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Enerige & Management > F&E - SINTEG-Erkenntnisse in der Warteschleife
Bild: alphaspirit / Fotolia
F&E:
SINTEG-Erkenntnisse in der Warteschleife
Die Begleitforschung zu den fünf Projekten des „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (Sinteg) ruht derzeit – mit negativen Folgen. 
 
In dem seit Ende 2016 beziehungsweise Anfang 2017 laufenden und auf vier Jahre angelegten Sinteg-Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) sollen „skalierbare Musterlösungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung bei hohen Anteilen fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie“ erprobt und entwickelt werden (E&M berichtete).

Die fünf mit insgesamt gut 200 Mio. Euro vom BMWi und Investitionen der Industrie im Umfang von über 300 Mio. Euro geförderten Projekte, an denen sich zahlreiche Unternehmen beteiligen, können als „Labore der Energiewende“ oder auch als erste „Reallabore“ angesehen werden. Dass sie erfolgreich laufen, zeigte nicht zuletzt die Zwischenbilanz des Projekts „Windnode“ nach zwei Jahren (E&M berichtete).

Schlussfolgerungen für den regulatorischen Rahmen wichtig

Wichtig sind die Schlussfolgerungen, die aus den Erfahrungen in den Projekten gezogen werden, vor allem auch für die Anpassung und Weiterentwicklung des für das hier erprobte neue Energiesystem erforderlichen regulatorischen Rahmens. Doch findet die für das Sinteg-Programm vorgesehene Begleitforschung derzeit nicht statt. Denn das BMWi hat sich bereits vor einiger Zeit von dem Hauptauftragnehmer getrennt – wegen mangelhafter Arbeit, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht. Ein neuer Hauptauftragnehmer soll per Ausschreibung gefunden werden.

Wie E&M aus Kreisen der Projektverantwortlichen erfuhr, ist damit aber auch eine wichtige zugesagte Serviceleistung weitgehend entfallen, für die den Projekten keine eigenen Mittel gewährt wurden. Selbst das BMWi räumt ein, dass die Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch der Auftritt auf Messen gehört, „nach Ausscheiden des vormaligen Hauptauftragnehmers nicht mehr im gleichen Umfang betrieben werden konnte“ – was bedeutet, dass die wichtige Kommunikation über die Arbeit in den Projekten und damit über die Energiewende in der Praxis kaum stattfindet. Das Ministerium selbst hatte die Öffentlichkeitsarbeit übernommen.

Analyse-Instanz fehlt

Weit gravierender ist jedoch, dass es nun keine Instanz gibt, die die Projekterfahrungen und -ergebnisse bündelt, analysiert, Schlussfolgerungen zieht und Handlungsempfehlungen daraus formuliert. „Ziel der Begleitforschung war es, insbesondere regulatorische Handlungs- und Anpassungsbedarfe zu identifizieren und Vorschläge für eine effiziente und intelligente Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien zu erarbeiten“, so die Bundesregierung.

Zudem sollte die Begleitforschung auch für eine über die Projektaktivitäten in den einzelnen Schaufenstern hinausgehende, übergreifende Kooperation und Netzwerkbildung sorgen – zum Beispiel zu Querschnittsfragen, wie etwa Rahmenbedingungen, Standards, EU und Internationalisierung, heißt es weiter.

Die Erkenntnisse für den Strukturwandel nutzbar machen

Die Bundesregierung verweist auch darauf, dass „die Umsetzung des Förderprogramms für einen bundesweiten Innovationsprozess nutzbar“ gemacht werden soll. Insbesondere für die Gestaltung des Strukturwandels und der Energiewende in den Kohleregionen wäre eine Synthese der Erkenntnisse aus den Sinteg-Projekten gerade aktuell von großem Belang, meint ein maßgeblich an den Projekten Beteiligter. So sollen die Braunkohlereviere ja auch mit dem Kohleausstieg „Energieregionen“ bleiben. Und mit dieser Gestaltung will und sollte man möglichst direkt anfangen und dabei die Sinteg-Erfahrungen nutzen. Ebenso für die erst vor wenigen Monaten vom BMWi angekündigten „Reallabore“.

Doch Fehlanzeige: „Warum stellt das Bundeswirtschaftsministerium nicht sicher, dass die Sinteg-Erkenntnisse in Reallabore und in die Strukturtransformation im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg einfließen?“ fragt der Projektbeteiligte im Gespräch mit E&M. Damit werde eine große Chance vergeben. Er verweist auch darauf, dass man in den Projekten „große Erfahrung damit gesammelt hat, wie man pluralistische Konsortien aufbaut“. Doch, so bedauert er, „nichts davon wird abgeholt“.
 
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Mittwoch, 24.04.2019, 10:12 Uhr

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