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Enerige & Management > Stromnetz - Stromsparer zahlen bei Netzentgelten drauf
Bild: JWS / Fotolia
STROMNETZ:
Stromsparer zahlen bei Netzentgelten drauf
Agora Energiewende kommt in einer Kurzanalyse zur Entwicklung der Netzkosten in Deutschland zu dem Ergebnis, dass stromsparende Verbraucher benachteiligt werden.
 
Der bundesweite Trend zum Energiesparen wird unattraktiver, weil private Haushalte mit unterdurchschnittlichem Stromverbrauch teilweise deutlich mehr für die Kilowattstunde zahlen müssen als Durchschnittskunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie von Agora Energiewende. „Arme oder auch sparsame Stromkonsumenten werden bei den Netzkosten relativ schlechter gestellt“, erklärt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Dies sei aus sozialer und ökologischer Sicht kontraproduktiv, so Graichen und sieht bei der Umverteilung der Netznutzungskosten eine „problematische Umverteilung“ zulasten von Geringverbrauchern.

Ursache sind die komplexen Verteilungsmechanismen und Regelungslücken bei den Netzentgelten, heißt es in der Studie. So würden Haushaltskunden im Netz der nordwestdeutschen EWE mit einem Jahresstromverbrauch von rund 1 000 kWh allein für die Nutzung des Stromnetzes mehr als 15 Ct/kWh zahlen, während Konsumenten mit einem Jahresverbrauch von 4 000 kWh nur etwa 7 Ct/kWh zahlen müssten. Dieser Trend ist nach Angaben von Agora Energiewende auch in andere Netzgebieten, etwa bei der ostdeutschen Edis oder der westdeutschen Westnetz, zu beobachten.

Dass es auch anders geht, zeigt sich in Stuttgart: Dort liegen die Netzentgelte unabhängig vom Stromverbrauch einheitlich bei 5,7 Ct/kWh. Ein höherer Grundpreisanteil ist laut Agora Energiewende nur dann gerechtfertigt, wenn die Verbraucher sich über eine eigene Solaranlage selbst versorgen und bestimmten Zeiten ihren Strombedarf aber zu 100 % aus dem öffentlichen Netz beziehen.

Die Studie zeigt zugleich aber auch, wie der Ausbau der Stromübertragungsnetze für Kostensenkungen sorgen kann. So habe der Netzbetreiber 50Hertz seine Netzkosten zu Jahresbeginn um 11 % reduziert, weil nach der Inbetriebnahme der Thüringer Strombrücke weniger kostenintensive Redispatch-Kraftwerke vorgehalten werden müssen. Im Westen steigen die Netzentgelte hingegen deutlich an. Tennet erhöhte die Netzentgelte um 9 %, TransnetBW um 13 % und Amprion sogar um 45 %. „Wir würden gerne genauer nachvollziehen, warum genau es zu diesen Kostensteigerungen kommt“, kritisiert Graichen und mahnt fehlende öffentliche Daten über die Zusammensetzung der Kosten in den Übertragungs- und Verteilnetzen an.

Die Kurzanalyse „Netzentgelte 2018: Problematische Umverteilung zulasten von Geringverbrauchern“ enthält beispielhafte Auswertungen für typische Netzbetreiber und zahlreiche Tabellen und Abbildungen. Als PDF-Datei kann die Analyse hier   abgerufen werden.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Freitag, 12.01.2018, 16:39 Uhr

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