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Enerige & Management > Niedersachsen - Stiefkind Verteilnetz
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NIEDERSACHSEN:
Stiefkind Verteilnetz
Für die Forscher am niedersächsischen EWE-Forschungszentrums „Next Energy“ in Oldenburg liegen die eigentlichen Herausforderungen in der Systemintegration.
 
„Wenn wir uns jetzt auf der nationalen oder europäischen Bühne in eine große Auseinandersetzung über das geplante Ausschreibungsmodell hineinbegeben, arbeiten wir meiner Meinung nach am Kern der vor uns liegenden Herausforderungen vorbei“, sagte Carsten Agert, Leiter des EWE-Forschungszentrums „Next Energy“ im Rahmen einer Diskussionsrunde Mitte Oktober in Oldenburg. Angesichts der in den vergangenen Jahren bereits erzielten enormen Kostenreduktionen bei den erneuerbaren Energien sollte ein Systemwechsel auf der Vergütungsseite derzeit nicht im Zentrum des politischen Bemühens stehen, so Agert. „Entscheidend wird vielmehr sein, ob wir die Systemintegration in den Verteilnetzen, das Thema Regelenergie und die saisonale Versorgungssicherheit bezahlbar hinbekommen." Deshalb sei es dringend notwendig, dass sich Gesetzgeber und Forschung weitere kreative Gedanken zum künftigen Strommarktdesign machen.

Vor allem die Probleme auf der Verteilnetzebene kommen laut dem Institutsleiter in der öffentlichen Diskussion derzeit zu kurz. Aber der Ausbau und die Ertüchtigung der Netze im Nieder- und Mittelspannungsbereich seien enorm wichtig, will Deutschland die erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Die derzeitigen Verteilnetze seien für die ehrgeizigen Pläne der Energiewende nicht ausgelegt. „Hier braucht es Flexibilisierungstechnologien.“ Für Agert müssen Schlüsselakteure wie Hausbesitzer und Bauherren jedoch in diese Thematik mit einbezogen werden.

Überkapazitäten sinnvoller als Speicher

Der Leiter des EWE-Forschungszentrums ist überzeugt, dass es möglich ist mit einem intelligenten Gebäudeenergiemanagement sowie smarten Ortsnetztransformatoren eine Verteilnetzregelung mit einem hohen Anteil an erneuerbarer Energie hinzubekommen, ohne das Netz zu überlasten. Dazu sei es aber notwendig, auch netzentlastende Gebäudeenergiemanagement-Konzepte zu entwickeln. Das Gebäudeenergiemanagement ist nach Ansicht der Oldenburger Forscher ein wichtiger Teil dieses Gesamtsystems. Denn die wesentlichen aktiven Verteilnetzkomponenten, wie beispielsweise PV-Anlagen, KWK oder Speicher finden sich in Gebäuden.

Agert appelliert zudem an die Politik, dass sie sich auch mit unpopulären Fragen auseinandersetzen sollte: „Müssen beispielsweise alle Erzeugungsspitzen unbedingt ins Netz?“ Nach Berechnungen von EWE könnte durch ein lastflussabhängiges Drosseln der regenerativen Jahresenergiemenge im Bereich der Spitzenlast um fünf Prozent die Netzanschlusskapazität mehr als verdoppelt werden. Dies sei volkswirtschaftlich eine günstigere Lösung als den volatilen Strom in jedem Fall zu speichern, so Agert. „Wir sind an einem Punkt, wo man sich damit ein Stück weit anfreunden muss.“ An einem angepassten Ausbau der Stromnetze komme man aber trotzdem nicht vorbei.

Das niedersächsische EWE-Forschungszentrum „Next Energy“ beschäftigt sich im Schwerpunkt mit den Themen Photovoltaik, KWK/Brennstoffzellen und Speicher. Laut den Forschern seien dies die drei Schlüsseltechnologien, die beim Wandel hin zu einer dezentralen Energieversorgung zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Next Energy ist ein An-Institut der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ist unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins „EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie“ organisiert.
 

Heidi Roider
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Freitag, 31.10.2014, 14:00 Uhr

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