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Enerige & Management > Klimaschutz - Steiniger Weg zur klimaneutralen Industrie diskutiert
Quelle: Fotolia / Coloures-Pic
KLIMASCHUTZ:
Steiniger Weg zur klimaneutralen Industrie diskutiert
Für die deutsche Industrie ist der Weg zur Klimaneutralität bis 2045 ein gewaltiges Transformationsprojekt. Die Rahmenbedingungen dafür diskutierten Praktiker bei Agora Energiewende.
 
Bis 2030 sollen die deutschen Emissionen gemäß neuem Klimaschutzgesetz schrittweise um etwa 68 % gegenüber dem Jahr 2020 auf 118 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent reduziert werden. Damit die Transformation gelingen kann und gleichzeitig der Industriestandort erhalten bleibt, braucht es verlässliche politische und rechtliche Rahmenbedingungen. Am 7. Oktober diskutierten in Berlin Vertreterinnen und Vertretern aus Spitzenpolitik, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft, wie diese aussehen müssten.

Für die Transformation seien nur gut zwei Jahrzehnte Zeit. Daher müsse die Politik die Transformation beschleunigen und ihre Risiken absichern, mahnte Guntram B. Wolff, Direktor der internationalen Wirtschaftsdenkfabrik Bruegel. Bereits im Juni dieses Jahres habe die EU-Kommission mit dem Fit-for-55-Paket einen Vorschlag für ein umfangreiches Umsetzungspaket vorgelegt.

EU-Paket "Fit for 55"

Er verwies auf die Bemühungen der EU, die europäische Wirtschaft durch einen Klimaklub der Industriestaaten oder Grenzausgleichsabgaben (CBAM - Carbon Border Adjustment Mechanism) vor den Auswirkungen teurer Klimaschutzmaßnahmen im internationalen Wettbewerb zu schützen. Private Investitionen müssten den Löwenanteil stellen, aber die öffentliche Hand solle in die Infrastruktur für die dekarbonisierte Wirtschaft investieren, appellierte Wolff.
 
Nötige Investitionen in die EU-Infrastruktur bis 2030 für das Ziel, 55 % weniger Klimagase gegenüber 1990 auszustoßen
Quelle: Bruegel -
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Für die deutsche Industrie ist der Weg hin zur Klimaneutralität ein gewaltiges Transformationsprojekt, erläuterte für die BASF Vorstandsvorsitzender Martin Brudermüller. Das bedeute nicht weniger, als die Produktion industrieller Güter grundlegend zu modernisieren: Neue Technologien müssten entwickelt und eingeführt, Produktionsprozesse teilweise komplett umgebaut werden. „Nur mit einem Strompreis von vier bis fünf Cent/kWh ist für uns wettbewerbsfähige Produktion möglich“, betonte er. Er will von der Politik keine Strafen in Form von Zusatzabgaben, sondern einen Rahmen, in dem sich Klimaschutz rechnet.

Mehr erneuerbare Energie beschaffen

Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE, verwies auf direkte Lieferverträge (PPA) mit der Industrie für erneuerbaren Strom oder grünen Wasserstoff. Brigitte Knopf, Mitglied im Nationalen Klimarat, erwartet, dass der Kohleausstieg durch die hohen Preise auf CO2-Zertifikate früher als 2038 kommen werde. Er bedürfe aber eines schnelleren Ausbaus von Alternativen wie erneuerbaren Energien, Speichern und den Stromnetzen, sonst könnten Kohlekraftwerke nicht vom Netz gehen.

Kajsa Borgnäs, Geschäftsführerin der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG Bergbau Chemie und Energie, forderte, die Beschäftigten der Kohleindustrie nicht zu vergessen. Ein früherer Kohleausstieg verstoße gegen die Vereinbarungen aus dem Ausstiegsgesetz. Daher müssten entsprechend schneller neue Wirtschaftsmöglichkeiten für die betroffenen Regionen erschlossen würden. Sie warnte, dass im Wettbewerb um erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff kleinere Unternehmen unterliegen werden und dann nicht mehr wettbewerbsfähig sein könnten.

Wasserstoff aus vielen Quellen ermöglichen

Man solle auch Wasserstoff aus anderen Quellen als der Elektrolyse mit Grünstrom für den Anfang ermöglichen, um niemanden zurückzulassen. Dies unterstützte Markus Krebber, der auch auf Wasserstoff aus Erdgas oder Pyrolyse setzen will, solange nicht genug aus erneuerbarem Strom zur Verfügung stehe. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Andreas Jung, will unbedingt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie erhalten und setzt dabei vor allem auf einen europaweiten Klimagaszertifikatehandel.

Ingrid Nestle, energiewirtschaftliche Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/die Grünen, will den Strommarkt so umbauen, dass auch Flexibilitäten sich lohnen. So könnte die schwankende Erzeugung der erneuerbaren Energien besser aufgefangen werden. Sie sagte zu, falls ihre Partei in Regierungsverantwortung komme, für eine Beschleunigung in den Genehmigungsverfahren für Stromtrassen und erneuerbare Energieanlagen zu sorgen.

Die Agora-Studie Klimaneutrales Deutschland bis 2045   steht im Internet kostenlos zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 07.10.2021, 16:30 Uhr

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