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Enerige & Management > Stadtwerke - Stadtwerke-Partnerschaft bringt Hilfe im zerstörten Ahrtal voran
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
STADTWERKE:
Stadtwerke-Partnerschaft bringt Hilfe im zerstörten Ahrtal voran
Stadtwerke helfen Stadtwerken: Noch immer sind Beschäftigte aus Schwäbisch Hall im Flutkatastrophengebiet vor Ort, um das Partner-Versorgungsunternehmen Ahrtal-Werke zu unterstützen.
 
Die Entfernung ist mit über 300 Kilometern groß, die Verbindung dennoch eng: Die Partner-Unternehmen Stadtwerke Schwäbisch Hall und Ahrtal-Werke aus Bad Neuenahr-Ahrweiler sind gemeinsam im Einsatz gegen die Folgen der Hochwasserkatastrophe vom 14. Juli. Aktuell tauschen die Beschäftigten Stromzähler aus und verstärken die Netzanlagen.

Die Hilfe aus Schwäbisch Hall kommt nicht von ungefähr. Die dortigen Stadtwerke halten 49 % am Versorger aus dem Ahrtal, der zu mehr als der Hälfte der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler gehört. Entsprechend kurzfristig sprangen die Baden-Württemberger ihren Kolleginnen und Kollegen bei, in der Spitze waren 50 Mitarbeitende im weitgehend zerstörten Tal tätig.

Neue KWK-Projekte in Bad-Neuenahr-Ahrweiler in Gefahr

Die Beteiligten weiten den Fokus aber über diese Zweisamkeit hinaus. Energieversorger und Fachfirmen aus ganz Deutschland waren phasenweise mit mehr als 100 Hilfskräften zugegen. Gebhard Gentner, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, schließt alle in seinen Dank für den „unermüdlichen Einsatz“ ein. Die „solidarische und unbürokratische Hilfe“ hebt Thomas Hoppenz hervor, einer der beiden Geschäftsführer der Ahrtal-Werke sowie Prokurist der Schwäbisch Haller Stadtwerke.

Die Unterstützung aus dem Ländle erstreckt sich über viele Bereiche. Die unmittelbare Hilfe ab der Flutnacht rankte sich um die Gefahrenabwehr sowie die schnelle provisorische Wiederherstellung von Strom- und Wärmeversorgung. Wegmarken seither sind die intakte Fernwärme für Warmwasserbereitung und Raumheizung Ende Juli und die seit August vollständig funktionierende Stromversorgung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hinzu kam das Prüfen, Reinigen und die Inbetriebnahme von Trafoanlagen und Anschlusskästen.

Nicht zu unterschätzen ist die logistische Unterstützung durch das Haller Unternehmen. Zuletzt half man beim Beschaffen von etwa 100 Umspannanlagen und über 6.000 Zählern. Die Abteilung Einkauf hat in den knapp drei Monaten seit der Flut inzwischen mehr als zehn Kilometer Kabel, etwa 15.000 Sicherungen, 120 Kabelverteilerschränke und mehrere hundert Hotelzimmer und Essen für diverse Hilfskräfte organisiert. Dazu ist der Einkauf nach wie vor die Drehscheibe für externe Hilfsangebote. Und schließlich war die Telefonzentrale der Ahrtal-Werke in Schwäbisch Hall aufgeschaltet. Nur so ließen sich bis zu 400 eingehende Anrufe pro Tag bearbeiten.

Die Ahrtal-Werke arbeiten unterdessen auch an der Wiederherstellung der eigenen Erzeugungskapazitäten. Dabei kämpft der Versorger um sein Konzept, an der Kreuzstraße eine Kombination aus zwei Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) und einer innovativen KWK-Anlage (iKWK) zu errichten. Die Anlage sollte im Herbst in Betrieb gehen, allerdings setzte die Flut die Baustelle unter Wasser und sorgte für Schäden.

Auch das bestehende Heizkraftwerk am Stammsitz ist aktuell wegen Reparaturbedarfs nicht in Betrieb. Dominik Neswadba, einer der Geschäftsführer der Ahrtal-Werke, äußerte auf Anfrage unserer Redaktion die Hoffnung, das Kraftwerk noch vor dem Advent vollständig wiederherstellen zu können. Allerdings sei der Betrieb damit noch nicht gewährleistet. Dies hänge auch davon ab, ob die KWK-Anlage dann wieder auf die Gaslieferungen durch die Energieversorgung Mittelrhein (evm) zurückgreifen könne.

Laut Co-Geschäftsführer Thomas Hoppenz läuft den Ahrtal-Werken beim neuen KWK-Projekt allerdings die Zeit davon. Der Neubau verzögert sich, hinzu kommt erwartbar ein um bis zu 50 % rückläufiger Wärmeabsatz. Mit vielen großen Stromabnehmern wie den Ahr-Thermen, Kliniken, Hotels, Bädern oder Schulen seien kurzfristig kaum die üblichen Geschäfte zu machen, so Dominik Neswadba. "Die wirklichen Bedarfe vorherzusagen ist schwierig", so Neswadba.

Damit sind die neuen KWK-Anlagen eigentlich überdimensioniert und schwer refinanzierbar. Mit der Bundesnetzagentur ringen die Ahrtal-Werke daher aktuell um eine Ausnahmegenehmigung, zumindest das iKWK bauen zu dürfen. Genehmigt waren die drei KWK-Anlagen als Module jedoch im Verbund, weswegen mit der Regulierungsbehörde Gespräche nötig sind.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 05.10.2021, 15:59 Uhr

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