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Enerige & Management > Photovoltaik - Solardeckel als Jobvernichter
Bild: E&M, Jonas Rosenberger
PHOTOVOLTAIK:
Solardeckel als Jobvernichter
Der Markt für Photovoltaikanlagen bricht nach Erreichen des 52-GW-Solardeckels dramatisch ein. Marktforscher von EUPD Research sehen dadurch mehr als 18.000 Arbeitsplätze gefährdet.
 
Aktuell beschäftigt die heimische Solarwirtschaft nach Angaben des Marktforschungsinstituts EUPD Research rund 29.000 Mitarbeiter. Trotz der Corona-Pandemie bewegen sich die Beschäftigtenzahlen laut der Bonner Marktforscher auf stabilem Niveau.

Jedoch: Die Obergrenze von maximal 52 GW förderbarer Solarleistung und damit des Solardeckels ist in wenigen Wochen erreicht, die positive Beschäftigungsdynamik könnte sich ins Negative verkehren: So rechnet EUPD Research bis Ende 2021 mit einer Halbierung der aktuell bestehenden Arbeitsplätze.

Die Bonner Marktforscher haben zwei mögliche Entwicklungspfade im deutschen Solarmarkt untersucht: Das erste Szenario ist das Basis-Szenario, das lediglich Effekte der Corona-Krise berücksichtigt. Das zweite Szenario geht davon aus, dass die Solarförderung für kleinere Anlagen nach dem Erreichen des 52-GW-Deckels nicht fortgesetzt wird. 

Die Beschäftigungssituation im Vergleich

Beide Szenarien zeigen deutliche Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr: Im Basis-Szenario prognostizieren die Marktforscher ein deutliches Wachstum der Arbeitsplätze um etwa 7.700 auf insgesamt knapp 36.800 direkt Beschäftigte. Der deutsche Solarmarkt profitiere hier von einem generellen Wachstumstrend und von einem Nachholeffekt der Corona-Krise, so die Forscher.
 
Grafik: EUPD Resarch


Im Szenario mit Solardeckel geht EUPD Research dagegen von einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen aus: Sie sinken von aktuell 29.000 auf 18.700. Das Institut begründet dies mit den stark einbrechenden Neuinstallationen. Im direkten Szenario-Vergleich für 2021 bedeute dies eine Differenz von 18.100 Arbeitsplätzen beziehungsweise eine Verringerung um 49 %. Zudem ginge damit ein direkter Umsatzrückgang der deutschen Solarbranche von mehr als 3 Mrd. Euro einher, prophezeien die Forscher.

Reaktionen aus der Solarbranche

Aus der Solarbranche regt sich − nicht zuletzt in Anbetracht dieser Zahlen − reger Widerstand gegen die Berliner Politik: Die Prognoseergebnisse der Forscher würden die unmittelbare Bedrohung unterstreichen, die durch den Solardeckel für tausende mittelständische Arbeitsplätze ausgelöst würden, wie etwa Alexander Schütt von der Baywa RE Solar Energy Systems kommentiert. Mit Blick auf die Politik sagt er: „Das politische Taktieren und Blockieren auf dem Rücken des Solarhandwerks ist nicht mehr zu rechtfertigen.“ Die von der Bundesregierung vor Monate in Aussicht gestellte und längst überfällige Abschaffung des Solardeckels müsse unverzüglich umgesetzt werden.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 15.05.2020, 14:02 Uhr

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