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Enerige & Management > Bilanz - "Strategie 2020" der EnBW geht auf
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BILANZ:
"Strategie 2020" der EnBW geht auf
Die EnBW Energie Baden-Württemberg will sich in den kommenden Jahren weiter auf das Thema Infrastruktur konzentrieren. Das Konzernergebnis übertraf die Erwartungen.
 
„Es zahlt sich zunehmend aus, dass wir das Unternehmen komplett umgebaut und gleichzeitig zusammengehalten haben. Die EnBW hat an Robustheit und innerer Stärke gewonnen“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux bei der Präsentation der Geschäftszahlen in Karlsruhe am 28. März. Die Strategie 2020 gehe auf.

Seit dem Jahr 2013 verfolgt die EnBW die Strategie 2020. Der Grund waren tiefrote Zahlen. Nicht nur die niedrigen Börsenstrompreise hatten sich negativ ausgewirkt, zusätzlich hatten der Atomausstieg und mit ihm die Zahlungen in den Atom-Fonds das Ergebnis stark belastet. Die EnBW hatte bis zum Fukushima-Gau im Frühjahr 2011 mit mehr als 50 % einen der höchsten Atomstromanteile im Energiemix verglichen mit anderen Konzernen wie Eon, RWE oder Vattenfall – und damit einen der beschwerlichsten Wege zu einer Neuausrichtung. Im Jahr 2017 konnten die Karlsruher nach mehreren Jahren jedoch erstmals wieder einen Gewinn ausweisen.

Wirtschaftlich sei das aktuelle Geschäftsjahr 2018 von den unterdurchschnittlichen Windverhältnissen und Niedrigwasser geprägt gewesen, was sich insbesondere auf die Erträge der Offshore-Windparks sowie der Laufwasserkraftwerke ausgewirkt habe. Das hätten andere Segmente – etwa der Netzbereich – aber ausgeglichen.

Erneuerbaren-Portfolio wächst im In- und Ausland

Die EnBW hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 20,62 Mrd. Euro erwirtschaftet und damit rund 6 % weniger als im Jahr zuvor. Dies geht laut dem Konzern „rein auf die erstmalige Anwendung eines neuen Rechnungslegungsstandards zurück und hat keine Auswirkungen auf das Ergebnis“.

Der Gewinn ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) lag mit 2,16 Mrd. Euro um 2,1 % über dem Vorjahr. Der Konzernüberschuss beträgt 438,3 Mio. Euro, damit ging dieser um 355 Mio. Euro zurück. Im Vorjahr sei das Finanzergebnis stark positiv geprägt gewesen durch den Verkauf von Wertpapieren zur Vorbereitung der Zahlung an den Kernenergie-Fonds (KFK-Fonds, nannte die EnBW als Grund. Dies sei auch nicht überraschend gewesen, so Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Die Gesamtinvestitionen des EnBW-Konzerns liegen mit insgesamt 1,77 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau. Von den gesamten Bruttoinvestitionen entfielen 74,8 % auf Wachstumsprojekte in erster Linie in den Bereichen Netzausbau und erneuerbare Energien im industriellen Maßstab.

EnBW-Chef Mastiaux berichtete zudem über einige „operative Highlights aus dem Jahr 2018“. Im Bereich erneuerbare Energien konnte die EnBW unter anderem Baufortschritte bei den Offshore-Parks Hohe See und Albatros vermelden. Wenn die beiden Parks Ende dieses Jahres in Betrieb sind, verfügt der Energiekonzern zusammen mit Baltic 1 (Leistung: 48,3 MW) und Baltic 2 (Leistung: 288 MW) in der deutschen Nord- und Ostsee über eine Erzeugungskapazität von 945 MW. Mit dem Erwerb und Bau von 14 Windparks mit 178 MW in Deutschland und Schweden baut EnBW die Onshore-Windkraft auf insgesamt 718 MW weiter aus.

Auch bei der Photovoltaik gab es einen Zuwachs von 22 MW. Das Solarportfolio liegt damit bei 99 MW. Zudem gab Mastiaux bekannt, dass sich die Übernahme des französischen Wind- und Solarunternehmens Valeco abzeichne. Das Erneuerbaren-Portfolio soll auch mit internationalen Zukäufen wachsen. Seit 2018 ist die EnBW auch in Frankreich aktiv und entwickelt mit ihrer Tochtergesellschaft EnBW Energies Renouvelables SAS das Onshore-Wind- und das Solargeschäft.

Absatz von Strom und Gas gestiegen

Der Karlsruher Konzern konnte auch den Strom- und Gasabsatz steigern. Der Stromabsatz lag bei 136,8 Mrd. kWh (2017: 122,0 Mrd. kWh). Beim Gas wirkte sich die Vollkonsolidierung der Leipziger VNG positiv aus: Der Absatz erhöhte sich von 250 Mrd. kWh im Jahr 2017 auf 328,3 Mrd. kWh.

Künftig soll weiterhin in den Bereich Infrastruktur investiert werden, und zwar auf drei Wachstumsfeldern: nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur (Ausbau der Erneuerbaren), systemkritische Infrastruktur (Verteilnetze und Gasnetze) und intelligente Infrastruktur für den Kunden (unter anderem neue digitale Angebote). Insgesamt will die EnBW von 2021 bis 2025 etwa 12 Mrd. Euro investieren.

„Und wir brauchen auch neue Mitarbeiter. Bis Ende 2021 werden wir voraussichtlich 3 600 Mitarbeiter einstellen“, sagte Mastiaux bei der Bilanzpressekonferenz. Davon werden wohl bis zu 400 Stellen tatsächlich neu geschaffen.

Mit Blick über 2020 hinaus sagte Mastiaux: „Wir konzentrieren uns - und zwar auf das, was wir besonders gut können, nämlich verlässlich und sicher komplexe, große und kritische Infrastruktur zu bauen und zu betreiben. Nicht nur im Bereich Energie, sondern auch darüber hinaus. Und zweitens: Wir wollen wachsen. Konkret wollen wir 2025 ein Ergebnis von mehr als drei Milliarden Euro erzielen. Das wäre mehr, als dieses Unternehmen je wirtschaftlich erreicht hat.“
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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