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Enerige & Management > IT - Smart-Meter-Regelung kommt voran
Bild: Fotolia.com, Dreaming Andy
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Smart-Meter-Regelung kommt voran
Das Bundeswirtschaftsministerium hat den – noch vertraulichen  - Referentenentwurf eines Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende erarbeitet. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) sieht darin wesentliche Verbesserungen gegenüber einem Vorentwurf.
 
Seit vier Jahren wird diskutiert, nun soll mit der Schaffung der gesetzlichen Grundlagen der sogenannte „Roll Out“ von Smart Metern endlich Realität werden. Vorgesehen ist laut dem Referentenentwurf ab 2017 die Pflicht zum Einbau von „intelligenten“ Zählern ab einem Jahresverbrauch von 6 000 kWh. Dabei soll es eine Preisobergrenze von 100 Euro geben. Ermöglicht werden soll auch „Spartenbündelung“ im Sinne einer gleichzeitigen Ablesung und Transparenz auch für die Sparten Gas, Heizwärme und Fernwärme. Datenschutz und Datensicherheit werden adressiert.

Digitalisierung als Voraussetzung für die Energiewende

In der Begründung zu dem E&M Powernews vorliegenden Referentenentwurf (mit Stand vom 2. September) heißt es, Smart Meter komme insbesondere für die Flexibilisierung im Stromsystem eine wichtige Rolle zu: „Sie können je nach Ausstattung für Letztverbraucher, Netzbetreiber und Erzeuger die notwendigen Verbrauchsinformationen bereitstellen, zur Übermittlung von Netzzustandsdaten verwendet werden und sichere und zuverlässige Steuerungsmaßnahmen unterstützen und als eine Art Kommunikationsplattform im intelligenten Energienetz dienen“. Zugleich seien intelligente Messsysteme auch ein Instrument für mehr Energieeffizienz, weil sie den Verbrauchern Informationen liefern und die Einführung variabler Tarife ermöglichen.

Intelligente Messsysteme leisteten einen wichtigen Beitrag zur Integration der erneuerbaren Energien, betont BNE-Geschäftsführer Robert Busch. Sie seien „das Rückgrat des digitalen Energiesystems von morgen“, denn über die intelligenten Mess-, Zähl- und Steuersysteme könnten verbundene Photovoltaik-Anlagen, Speicher oder Produktionsanlagen auf Signale aus dem Netz reagieren. „Wir stehen am Anfang einer Revolution“, ist Busch überzeugt. In der Zukunft würden Algorithmen sekundenschnell über die Steuerung entscheiden wie beim internationalen Aktiengroßhandel an den Börsen.

Flexibilität ohne Komforteinbußen für die Verbraucher

„Wir brauchen die Digitalisierung für die Energiewende“, sagt auch Eberhard Holstein, BNE-Vorstand und Geschäftsführer von Grundgrün Energie. „Es fällt den Kollegen in der herkömmlichen Energiewirtschaft aber sehr schwer, diese neuen Wege zu gehen“, und nennt hier insbesondere kleinere Stadtwerke. Beim BNE zeigt man sich zuversichtlich, dass Unternehmen in Industrie und Handel den Weg der Digitalisierung mitgehen werden. Handelsketten wie Ikea oder Metro, die selbst PV-Strom produzieren, hätten dies schon angekündigt, so Busch. Probleme könnte es noch im Mietwohnungsbereich geben, räumt er ein, wenn nämlich Hausbesitzer, die die Kosten wälzen können, darüber entscheiden, welcher Anbieter gewählt und welcher Zähler eingebaut wird. Letztlich gehe es aber um Flexibilität des Verbrauchers ohne Komforteinbußen.

Dem BNE liegt insbesondere daran, dass mit den Regelungen für die Smart Meter Wettbewerb ermöglicht wird. „Es muss klar sein, wann und wie eine Einbaupflicht für Smart Meter greift, wer diese umsetzt und dass es die Möglichkeit zur Auswahl eines wettbewerblichen Anbieters gibt“, fordert Busch. Damit der Roll-out in den knapp 900 Netzgebieten, der voraussichtlich mindestens zehn Jahre dauern werde, ein Erfolg werde, brauche es Transparenz, hatte der Verband bereits im April in einer Stellungnahme zu dem im Februar vom Ministerium veröffentlichten Eckpunktepapier zum Thema Smart Meter gefordert.

Um ein Level-Playing-Field zwischen grundzuständigen Messstellenbetreibern, das sind vor allem die Verteilnetzbetreiber, und unabhängigen Betreibern zu schaffen, schlägt der BNE neben der Anreizregulierung einen zweiten, separaten Roll-Out-Topf zur ergänzenden Finanzierung der Initialkosten vor. Die Preisobergrenze von 100 Euro kann aus Sicht des Verbands nur einen Nettobetrag darstellen (ohne Steuern), über den Basisdienste abgegolten werden sollten, „die ein Standardprodukt ermöglichen“.

Auf dem Weg zu CO2-Freiheit und Null-Grenzkosten

Darin enthalten sein sollte die Zählerstandsgangdatenmessung. Hierbei hält der BNE eine tägliche Datenerfassung und die zeitnahe Weitergabe viertelstündlich erhobener Messwerte für erforderlich, weil sich nur damit „eine sinnvolle Bewirtschaftung an den Spotmärkten“ abbilden lasse.

Insgesamt sieht der BNE den inklusive Begründung knapp 200 Seiten umfassenden Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums als „deutlichen Fortschritt“. Zugleich warnt man davor, in der öffentlichen Diskussion nur die Kosten für die Smart Meter zu sehen. „Wir sind in einer Umbruchzeit“, sagt Busch und verweist auf den langfristigen Nutzen: „Wir kommen durch die Digitalisierung in eine CO2-freie Erzeugung und Grenzkosten-Null-Welt.“
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 08.09.2015, 16:08 Uhr

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