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Enerige & Management > Solarthermie - Solarwärme für den ländlichen Raum
Exkursion zur Solarkollektorfertigung von Citrin Solar, Quelle: InES
SOLARTHERMIE:
Solarwärme für den ländlichen Raum
Wie können Wärmenetze in ländlichen Regionen klimafreundlicher betrieben werden? Forscher aus Ingolstadt beschäftigen sich damit und geben Wissen weiter.
 
Ein gutes Quartiersprojekt, wie die Solarthermie in ein Wärmenetz eingebunden werden kann, befindet sich im oberbayerischen Moosburg nordöstlich von München. Dort wurde eine klimaneutrale alternative zu Erdgas- und Öl-Heizungen durch die Errichtung eines solargestützten Nahwärmenetzes geschaffen. Dank des Wärmenetzes ist es möglich, die Sonnensiedlung in Moosburg mit erneuerbarer Wärme zu versorgen.

Seit diesem Jahr sind die 34 Wohneinheiten in Form von sechs Doppel- und Reihenhäusern sowie zwölf Eigentumswohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern bewohnt und werden über Solarenergie und Biomasse beheizt. Die Stromversorgung erfolgt über Photovoltaik und Batteriespeicher und ermöglicht zugleich die Umsetzung eines Mobilitätskonzepts mit quartierseigenem, ausleihbarem E-Fahrzeug und einem E-Lastenfahrrad. Die energetische Planung wie auch die Komponenten der solaren Wärmeerzeugung und -speicherung stammen von dem ortsansässigen Unternehmen "CitrinSolar".

Bei einer Exkursion Anfang November in Moosburg wurden die Teilnehmenden aus Forschung, Wirtschaft und Politik über das Firmengelände der Citrin Solar geführt und lernten die Solarkollektorenfertigung des Unternehmens sowie die Heizzentrale mit Hackschnitzelheizung des Wärmenetzes kennen. Organisiert wurde sie vom Institut für neue Energie-Systeme (InES) der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI), das auf die angewandte Forschung im Bereich erneuerbare Energien spezialisiert ist. "Es geht um einen Wissenstransfer und darum, Leuchtturmprojekte vorzustellen", erklärte Stefan Arlt von InES.

Der Bereich Technologietransfer und internationale Projekte des InES widmet sich der Vernetzung der angewandten Forschung mit regionalen und internationalen Akteuren im Bereich der erneuerbaren Energien. Dazu gehören öffentliche Veranstaltungen. Durch diese sollen sowohl der Wissenstransfer als auch die Diskussion über die Zukunft der Erneuerbaren Energien und der zugehörigen Technologien gefördert werden.

Im Netzwerk Wissen austauschen

Die Exkursion wurde aus den beiden laufenden Projekten "EffNet − Mit Blended Learning zu energieeffizienten Wärmenetzen im ländlichen Raum" und "LEnZ – Ländliche Energieversorgung der Zukunft" heraus organisiert.

LEnZ ist ein Innovationscluster, das ländliche Gebiete als Schlüsselregionen für die Energiewende in den Fokus nimmt. Im Zentrum des Projekts stehen die gekoppelte Nutzung von Biomasse und Solarenergie sowie innovative Lösungsmöglichkeiten der Energie-Eigenversorgung im ländlichen Raum. Zum Cluster gehören elf beteiligte klein- und mittelständischen Unternehmen. InES koordiniert das Projekt.

Hinter dem Kürzel EffNet verbirgt sich ein Netzwerk. Hierüber soll der fachliche Austausch zwischen den teilnehmenden Unternehmen sowie dem InEs vertieft werden. Zum Projekt gehören daher etwa auch Onlinekurse zum Themenschwerpunkt "Effiziente Wärmenetze im ländlichen Raum".

Die Solarthermie habe bundesweit zwar immer noch einen geringen Anteil an der Wärmebereitstellung für Wärmenetze, sagte Arlt zur Redaktion. Allerdings "bietet die Solarthermie das Potenzial, die Wärmegestehungskosten in Wärmenetzen zu reduzieren". Diese Energiequelle eigne sich gut im ländlichen Raum für Nahwärmenetze, kombiniert mit weiteren Energietechnologien. In Moosburg zum Beispiel nutze Citrin Solar außerdem die verfügbaren Flächen sehr gut aus, unter anderem die Dach- und Fassadenflächen. "Im Sommer läuft nahezu die komplette Wärmeversorgung über Solarthermie, im Winter unterstützt die Hackschnitzelfeuerung". Laut Citrin Solar hat die Solarthermie in der Sonnensiedlung einen Deckungsanteil des Wärmebedarfs von über 40 % über das ganze Jahr gesehen.

Während die Photovoltaik inzwischen rund 10 % des Stromverbrauchs deckt, wird bisher nicht einmal 1 % der Fernwärme aus Solarkraftwerken gespeist. Diese Zahlen veröffentlichte der Branchenverband BSW Solar Anfang November. Dabei könne auch Solarwärme inzwischen im großtechnischen Maßstab bereits für unter fünf Cent je Kilowattstunde produziert werden.

Um den "schlafenden Riesen Solare Fernwärme" zu wecken, empfiehlt der Branchenverband daher in einem ersten Schritt ein auf mindestens fünf Jahre angelegtes Ausschreibungsprogramm für große Solarthermieanlagen nach dem Vorbild der seit Jahren erfolgreichen Auktionen für Photovoltaik-Solarparks. Zudem sei eine Privilegierung der Solarthermie im Baurecht geboten.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Donnerstag, 18.11.2021, 12:33 Uhr

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