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Enerige & Management > IT - Smarte Anwendungen gegen regulatorischen Druck
Quelle: iStock / zhudifen
IT:
Smarte Anwendungen gegen regulatorischen Druck
IoT ist bei den Stadtwerken angekommen. Doch viele von ihnen seien noch zögerlich, die Rolle des digitalen Infrastrukturbetreibers anzunehmen, sagt Sascha Schlosser von Digimondo.
 
Mehr und mehr Stadtwerke haben Projekte im Internet of Things (IoT) gestartet. Bisher waren es überwiegend Projekte mit Pilotcharakter, zum Teil haben sie aber auch schon konkreten operativen Effekt. Dabei geht es nicht nur um Smart-City-Anwendungen. Einige lindern auch den regulatorischen Druck bei den kommunalen Versorgern.

Gerade im Wärmebereich sieht Sascha Schlosser Bedarf für den Einsatz des Internets der Dinge. Hier hätten die Betreiber regulatorischen Druck, ihre Netze zu digitalisieren, so der Geschäftsführer des IoT-Dienstleisters Digimondo im Gespräch mit E&M. Dafür müssten sie effiziente Lösungen finden. „Hier bietet sich ein Lorawan-Netz an, das im Vergleich zu einer aufwändigen Leitstellenanbindung schnell und kostengünstig realisierbar ist“, sagt Schlosser.
 
Sascha Schlosser ist in der Geschäftsführung von Digimondo für das Marketing verantwortlich
Quelle: Digimondo

Parkraumüberwachung oder das Monitoring der Füllstände von Müllbehältern sind häufige Anwendungen, mit denen Stadtwerke erste Gehversuche in der IoT-Welt machen.

Es gibt aber auch die „richtigen“ energiewirtschaftlichen Ansätze, wie etwa die Überwachung der Niederspannungsebene. „Wenn ein Netzbetreiber das Thema für sich adaptiert, schaut er natürlich erst einmal nach dem eigenen Bedarf“, sagt Schlosser. Und hier ist der Bedarf groß, denn die Verteilnetze wurden bisher für eine angenommene Maximallast ausgelegt und dann im Grunde als Blackbox angesehen.

Vorausschauende Wartung spart Geld

Wie die Netze durch flexibilisierten Verbrauch und volatile Einspeisung in Anspruch genommen wurden, war den Betreibern bislang weitgehend unbekannt. Dies ändert sich nun, da mehr und mehr Sensorik ins Netz gebracht wird. Damit werde das Niederspannungsnetz für die Mitarbeiter in der Leitstelle sichtbar, erläutert der Digimondo-Geschäftsführer. „Sie können auffällige Werte erkennen und auch antizipieren, wo Probleme mit den Betriebsmitteln auftreten könnten. Und wenn es tatsächlich zu Störungen kommt, lassen sich diese schnell lokalisieren und entsprechend schnell beheben“, sagt er. Wenn man vorausschauend warten und Störungen vermeiden könne, lasse sich letztlich viel Geld sparen.

Allerdings, so Schlossers Beobachtung, fehlt bei vielen Stadtwerken noch die Bereitschaft, die Rolle des digitalen Infrastrukturbetreibers für sich selbst und die Kommune anzunehmen. Dabei hätten sie in der Regel gegenüber den großen Digitalkonzernen, die dieses Feld auch besetzen können, einen großen Vertrauensbonus bei der Bevölkerung und bei der Wirtschaft vor Ort. Deshalb müsse der Pilotphase nun die nächste Evolutionsstufe folgen, sagt er.

Die „Veredelung“ von Daten ist entscheidend

Schlosser hatte vor seinem Wechsel in die Geschäftsführung von Digimondo im vergangenen Jahr bei dem Messtechnik-Anbieter Zenner die unternehmensübergreifende Digitalisierungsstrategie entwickelt. Er rechnet vor, dass der möglichen Ersparnis eine für Netzbetreiber verhältnismäßig geringe Investition gegenübersteht, wenn sie ein IoT-Netz aufbauen. Denn bei einer mittelgroßen Stadt seien die etwa 50 erforderlichen Gateways für jeweils rund 1.000 Euro der größte Brocken.

Außerdem müsse man berücksichtigen, dass Stadtwerke meist über genügend Liegenschaften verfügen, an denen Gateways und Antennen installiert werden können. „Da muss nichts angemietet werden“, betont Schlosser.

Digimondo selbst hat eine Plattform entwickelt, mit der sich der Dienstleister auf die „Veredelung“ von Daten konzentriert, wie es der Geschäftsführer formuliert. Denn beispielsweise Temperatur-, Druck- oder Spannungsdaten seien in der Regel nur dann wertvoll, wenn sie mit anderen Daten aus anderen Systemen verknüpft würden.

Vor drei, vier Jahren sei dies noch anders gewesen, wie man am ersten eigenen Produkt erkennen könne. Damals habe Digimondo eine Software auf den Markt gebracht, die ausschließlich die Infrastruktur aus Sensoren und Gateways gemanagt habe. Heute gehe es dagegen nicht mehr um die Frage, was technisch funktioniere, sondern wie man Daten aufbereiten und welche Erkenntnisse man daraus ableiten könne.

Das vollständige Gespräch mit Sascha Schlosser lesen Sie in der gedruckten Mai-Ausgabe von Energie & Management. Sie erscheint am 2. Mai.
 

Fritz Wilhelm
Stellvertretender Chefredakteur
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Freitag, 22.04.2022, 15:36 Uhr

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