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Enerige & Management > Stadtwerke - Stadtwerke Neumünster schreiben erneut schwarze Zahlen
Bild: E&M/Jonas Rosenberger
STADTWERKE:
Stadtwerke Neumünster schreiben erneut schwarze Zahlen
Das zweite Jahr in Folge legen die Stadtwerke Neumünster schwarze Zahlen vor. Der Gewinn von 4,3 Mio. Euro übertrifft dabei die Erwartungen.
 
Die Corona-Pandemie hat der wirtschaftlichen Gesundung der Stadtwerke Neumünster GmbH (SWN) nichts anhaben können. Im Gegenteil: Der schleswig-holsteinische Versorger mit seinen Sparten Energie, Entsorgung, Bäder und Verkehr liegt mit 4,1 Mio. Euro Gewinn rund 300.000 Euro über dem für 2020 kalkulierten Absatz.

Es ist nach 2019 (plus 1,6 Mio. Euro) das zweite Jahr in Folge, dass die SWN schwarze Zahlen schreiben. Davor war das zu 100 % der Kommune gehörende Unternehmen zwei Jahre lang in die Verlustzone gerutscht, begleitet von personellen Turbulenzen. Das wiederholt erfreuliche Ergebnis schreibt Geschäftsführer Michael Böddeker dem guten Miteinander im Unternehmen und der schnellen Reaktion auf die Pandemie zu. „Große Fortschritte“ in den Bereichen Energie, Erzeugung, Telekommunikation und Technischer Service steigerten die Erlöse.

Ergebnis für 2021 wird etwas niedriger ausfallen

Für 2021 erwartet Böddeker mit 1,6 Mio. Euro ein etwas geringeres Resultat, was auch durch die anstehende Revision des Kraftwerks bedingt sei. Es besteht auch aus der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) mit Wirbelschichtfeuerung, einem Heizkraftwerk, das den Restmüll aus der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Strom und Fernwärme verwandelt.

Das Energiegeschäft 2020 habe trotz deutlicher Einschränkungen für den Direktvertrieb 10,3 Mio. Euro Gewinn abgeworfen, teilten die SWN mit. Das ist mehr als das Vierfache des Vorjahres. Aus diesen Überschüssen begleichen die SWN auch Verluste in der Bäder- und Verkehrssparte. Letztere hat durch den Einbruch bei den Fahrgastzahlen ein um 1 Mio. Euro höheres Minus eingefahren (nun minus 3,5 Mio. Euro), eine Überweisung von 719.000 Euro aus dem Rettungsschirm des Bundes bereits eingerechnet.

Als attraktiv erweist sich das Telekommunikationsangebot der SWN. Der Ausbau der 5G-Internet-Produkte hat den Stadtwerken 11.000 zusätzliche Kunden beschert, deren Anzahl auf 56.000 stieg. Auch mit der Mobilitätsplattform „Nonoxx“, die die SWN als „bundesweit bislang einmalig“ bewerben, verdient das Unternehmen zunehmend Geld. Dabei handelt es sich um Angebote und digital gesteuerte Prozesse zur E-Mobilität wie Autoleasing, private Ladestationen oder Autostrom.

Kommune schuldet den Stadtwerken 20 Mio. Euro für Fernwärme

Mit der Kommune als Konzernmutter haben die SWN übrigens überraschend noch eine millionenschwere Rechnung offen. Ein gemeinsam in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Stadt seit 2007 etwa 20 Mio. Euro zu viel von den Stadtwerken kassiert hat. Es geht um die summierten Gestattungsentgelte bei der Fernwärme, also um die Gebühren, die eine Kommune von Energieversorgern und Unternehmen für Leitungsnetze im öffentlichen Erdreich verlangen darf.
  Der gültige, 2013 in Kraft getretene Gestattungsvertrag für Fernwärme bringt der Stadt jährlich 1,8 Mio. Euro ein. Das Gutachten spricht davon, dass die Abgabe um 220.000 bis 280.000 Euro zu hoch angesetzt sei und die Stadtwerke entsprechend zu viel gezahltes Geld zurückfordern müssen. „Wir haben das Gutachten zur Kenntnis genommen. Die Höhe der Summe und der Zeitraum der Rückforderung sind noch zu prüfen“, sagt Oberbürgermeister Olaf Tauras (CDU). Das wird vermutlich Aufgabe seines Nachfolgers Tobias Bergmann (SPD), der die Stichwahl um den Chefposten im Rathaus Ende Mai knapp gewonnen hatte und die Amtsgeschäfte am 1. September aufnehmen wird.

Beide Seiten betonen, dass der Fehler und die Änderung der Abgabe sich nicht auf die Preise für Fernwärmekunden auswirkten. 2019 hatten die Stadtwerke den satten Aufschlag von 75 % beim Grundpreis für Endverbraucher mit hohen Kosten für die Unterhaltung der Netze begründet. Der örtliche Versorger war zu der Zeit in finanzielle Schieflage geraten, hatte sich Mitte 2018 von Vertriebsleiter Matthias Stolten und in der Folge von den Geschäftsführern Tino Schmelzle und Thomas Junker getrennt, denen kurzzeitig mit Bernd Michaelis ein dritter Manager an die Seite gestellt worden war. Im Mai 2019 hatte schließlich Michael Böddeker das Ruder übernommen.
 

Volker Stephan
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Freitag, 18.06.2021, 14:44 Uhr

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