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Enerige & Management > Vertrieb - Statkraft schließt ersten deutschen Windstrom-PPA ab
Bild: psdesign1 / Fotolia
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Statkraft schließt ersten deutschen Windstrom-PPA ab
Sechs Bürgerwindparks in Niedersachen einigen sich mit Statkraft auf ein Power Purchase Agreement (PPA), um so den Betrieb ab 2021 nach dem Ausfallen der EEG-Vergütung zu sichern.
 
Premiere in Deutschland: Statkraft Markets hat den ersten Power Purchase Agreement (PPA)-Vertrag mit Windparks abgeschlossen, deren Weiterbetrieb so über das Auflaufen der bisherigen Vergütung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz ab Anfang 2021 gesichert ist.

Die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzerns einigte sich mit den Betreibern von sechs Bürgerwindparks in Niedersachsen, deren 31 Windenergieanlagen es zusammen auf eine Leistung von 45 MW bringen, auf die hierzulande noch neue Stromvermarktungsoption. Die Laufzeit der Stromabnahmeverträge, die am 1. Januar 2021 beginnen, schwankt zwischen drei und fünf Jahren. Den Windstrom der Ü20-Anlagen liefert Statkraft ab Anfang 2021 an ein „großes deutsches Industrieunternehmen“, über dessen Namen sich Deutschlands größter Direktvermarkter von Strom aus EEG-Anlagen vorerst ausschweigt.

Statkraft sieht PPA als Türöffner

Gerade für Industriekunden sieht Statkraft Markets diesen ersten PPA-Kontrakt als eine Art Türöffner: „Viele unserer Industriekunden haben sich Nachhaltigkeitsziele gesetzt und sind daher an einer Versorgung mit grünem Strom interessiert. Wir kombinieren Strom aus Windparks in Deutschland mit Strom aus anderen erneuerbaren Quellen und bringen so die Erzeugungs- und Verbrauchsseite in Einklang“, betonte Carsten Poppinga, einer der Geschäftsführer von Statkraft, in einer Unternehmensmitteilung.

Dass PPA, die im angelsächsischen Raum oder in Skandinavien längst zu den Standardinstrumentarien in der Energiewirtschaft zählen, nun auch hierzulande vereinbart werden, hängt mit einem entscheidenden Passus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zusammen: Die Väter des EEG, das seit April 2000 gilt, haben festgelegt, dass allen Betreibern von Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken eine feste Vergütung von 20 Jahren gewährt wird.

Deshalb fallen ab dem 1. Januar 2021 die ersten Ökokraftwerke aus der EEG-Vergütung. 2021 sind es nach Informationen der Bundesregierung gleich 5 608 Windenergieanlagen mit einer Leistung von gut 4 400 MW. Bis Ende 2025 umfasst der „Aderlass“ einer jüngsten Studie des Bundesverbandes Windenergie (BWE) eine Windkraftleistung von immerhin 16 000 MW, was gut 30 % der heutigen Windturbinenleistung entspricht.

Derzeit suchen immer mehr Betreiber dieser Altanlagen nach Finanzierungsoptionen für den Weiterbetrieb. Zu diesen Optionen zählen auch zweifellos die Power Purchase Agreements, die den Windmüller für eine überschaubare Zeit gesicherte Einnahmen verschaffen. „Gerade für den Weiterbetrieb von Altanlagen könnten PPA mit relativ kurzen Laufzeiten nun zu einem wichtigen Schlüssel werden, sofern die Mühlen über eine passende Kostenstruktur verfügen“, prognostiziert Nicolai Herrmann, Strommarktexperte vom Beratungsunternehmen Enervis Energy Advisors: „PPA werden immer da relevant, wo sie attraktiver sind als andere finanzielle Alternativen zum Weiterbetrieb.“

PPA für Neuanlagen gestalten sich (noch) schwierig

Schwieriger ist die Situation für PPA bei neuen Anlagen. Diese Stromabnahmeverträge sind nach seiner Einschätzung kein "Messias für künftige Windparkfinanzierungen bei Neuprojekten“. Dagegen sprächen schon die jüngsten Auktionsergebnisse in Deutschland mit einem durchschnittlichen Zuschlagswert von über 6 Cent pro Kilowattstunde. „Mit einer solch auskömmlichen Förderung ist der Leidensdruck für Investoren und Projektierer nicht vorhanden, um weniger gut dotierte PPA-Verträge abzuschließen, die zudem auch ein anderes energiewirtschaftliches Risikoprofil aufweisen als die EEG-Vergütung“, sagt Herrmann.

Dennoch: Die Zahl der grünen PPA, bei denen vor allem Windstrom geliefert wird, wächst. Allein für die sogenannten Corporate PPA, bei denen in der Regel ein großes Industrieunternehmen Windstromkunde ist, hatte die HSH Nordbank im Frühjahr für das vergangene Jahr ein abgeschlossene Rekordvolumen von über 1 400 MW für Europa ermittelt. Dass dabei Unternehmen wie Microsoft oder Google als Abnehmer gewonnen werden konnten, sorgte für (die mediale) Aufmerksamkeit.

„Die grünen PPA beschränken sich bereits längst nicht mehr auf den IT-Sektor“ beschreibt Inka Klinger, Leiterin Energie & Logistik Vertrieb Deutschland bei dem norddeutschen Bankhaus, die Entwicklung in den vergangenen Monaten, „sondern haben mittlerweile auch andere Branchen wie Stahl, Pharmazie oder Automotive erreicht.“

Auf der bevorstehenden Hamburg Wind Energy in der letzten Septemberwoche, der weltweit größten Windenergie-Messe, dürfte nach Branchen-Einschätzung das PPA-Thema weit oben auf der Agenda stehen.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 03.09.2018, 15:45 Uhr

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