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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Strom für E-Autos aus der Bremsenergie der Stadtbahn
Der Strom aus dem Lademast, mit dem E-Busse der Kölner Verkehrsbetriebe im Nordwesten der Stadt betankt werden, entsteht, wenn die Stadtbahn bremst. Quelle: KVB
ELEKTROFAHRZEUGE:
Strom für E-Autos aus der Bremsenergie der Stadtbahn
Die Kölner Verkehrsbetriebe, Rheinenergie und Ford haben ein Ladesystem entwickelt, das sich aus Bremsenergie der Stadtbahn speist. Strom zapfen können Busse und andere Fahrzeuge.
 
Wenn die Stadtbahn an der Haltestelle Bocklemünd bremst, kommt in Köln die Verkehrswende voran. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), der Energieversorger Rheinenergie und der Autobauer Ford haben am nordwestliche Stadtrand eine neuartige Ladeinfrastruktur installiert. Die „Multimodale Lademodul-Integration“ ("MuLI"), die jetzt in Betrieb gegangen ist, dockt an verschiedene Spannungsebenen des Wechsel- und Gleichstroms an. Die Technik soll zur Blaupause werden. In einer gemeinsamen Pressemitteilung sprechen die drei Unternehmen von einem Baustein für die Ladeinfrastruktur-Landschaft in Köln.

Der Baustein besteht aus einer Ladestation, einem Lademast für Batteriebusse und zwei Ladesäulen mit jeweils zwei Ladepunkten für E-Autos. Die Ladestation teilt sich einen Batterie- und einen Mittelspannungsschaltraum. Im Batterieraum stecken sechs Batteriestapel mit 48 Modulen und je 20 Einzelzellen. Die Stapel – sie sind 2,20 Meter hoch 1,20 Meter breit und wiegen jeweils 700 Kilogramm – haben eine Gesamtspeicherkapazität von rund 300 kWh. Clou: Es handelt sich um recycelte Batterien. Sie stammen von Ford.

Zweitverwertung von Batterien

„Mit diesem Modellprojekt konnten wir die Zweitverwertung von Hochvoltbatterien untersuchen, ein Thema, das mit zunehmender Elektromobilität immer wichtiger wird,“ erklärt Ford-Werke-Chef Gunnar Herrmann. Es sei eine Lösung konzipiert worden, die Energie, die sich beim Bremsen einer Stadtbahn zurückgewinnen lässt, speichert und zum Laden von E-Autos bereitstellt. „Dies ist ein gangbarer Weg zur Zweitverwertung von Batterien von Elektrofahrzeugen.“

Die Batteriestapel verhindern auch Spannungsschwankungen im Ladenetz. Solche Spannungen würden sich sonst einstellen, wenn Autos im Schnellladeverfahren Strom ziehen und gleichzeitig eine Stadtbahn losfährt. „Mit flexiblen Speicherlösungen wie Muli können wir den Ausbau der benötigten Ladeinfrastruktur in Köln noch schneller vorantreiben, indem wir auf das bereits vorhandene Stromnetz der KVB zurückgreifen“, sagt Rheinenergie-Vorstand Dieter Steinkamp. Die Technik helfe auch dabei, Spannungsschwankungen auszugleichen, die mit der Erzeugung erneuerbarer Energien einhergehen.

Nach Bocklemünd führen zwei Stadtbahn- und drei Buslinien. Nahe der Haltestelle befindet sich eine Park-and-Ride-Anlage. In deren Erdgeschoss stehen die neuen Ladesäulen. Sie sollen etwa auch Kurier-, Express und Paketdiensten oder Carsharing-Betreibern offen stehen.

Förderung in Millionenhöhe

Die Projektpartner haben für ihren "E-Mobilitäts-Hub" das Potenzial im Stadtgebiet im Auge – ein viel größeres freilich, als der ÖPNV alleine birgt. Busverkehr, ÖPNV, Fern- und Charterverkehre zusammengezählt machen zwischen drei und sechs Prozent des gesamten Verkehrs aus. Von den rund 500.000 Pkw in Köln seien 6.000 Hybride und 2.500 reine E-Autos. Der Anteil der Elektrovehikel an den Carsharing-Modellen liege erst bei 5 %. In den nächsten Jahren müssen mit deutlichen Steigerungsraten gerechnet werden, heißt es.

Das Bundesverkehrsministerium fördert das Muli mit 1,87 Mio. Euro. Das Projektbudget beträgt nach Angaben der Unternehmen rund 6 Mio. Euro. Aus dem Fördertopf erhalten die KVB 700.000 Euro für die Projektleitung und den Erwerb von drei E-Bussen. Der Versorger Rheinenergie bekommt 980.000 Euro für den Aufbau und Anschluss der Ladeinfrastruktur. An die Ford-Werke gehen 195.000 Euro für die Energiespeicher.

 
 

Manfred Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Montag, 23.08.2021, 14:14 Uhr

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