• Vollere Gasspeicher dämpfen Preisanstieg
  • Bundesnetzagentur: Gasnotlage kann vermieden werden
  • 20 neue Busse für Dresden geliefert
  • Chemieunternehmen Evonik ersetzt Erdgas zu 40 Prozent
  • Versorger wollen Lithium abbauen
  • Verlust bei Siemens Energy steigt
  • Pfalzwerke AG sammelt 60 Mio. Euro ein
  • Teil 6: Offene Fragen, die der Lösung harren
  • Stadtwerke Witten beschließen Energiesparpaket
  • EnBW baut neuen Großladepark
Enerige & Management > Studien - Stadtwerke im Transformationsprozess mit mehr Geld ausstatten
Quelle: Shutterstock
STUDIEN:
Stadtwerke im Transformationsprozess mit mehr Geld ausstatten
Mehr Geld für die Stadtwerke fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Nur so könnten die kommunalen Versorger in der Transformation des Energiesystems bestehen.
 
Die Präsentation ihrer 20. Stadtwerke-Studie nutzen die Verfasser für ein eindringliches Plädoyer, die kommunalen Versorgungsunternehmen für die strategischen Herausforderungen finanziell besser auszustatten. „Die Stadtwerke können den Transformationsprozess nur gestalten, wenn sie die notwendigen Investitionen auch tätigen können“, sagt Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Dies dürfe nicht von der Kassenlage der Kommunen abhängen.

Mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH (EY) hat der BDEW erneut die Situation der größtenteils kommunalen Versorgungsunternehmen untersucht. Von den 100 befragten Stadtwerken und regionalen Energieversorgern gaben demnach fast zwei Drittel (64 %) an, bereits einer eigenen Dekarbonisierungsstrategie zu folgen. Mit Blick auf das Jahr 2021 sehen sogar 72 % eine entscheidende Rolle in der Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen.

Nur für 42 % sind branchenübergreifende Kooperationen relevant

Einen „strategischen Rahmen“ für die nachhaltige Transformation mahnt Andreas Siebel an. Der Sektorleiter Energy & Resources bei EY sieht dabei ebenfalls die kommunalen Gesellschafter in der Pflicht. Als gutes Instrument bei den anstehenden Aufgaben werten die Analysten Kooperationen. Diese gehen bereits 88 % der Befragten ein. Während 89 % ihre künftige Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken ausbauen wollen, sind lediglich 42 % auch für gemeinsame Aktivitäten mit Unternehmen anderer Branchen offen. Die Schnittmengen für Aktivitäten liegen vor allem bei Energiedienstleistungen und Shared Services (jeweils 59 %).

Die Transformation von Stadtwerken bezieht sich nicht allein auf den Bereich der Dekarbonisierung im Energiesektor, die allgemein (67 %) und speziell bei der Eigenerzeugung (72 %) als relevant angesehen wird. Drängende Themen sind ferner Digitalisierung (89 %) sowie Daten- und Cybersicherheit, die Optimierung interner Prozesse sowie das Rekrutieren von Fachpersonal (je 82 %). Andreas Siebel schaut mit Sorge auf diese lange und dringliche Aufgabenliste mit immensen Investitionsbedarfen: Denn „die finanzielle Situation beschränkt die Stadtwerke zunehmend“.

Bedingt aussagekräftig ist die Stadtwerke-Studie, was die wirtschaftliche Lage und Prognose angeht. BDEW und EY schlossen ihre Befragung vor Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ab. Zum Zeitpunkt der Erhebung schätzten die befragten Stadtwerke ihre wirtschaftliche Lage überwiegend als „sehr gut“ ein. Allerdings nimmt die Umsatzrentabilität bei ihnen ab, seit 2017 im Schnitt um 3 % pro Jahr. 87 % gaben an, ohne Kommunalbürgschaften ihres Gesellschafters operieren zu können.

EVUs sollen Angebote auf neue Felder ausweiten

Eine weitere aktuelle Studie zeigt Stadtwerken und Energieversorgungsunternehmen (EVUs) Wege auf, ihr Portfolio mit externen Partnern zu erweitern. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) Deutschland empfiehlt, sich an Digitalisierungs-, Plattform- und Ökosystem-Anbietern wie Amazon, Apple und Tesla zu orientieren. Diese seien auch potenzielle Kooperationspartner, mit denen „Business-Ökosysteme“ gebildet werden könnten.

Gerade mit Blick auf die erforderliche Wärmewende, die nach Ersatz für fossile Brennstoffe sucht, sei ein ganzheitlicher Ansatz und dynamisches Handeln erforderlich, meint Simon Fahrenholz, PwC-Bereichsleiter Kraftwerke, Fernwärme, Nachhaltigkeit und energieintensive Industrie. Er nennt ein Beispiel für eine Sichtweise, die auf Endkunden zentriert und branchenübergreifend ausgerichtet sei. Dabei verkauften EVU-Wettbewerber nicht nur Elektroautos, sondern zugleich Strom, Wärme und andere Leistungen. Tesla etwa biete zu den eigenen Wagen inzwischen Solaranlagen, Speicher, Ladesäulen und gemeinsam mit Partnern Stromtarife an. Hier sei Spielraum auch für Geschäftsmodelle von Stadtwerken.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 31.05.2022, 12:48 Uhr

Mehr zum Thema