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Enerige & Management > Klimaschutz - "Startschuss" zur Dekarbonisierung des Bauwesens
Quelle: Fotolia / Coloures-Pic
KLIMASCHUTZ:
"Startschuss" zur Dekarbonisierung des Bauwesens
Den weltweit ersten universellen Standard für die Berichterstattung über "verkörperten und betrieblichen Kohlenstoff" hat ein Zusammenschluss von Bauexperten veröffentlicht. 
 
Verkörperter und betrieblicher Kohlenstoff bezeichnet Kohlendioxidemissionen, die beim Bau und während des Lebenszyklus von Bauwerken entstehen. 40 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen werden pro Jahr durch den Bau neuer Gebäude und Infrastrukturen freigesetzt, schätzt der "Royal Institution of Chartered Surveyors" (Rics), ein britischer Berufsverband von Immobilienfachleuten und Immobiliensachverständigen.

Wie der Berufsverband in einer Mitteilung vom 29. November bekannt gibt, will er seine Normen und Leitlinien für alle Mitglieder, die im Bausektor tätig sind, einer Aktualisierung unterziehen. 2022 will er einen aktualisierten Standard zur Bewertung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden veröffentlichen, der sich am "International Cost Management Standard (ICMS3) orientiert. Bei "ICMS3" handelt es sich nach den Worten von Rics um den "weltweit ersten universellen Standard für die Berichterstattung von CO2-Emissionen", die beim Bau und während des Lebenszyklus von Bauwerken entstehen.

Erstellt wurde der Standard durch einen internationalen Zusammenschluss aus 49 Bauexperten, darunter etwa die Organisationen China Electricity Council (CEC), Canadian Institute of Quantity Surveyors (CIQS) und Institution of Civil Engineers. Aus Deutschland mit dabei ist der Fachverein für Management und Ökonomie im Bauwesen − kurz "maneco". 

Fundierte Berechnungen für Sanierungsmaßnahmen

Der ICMS3 legt laut Rics die Methode fest, mit der Baufachleute und Bauträger die Menge an gebundenem Kohlenstoff, die durch ihre Projekte entsteht, erfassen können. Dies erfolge unabhängig davon, ob es sich um den Bau neuer Straßen, Schulen, Büros, Wohnungen oder Eisenbahnen handelt. Bauherren könnten damit, wie es weiter heißt, im Sinne des Klimaschutzes ihre Baupläne ändern − entweder durch die Auswahl nachhaltiger Materialien oder die Einführung neuer Baupraktiken.
 
Der International Cost Manamgent Standard (ICMS3) zum Download. Hierzu bitte auf das Dokument klicken
Quelle: ICMS

Neben der Erfassung des verkörperten Kohlenstoffs ermöglicht ICMS3 auch die Berücksichtigung des Lebenszyklus, der Kosten und der Kohlenstoffauswirkungen eines Gebäudes oder einer Infrastruktureinrichtung lange nach Abschluss der Bauarbeiten. Bauherren bekommen damit Daten und Informationen an die Hand, die ihnen fundierte Berechnungen über den Wert von Sanierungsmaßnahmen ermöglichen.

Dekarbonisierung ohne Messungen nicht möglich

Rics sieht die Einführung des IDMS3 als "Startschuss für das Bauwesen, sich als globale, vernetzte Branche für die Netto-Null-Emissionen zu engagieren. "Die Dekarbonisierung des Bauwesens ist jetzt unerlässlich, um die Ziele der COP-26-Klimakonferenz zu erreichen", erklärt Alan Muse, Leiter des Bereiches Baunormen bei der Rics. Weltweit standardisierte Erfassungssysteme seien hierzu notwendig. "Ohne Messungen können wir es nicht in den Griff bekommen. Der Einsatz von ICMS3 wird allen Akteuren im Bauwesen zugutekommen, die den Kohlenstoffausstoß aufgrund der Einhaltung von Vorschriften sowie aus marktwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erwägungen verringern wollen. Zudem wird er Innovationen im Bereich alternative Konstruktionen und Lösungen vorantreiben", so Muse.

Bislang gab es im Gebäudesektor widersprüchliche Methoden zur Ermittlung des Kohlenstoffausstoßes. In einer Befragung durch den Rics-Verband Anfang des Jahres gaben 40 % der Befragten der Bauwirtschaft an, dass eine genaue Kohlenstoffmessung nicht vorhanden sei. 

Der Verband Rics stellt "ICMS: Global Consistency in Presenting Construction Life Cycle Costs and Carbon Emissions"   auf seiner Internetseite zum Download bereit. 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Montag, 29.11.2021, 14:56 Uhr

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