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Enerige & Management > Kohlekraftwerk - Stadtwerke haben Abstimmungsniederlage erwartet
Bild: SWM
KOHLEKRAFTWERK:
Stadtwerke haben Abstimmungsniederlage erwartet
Der Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München, Florian Bieberbach, räumt im E&M-Interview die Niederlage bei der Kohlekraft ein. Überrascht hat sie ihn nicht.
 
Die Stadtwerke haben sich Anfang November nach der Abstimmung über Block 2 des Heizkraftwerks Nord nur in einem Statement geäußert. 60,2 Prozent der Wähler haben sich damals für eine vorzeitige Abschaltung des mit Kohle betriebenen Kraftwerks mit Wärmeauskopplung entschieden und somit gegen den Plan der Stadtwerke. Im Interview mit E&M äußert sich nun der Vorsitzender der Geschäftsführung.

„Es war schon zu erwarten, dass es schwierig wird, unsere differenzierte energiewirtschaftliche Argumentation gegen die relativ stark vereinfachte Forderung ,Raus aus der Steinkohle!' zu vermitteln“, sagte Bieberbach. Der Kohleausstieg sei prinzipiell richtig. Aus seiner Sicht sei aber der frühe Zeitpunkt falsch, den das Bürgerbegehren vorsehe.
 
Florian Bieberbach
Bild SWM/Martin Hangen

Die Initiatoren um die ÖDP forderten in dem Entscheid, das Ende der Kohleverbrennung bis zum Jahr 2022. Sie argumentieren mit dem Klimaschutz. Die Stadtwerke möchten den Block zwar ebenfalls vom Netz nehmen – aber frühestens im Jahr 2027, besser 2029. Ihre Argumente sind die Wärmeversorgung der Region mit dem Kraftwerk und die finanziellen Verluste bei einer vorzeitigen Abschaltung. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 17,8 Prozent. Damit das Quorum erfüllt war und die Wahl zählt, mussten mindestens zehn Prozent der mehr als eine Million Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben.

Bieberbach äußerte sich skeptisch, ob ein Bürgerentscheid in Sachen Energieversorgung wirklich ein sinnvolles Instrument darstelle. „Es gab auch in der Presse viele Kommentare, dass solche komplexen Entscheidungen vielleicht nicht das Ideale sind für Bürgerentscheide. Da ist in diesem Fall etwas dran, weil man doch ein sehr tiefes Verständnis für die energiewirtschaftlichen Zusammenhänge haben muss, um beurteilen zu können, wann ein gutes Abschaltdatum ist.“

Laut Bieberbach ist es vielen der Abschaltungsbefürworter darum gegangenen, „ein Zeichen zu setzen, auch mit Blick auf die Klimaverhandlungen in Bonn und die Koalitionsverhandlungen in Berlin“. Dass der Kohleausstieg in München bis Ende 2022 vermutlich so gar nicht umsetzbar ist, „haben die Leute einfach mal beiseite gewischt.“

Das Heizkraftwerk Nord besteht aus drei Blöcken mit einer Wärmeleistung von 900 MW und einer elektrischen Leistung von 360 MW. Während in den Blöcken 1 und 3 Müll verfeuert wird, landen in Block 2 im Jahr rund 800 000 Tonnen Steinkohle, die Strom und Wärme erzeugen. Ob Block 2 wirklich abgeschalten wird, hängt auch von der Bundesnetzagentur ab. Sollte die Behörde den Kohleblock für das Jahr 2022 als systemrelevant für die Versorgungssicherheit einstufen, dann würde er am Netz bleiben müssen. Die Netzagentur hat angedeutet, dass dies durchaus der Fall sein könnte.
 

Stefan Sagmeister
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Mittwoch, 29.11.2017, 09:26 Uhr

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