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Enerige & Management > Bilanz - Siemens Gamesa reicht neuerdings Stahlkosten durch
Quelle: Siemens Gamesa
BILANZ:
Siemens Gamesa reicht neuerdings Stahlkosten durch
Der Windturbinenbauer mit der zweitgrößten Dynamik der Welt füllt zwar seine Auftragsbücher im allgemeinen Aufwind. Doch die Kosten sind zu sehr gewachsen für einen Quartalsgewinn.
 
Siemens Gamesa hat drastische Konsequenzen aus steigenden Stahlkosten gezogen, die dem Windturbinenbauer die Bilanz des zweiten Kalenderquartals mit verhagelt haben. So müssen Auftraggeber seitdem neuerdings eine Indexierung der Stahlkosten in den Verträgen und damit ein neues eigenes Kostenrisiko hinnehmen, geht aus Aussagen von Konzernchef Andreas Nauen am 30. Juli vor der Presse hervor.

"Die steigenden Rohstoffkosten werden Erneuerbare teurer machen", sagte Nauen. Sie seien eine Folge der Corona-Lockdowns, in denen ganze Stahlhütten schlossen waren, und der konjunkturellen Erholung, die in China dynamischer verlaufe als angenommen. Die Kosten von Stahl ließen sich im Gegensatz zu etwa Kupfer nicht durch Terminkontrakte absichern. Der Einkauf laufe nur über konkrete Aufträge für spezifizierte Stahlqualitäten in definierten Mengen. "Speziell" sei die Lage im Produktionsland Brasilien, das inländische Einkaufsquoten fordert.

Auch die steigenden Frachtkosten beobachte man genau, auch wenn sich bei einem Windturbinenhersteller die Containerlogistik-Indizes nicht eins zu eins in den eigenen Kosten widerspiegelten.

Umsatz hoch, Verlust bleibt

Siemens Gamesa hat von April bis Juni seine weltweiten Umsätze um 12 % gegenüber dem zweiten Quartal 2020 auf 2,7 Mrd. Euro gesteigert, erlitt aber zeitgleich einen Vorsteuerverlust (Ebit) von 238 Mio. Euro. Schon vor der Bewertung langfristiger Stromlieferverträge (PPA) und von Restrukturierungskosten betrug der Verlust 151 Mio. Euro. Operativ hat Siemens Gamesa also im zweiten Quartal immer noch hohe 5,6 % Verlust gemacht. Zwölf Monate zuvor waren es sogar -6,7 % gewesen.

In den bisherigen neun Monaten des Geschäftsjahres, das am 30. September enden wird, lag der operative Verlust fast genauso hoch wie von April bis Juni. Vor PPAs und Restrukturierungskosten war aber mit 81 Mio. Euro oder einer Ebit-Quote von +1,1 % die Gewinnzone erreicht. Das Unternehmen erwartet für das Geschäftsjahr eine Landung zwischen +1 % und 0 % und korrigierte seine Umsatzerwartungen auf 10,2 bis 10,5 Mrd. Euro nach unten.

Im abgelaufenen Quartal füllten sich die Auftragsbücher auf Jahresbasis um 3 % auf 32,6 Mrd. Euro. Die Hälfte davon entfällt auf das Dienstleistungsgeschäft, das um 7 % gewachsen war.

Alles nicht so einfach mit der 5-MW-Klasse

Der Trend zu höheren elektrischen Leistungen spiegelt sich auch im Quartalsergebnis von Siemens Gamesa wider: 4 MW und höher machten zwei Drittel der Neuaufträge aus, obwohl der Konzern die Vermarktung der 5-MW-Plattform heruntergefahren hatte. Sie hat seit ihrem Start einerseits 2.700 MW Aufträge erbracht, andererseits war ihr Hochfahren im Quartal teurer als erwartet. Zusammen mit den steigenden Stahlkosten wurden einige Aufträge für die nächsten zwei Geschäftsjahre faul. Dies verarbeitete Siemens Gamesa bilanziell im abgelaufenen Quartal mit Drohverlustrückstellungen in unbekannter Höhe.

Aus dem Quartal geht der spanisch-deutsche Konzern mit 7.300 MW in den Auftragsbüchern und Absichtserklärungen für weitere 7.800 MW Offshore-Windenergieanlagen heraus. In das Quartal fällt auch der größte Deal der Unternehmensgeschichte für Windkraft auf See: als bevorzugter Lieferant für den Park "Hai Long" vor Taiwan mit 1.044 MW. Der Konzern äußerte sich zuversichtlich über das Auktionsvolumen weltweit bis in die nächsten Jahre, davon allein 17.000 MW in den nächsten sechs Monaten. Offshore hält sich Siemens Gamesa für global führend. 2019 war das Unternehmen beim Zubau die Nummer zwei nach der dänischen Vestas, so das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie.

Die Onshore-Sparte wird auch nächstes Jahr noch defizitär bleiben, räumte Andreas Nauen ein. Ein Zieldatum für den Break-even wollte er nicht nennen. Siemens Gamesa warte erst die Entwicklung der Rohstoffpreise ab. 5,5 Mrd. Euro oder 8.538 MW in den Auftragsbüchern entfallen auf die Sparte. Selbst die Neuaufträge sanken um 4 % gegenüber dem Vorjahresquartal auf 0,8 Mrd. Euro. In zwei spanischen Werken hatte es Entlassungen gegeben.
 

Georg Eble
Redakteur
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