
Der europäische Stromsektor steht nach Einschätzung von Eurelectric zunehmend im Fokus sicherheitspolitischer Bedrohungen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz stellte der Branchenverband einen Bericht vor, der die Widerstandsfähigkeit der Elektrizitätswirtschaft bewertet und konkrete Handlungsempfehlungen formuliert.

Ausgangspunkt der Analyse ist laut Eurelectric der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die militärische Strategie Moskaus habe die Strominfrastruktur gezielt ins Visier genommen und damit offengelegt, welche zentrale Rolle Energieunternehmen für das Funktionieren einer Gesellschaft in Krisenzeiten spielen. Versorger seien faktisch zu einer zweiten Verteidigungslinie geworden, die den Betrieb kritischer Dienste aufrechterhalte.

Auch ohne unmittelbare Kriegshandlungen sieht der Verband Europas Netze unter Druck. Hybride Bedrohungen reichten von Sabotageakten über Cyberangriffe bis hin zu Desinformationskampagnen. Nach Angaben von Eurelectric beschädigten im Jahr 2024 mindestens elf Angriffe kritische Infrastrukturen. Seit 2022 habe es zudem 23 Cyberangriffe auf den europäischen Energiesektor gegeben. Unabhängig davon, wer hinter den Vorfällen stehe, nähmen Umfang und Frequenz zu, heißt es in dem Bericht.

Wandel im Denken notwendig

Markus Rauramo, Präsident von Eurelectric, spricht von einer „neuen Realität zunehmender Bedrohungen“. Dies erfordere einen grundlegenden Wandel im Denken. Die Vorbereitung auf physische und digitale Angriffe, die Reaktion darauf sowie die schnelle Wiederherstellung müssten zu einem festen Bestandteil der strategischen Ausrichtung von Energieunternehmen werden, so Rauramo.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass das Risikobewusstsein in der Branche zwar wachse, die konkrete Vorsorge jedoch uneinheitlich ausfalle. Während einige Unternehmen bereits umfassende Sicherheitskonzepte implementiert hätten, bestünden andernorts noch Lücken. Angesichts bereits belasteter kritischer Infrastrukturen sei jetzt der Zeitpunkt zum Handeln, warnt der Verband.

Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric, betont, der Bericht übertrage die Erfahrungen aus der Ukraine in praktische Maßnahmen für den Rest Europas. Er zeige auf, was Versorgungsunternehmen kurzfristig umsetzen könnten. Dazu zählten eine engere Krisenkoordination mit Behörden, regelmäßige Notfallübungen sowie Schulungen für das Personal. Darüber hinaus empfiehlt der Verband, Anlagen besser physisch zu sichern, Kommunikationswege abzusichern und kritische Ersatzteile vorzuhalten.

Vorsorge und Übungen

Konkret ruft Eurelectric die Unternehmen dazu auf, ihr Bedrohungsbewusstsein zu stärken und ihre Krisenbereitschaft systematisch auszubauen. Dies umfasse eine intensivere Zusammenarbeit mit Sicherheits- und Aufsichtsbehörden sowie regelmäßige Stresstests und Szenarienübungen. Parallel sollten Betreiber ihre kritischen Vermögenswerte besser schützen. Dazu gehörten verstärkte bauliche Sicherungsmaßnahmen, der Aufbau von Lagerbeständen wichtiger Komponenten und der Ausbau von Reparaturkapazitäten. Cyber-Resilienz müsse integraler Bestandteil aller Schutzkonzepte sein, heißt es im Bericht.

Eurelectric vertritt nach eigenen Angaben die gemeinsamen Interessen von mehr als 3.500 Elektrizitätsunternehmen in Europa. Der Verband mit Sitz in Brüssel setzt sich dafür ein, die Rolle der Elektrizität für Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Mit dem nun vorgelegten Bericht will die Organisation nach eigenen Worten eine sicherheitspolitische Debatte im Energiesektor vertiefen und politische Entscheidungsträger für die wachsenden Risiken sensibilisieren.

Die Eurelectric Studie zur Widerstandsfähigkeit der Stromversorgung steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.

