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Enerige & Management > Veranstaltung - Staatssekretär: Das wird der Durchmarsch der Wärmepumpe
Quelle: Fotolia / Les Cunliffe
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Staatssekretär: Das wird der Durchmarsch der Wärmepumpe
Wie lässt sich in Zeiten der Energiepreiskrise die Energiewende vorantreiben? Das diskutierten Politik und Kommunalunternehmen beim Stadtwerkekongress in Berlin vom 10. bis 11. Mai.
 
Zur Eröffnung der Handelsblatttagung "Stadtwerke 2022" sprach Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWK), über die neuen Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine und den sukzessiven Wegfall Russlands als Brennstofflieferant. Die Bundesregierung kümmere sich aktuell um den Ersatz dieser Brennstoffe. Doch dürfe dies die Anstrengungen zur Energiewende und für den Klimaschutz nicht aufhalten.

Der beschleunigte Stromnetzausbau wurde bereits im Osterpaket angegangen und werde im Mai fortgesetzt. Der Gebäudestandard für Neubauten werde insgesamt auf das KfW-Effizienzhaus 55 gezogen, und von 2024 an müssen 65% erneuerbare Wärme erreicht werden. “Das wird der Durchmarsch der Wärmepumpe”, kündigte Graichen an. Für die Stadtwerke appellierte der Staatssekretär, vor allem die kommunalen Nah- und Fernwärmenetze auszubauen, weil diese am ehesten auf erneuerbare Energie umstellbar wären. In diese Anlagen könne perspektivisch auch Wasserstoff aus erneuerbarer Energie strömen, aber nicht in die private Heizung, umriss Graichen.

Heizung auf 19 Grad runter?

Außerdem gehöre “auf jedes Dach eine Solaranlage”. Der einzige Vorteil der aktuellen Hochpreisphase für fossile Energieträger, die nach seiner Einschätzung noch eine Weile anhalten werde, mache es deutlich, dass der einzige Schutz vor zu hohen Preisen der Umstieg auf Erneuerbare sei, schloss Graichen. Ein Gasembargo werde Deutschland vor große Herausforderungen stellen. Die Gesetzesaktualisierungen enthielten auch Ermächtigungen, notfalls Gaskunden abzuschalten. Geschützte Kundschaft bleibe geschützt, womöglich würden aber Raumtemperaturen “auf 19 Grad” gesenkt und werde ans Energiesparen appelliert.
 
BMWK-Staatssekretär Patrick Graichen auf dem Stadtwerkekongress 2022
Quelle: E&M / Harmsen

SWM zweifeln an vorgegebenem Ausbautempo

Für die Stadtwerke München (SWM) erwiderte deren Chef Florian Bieberbach, dass auch Energieberatung viel bringen könne. Die Ziele der Energiewende seien erkannt. Bieberbach äußerte aber Zweifel, ob ein so schneller Ausbau der erneuerbaren Energien gelingen werde. Das sagten auch fast alle Wirtschaftsanalysen. Es fehle an allen Stellen an Fachkräften, sowohl im Handwerk wie in der Technik von PV-Anlagen als auch in den Genehmigungsbehörden, erinnerte er.

Zudem sei die Sanierungsrate für Gebäude mit nicht einmal 2 % jährlich noch immer zu gering, um mit wenig Energie heizen zu können. “Wie geht man denn damit um, wenn ein Bestandsgebäudebesitzer an seiner Öl- oder Gasheizung festhält?”, fragte Bieberbach. Auch darum müsse sich die Regierung kümmern, forderte der Stadtwerkchef. Jetzt müsse die Förderung der Kommunalen Wärmeplaung und -netze schnell kommen. Allerdings lobte Bieberbach zugleich die enorme Produktivität des BMWK in den vergangenen Monaten, um die Klimaschutzziele mit Maßnahmen auszufüllen.

Dänemark Vorbild für den Rechtsrahmen

Die Wärme nahm auch Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin, in den Fokus. “Wir haben uns auf den Weg gemacht, unser System komplett auf erneuerbare Energie umzustellen, auch während der Corona-Pandemie”, sagte sie. Bis 2040 soll das Berliner System klimaneutral sein. Der hauptstädtische Wärmebedarf werde aktuell mit 5.200 MW Leistung noch fossil mit Erdgas erzeugt. Ein wenig Biomasse und Power-to-heat sei bereits dabei. Künftig wolle man jede Abwärmequelle nutzen und dezentral Wärme erzeugen.

Allerdings sollten, so Wielgoß, auch die hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen weiterbetrieben werden, zunächst mit Erdgas, später mit erneuerbarem Gas wie Wasserstoff oder Biogas.

Ihr Unternehmen plane, das 2000 km lange Berliner Wärmenetz und die Erzeuger in wenigen Jahren zentral aus einer Warte zu steuern. Dafür sei es unabdingbar, die Mitarbeitenden zu stärken und zu begeistern, sagte Wielgoß. “Wir spüren eine enorme Dynamik, ein großes Interesse aus Wirtschaft und Politik, zusammenzuarbeiten”, sagte sie. Es wäre ratsam, vom Ziel der Klimaneutralität ausgehend, zurückzuplanen, um den Weg zu finden. Wielgoß wolle auch nicht auf einen Abbau der Bürokratie warten, sondern lieber sofort loslegen - “das dauert sonst noch Jahre”, fürchtete sie.

Dänemark habe die Wärmewende schon fast geschafft, weil es einen klaren Zeit- und Rechtsrahmen für das Ausrollen kommunaler Wärmeplanung und folgender Netze gab. Das nannte Wielgoß auch als Beispiel für Deutschland, damit alle Hausbesitzer eine klare Perspektive hätten.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 10.05.2022, 12:11 Uhr

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