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Enerige & Management > Stromnetz - Stromnetz-Störfall vom Januar ohne Effekt auf Deutschland
Bild: Jonas Rosenberger
STROMNETZ:
Stromnetz-Störfall vom Januar ohne Effekt auf Deutschland
Beim Störfall im europäischen Stromnetz vom 8. Januar kam es zu keinen Problemen in Deutschland, antwortete die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.
 
Am 8. Januar 2021 war es zu einem System-Split, also der Aufteilung des europäischen Verbunds in Teilnetze, gekommen. Nach einer Stunde sei der Vorfall behoben gewesen, erklärt die Bundesregierung. Er habe gezeigt, dass das Zusammenspiel der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) grundsätzlich gut funktioniert. Der letzte System-Split im europäischen Verbundnetz war 2006 nötig.

Der Systembetrieb war jederzeit sicher und es gab in Deutschland keine Beeinträchtigung der Verbraucher und eine Lastabschaltungen, stellt die Bundesregierung fest. Vorläufige Auswertungen des Verbands der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) zeigen, dass das Auslösen der Schutzvorrichtung einer Sammelschienenkupplung in Ernestinovo in Kroatien als initiales Ereignis festgestellt werden kann.

In Folge der Trennung dieser Sammelschienen wurden die Nord-West- und Süd-Ost-Leistungsflüsse voneinander separiert und weitere Schutzmechanismen benachbarter Netzelemente kaskadierend ausgelöst. Die Analysen zu den Ursachen seitens der Entso-E laufen noch. Auch die Bundesnetzagentur untersuche den Vorfall weiter. Ende Juni 2021 soll ein abschließender Bericht zu veröffentlicht werden.

Nach Aussage von Amprion, dem kontinentaleuropäischen Frequenzkoordinator für den Bereich Nord, kam es aufgrund der zwischenzeitlichen Unterfrequenz unterhalb 49,8 Hertz im Hauptgebiet (Deutschland, Frankreich und Italien) für circa 20 Sekunden zu vertraglich vereinbarten Lastabschaltungen in Frankreich und Italien. Demnach wurde der Bereich des Normalbetriebs verlassen, indem es aufgrund der Leistungsbilanz im Netzbereich Nord zu einer Unterspeisung von rund minus 6.300 MW und demnach Unterfrequenz <49,8 Hertz. Im Netzbereich Süd kam es zu einer Überspeisung von rund plus 6.300 MW und demnach Überfrequenz >50,2 Hertz.

Die von den europäischen ÜNB für eine solche Situation entwickelten Methoden, wie das nach der Großstörung von 2006 eingeführte European Awareness System (EAS) haben nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ihre Wirksamkeit im aktuellen Vorfall gezeigt. Dieses Echtzeitinformationssystem zeigt den Status des Elektrizitätssystems automatisiert im Einzelnen an und kann somit zu einer zeitnahen und fundierten Beurteilung der Lage im gesamten Stromnetz beitragen.

Weitere Maßnahmen in Reserve

Die der Bundesregierung bekannten durchgeführten Maßnahmen bewegten sich alle im Bereich der gesetzlichen Kompetenz der ÜNB nach § 13 EnWG. Den Übertragungsnetzbetreibern stehen zur Behebung von Bilanzungleichgewichten zwischen 47,5 Hertz und 52,5 Hertz verschiedene weitere Maßnahmen zur Verfügung, wie ein weiterer Einsatz der Regelleistung sowie vertraglich gebundener abschaltbarer Lasten.

Würden sehr kurzfristig Erzeugungskapazitäten oder große Verbraucher ausfallen, dann wären Abweichungen von 800 Millihertz kurzfristig (49,200 Hertz bis 50,800 Hertz) nach allgemeinem technischem Verständnis und Vereinbarung erlaubt. Bei jedoch höheren Abweichungen wäre von einem massiven Fehler im Netz auszugehen. Zur Vermeidung von solchen problematischen Netzzuständen tritt in diesem Fall ein definierter schrittweiser (Lastabwurf-) Abschaltplan bis zu einer Frequenz von 47,5 Hertz in Kraft. Im konkreten Vorfall vom 8. Januar 2021 bestand hier jedoch kein Bedarf.

Deutschland hat eine der sichersten Stromversorgungen weltweit

Der Vorfall wird derzeit als Stufe 2 der Entso-E ICS (Incidents Classification Scale) – für umfangreiche großflächige Vorfälle – kategorisiert. Eine genaue Einordnung könne gesichert jedoch erst nach Abschluss der Untersuchungen durch die ÜNB getroffen werden, schreibt die Bundesregierung. Grundsätzlich werden die Übertragungsnetze auf der Grundlage der (n-1)-Sicherheitsrechnungen mit ausreichenden Reserven betrieben, sodass auch der Ausfall einzelner Netzbetriebsmittel, so auch einer Sammelschiene, ohne größere Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit bleibt.

Eine wichtige Kennzahl für die Robustheit der elektrischen Energieversorgung
ist der "SAIDI"-Index (System Average Interruption Duration Index). Dieser beschreibt die durchschnittliche Unterbrechungsdauer von Endkunden. Das elektrische Energieversorgungssystem in Deutschland gehört zu den sichersten der Welt. Der Saidi liegt in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich auf einem konstant niedrigen Niveau, schließt die Bundesregierung in ihrer Antwort.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 18.03.2021, 15:04 Uhr

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