Montag, 16.02.2026, 14:53 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Stromnetz - Stromversorgung vor hybriden Angriffen schützen
Quelle: Katia Meyer-Tien
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Stromversorgung vor hybriden Angriffen schützen
Eurelectric stellte auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen Bericht zur Resilienz des europäischen Stromsystems vor. Versorger und Politik müssten es besser gegen Angriffe wappnen.
Der europäische Stromsektor steht nach Einschätzung von Eurelectric zunehmend im Fokus sicherheitspolitischer Bedrohungen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz stellte der Branchenverband einen Bericht vor, der die Widerstandsfähigkeit der Elektrizitätswirtschaft bewertet und konkrete Handlungsempfehlungen formuliert.

Ausgangspunkt der Analyse ist laut Eurelectric der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die militärische Strategie Moskaus habe die Strominfrastruktur gezielt ins Visier genommen und damit offengelegt, welche zentrale Rolle Energieunternehmen für das Funktionieren einer Gesellschaft in Krisenzeiten spielen. Versorger seien faktisch zu einer zweiten Verteidigungslinie geworden, die den Betrieb kritischer Dienste aufrechterhalte.

Auch ohne unmittelbare Kriegshandlungen sieht der Verband Europas Netze unter Druck. Hybride Bedrohungen reichten von Sabotageakten über Cyberangriffe bis hin zu Desinformationskampagnen. Nach Angaben von Eurelectric beschädigten im Jahr 2024 mindestens elf Angriffe kritische Infrastrukturen. Seit 2022 habe es zudem 23 Cyberangriffe auf den europäischen Energiesektor gegeben. Unabhängig davon, wer hinter den Vorfällen stehe, nähmen Umfang und Frequenz zu, heißt es in dem Bericht.

Wandel im Denken notwendig

Markus Rauramo, Präsident von Eurelectric, spricht von einer „neuen Realität zunehmender Bedrohungen“. Dies erfordere einen grundlegenden Wandel im Denken. Die Vorbereitung auf physische und digitale Angriffe, die Reaktion darauf sowie die schnelle Wiederherstellung müssten zu einem festen Bestandteil der strategischen Ausrichtung von Energieunternehmen werden, so Rauramo.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass das Risikobewusstsein in der Branche zwar wachse, die konkrete Vorsorge jedoch uneinheitlich ausfalle. Während einige Unternehmen bereits umfassende Sicherheitskonzepte implementiert hätten, bestünden andernorts noch Lücken. Angesichts bereits belasteter kritischer Infrastrukturen sei jetzt der Zeitpunkt zum Handeln, warnt der Verband.

Kristian Ruby, Generalsekretär von Eurelectric, betont, der Bericht übertrage die Erfahrungen aus der Ukraine in praktische Maßnahmen für den Rest Europas. Er zeige auf, was Versorgungsunternehmen kurzfristig umsetzen könnten. Dazu zählten eine engere Krisenkoordination mit Behörden, regelmäßige Notfallübungen sowie Schulungen für das Personal. Darüber hinaus empfiehlt der Verband, Anlagen besser physisch zu sichern, Kommunikationswege abzusichern und kritische Ersatzteile vorzuhalten.

Vorsorge und Übungen

Konkret ruft Eurelectric die Unternehmen dazu auf, ihr Bedrohungsbewusstsein zu stärken und ihre Krisenbereitschaft systematisch auszubauen. Dies umfasse eine intensivere Zusammenarbeit mit Sicherheits- und Aufsichtsbehörden sowie regelmäßige Stresstests und Szenarienübungen. Parallel sollten Betreiber ihre kritischen Vermögenswerte besser schützen. Dazu gehörten verstärkte bauliche Sicherungsmaßnahmen, der Aufbau von Lagerbeständen wichtiger Komponenten und der Ausbau von Reparaturkapazitäten. Cyber-Resilienz müsse integraler Bestandteil aller Schutzkonzepte sein, heißt es im Bericht.

Eurelectric vertritt nach eigenen Angaben die gemeinsamen Interessen von mehr als 3.500 Elektrizitätsunternehmen in Europa. Der Verband mit Sitz in Brüssel setzt sich dafür ein, die Rolle der Elektrizität für Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Mit dem nun vorgelegten Bericht will die Organisation nach eigenen Worten eine sicherheitspolitische Debatte im Energiesektor vertiefen und politische Entscheidungsträger für die wachsenden Risiken sensibilisieren.

Die Eurelectric Studie zur Widerstandsfähigkeit der Stromversorgung steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.

Montag, 16.02.2026, 14:53 Uhr
Susanne Harmsen

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