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Quelle: Pixabay / Bruno Germany
BILANZ:
Siemens Gamesa mit Millardenverlust
Der deutsch-spanische Windkraftkonzern bekam die Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen zu spüren. Dazu kamen technische Probleme. Nun wird umstrukturiert.
 
Wenig erfreulich war die Performance des deutsch-spanischen Windkraftanlagenherstellers Siemens Gamesa in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2022 (Laufzeit Oktober 2021 bis einschließlich September 2022). Der Umsatz sank um 12,2 % auf 6,44 Mrd. Euro. Und die Eigentümer mussten einen Verlust von 1,22 Mrd. Euro hinnehmen, nachdem sie bereits in den ersten drei Quartalen des vorigen Geschäftsjahres 386 Mio. Euro Verlust zu verbuchen hatten.

Der Periodenverlust hat sich somit in etwa verdreifacht. An Gründen dafür ist kein Mangel, berichtete Vorstandschef (CEO) Jochen Eickholt bei der Bilanzpressekonferenz am 2. August. Er verwies auf die dramatisch gestiegenen Kosten für Energie, Rohmaterialien und Logistik ebenso wie auf die zeitweilig mangelnde Verfügbarkeit für Schlüsselkomponenten der Windräder, Engpässe in der Hafenlogistik sowie verzögerte Lieferungen.

Hinzu kamen technische Probleme, nicht zuletzt bei der in Entwicklung befindlichen neuen Onshore-Produktreihe 5.X. Sie betrafen die mögliche Bildung von Rissen in den Rotorblättern, aber auch die Turbine und die Elektronik. „Das Gesamtbild ist nicht einheitlich. Wir müssen uns diese Dinge genau ansehen“, erläuterte Eickholt.

Alterverträge bilden Produktionskosten nicht mehr ab

Auch sonst steht das Unternehmen vor vielen Herausforderungen. Eickholt geht davon aus, dass die Preise für Rohmaterialien weiter steigen, und das noch im Jahr 2023. Zwar verfügt das Unternehmen mit Stand vom dritten Quartal des Geschäftsjahres 2022 über einen Bestand an Altaufträgen über insgesamt 33,98 Mrd. Euro, um 4,4 % mehr als vor einem Jahr. Doch die diesbezüglichen Verträge wurden laut Eickholt teils noch in den Jahren 2019 bis 2021 abgeschlossen und bilden die mittlerweile erhöhten Produktionskosten nicht mehr ab. Daher werde nun versucht, die Kontrakte nachzuverhandeln. 
Bei neuen Aufträgen wiederum bemüht sich Siemens Gamesa um Inflationsabgeltungsklauseln und Indexierungen. Klar ist laut Eickholt, dass die Absatzpreise für die Windkraftanlagen steigen müssen: „Ohne eine in unserem Sinne positive Preisentwicklung wird die Zukunft schwierig, und zwar nicht nur für unser Unternehmen, sondern für die gesamte Branche. Wir brauchen einfach ein anderes Preisniveau.“

Umstrukturierung im Kommen

Ferner wird die Siemens Gamesa per 1. Januar 2023 umstrukturiert. Die Details des Konzepts sollen bis Oktober vorliegen. Eickholt betonte, es werde „jeder Stein in unserer Organisation umgedreht“. Ein „Chief Operating Officer“ (COO) werde sich um die gesamte Produktion im Unternehmen kümmern, einschließlich des Supply Chain Managements. Das Ziel bestehe nicht zuletzt darin, im verstärktem Ausmaß mittel- bis langfristige Verträge hinsichtlich der Versorgung mit Rohmaterialien zu schließen und sich somit gegen unerwünschte Preisschwankungen auf den Märkten abzusichern. Zum COO wurde bereits Anfang Mai Tim Dawidowsky berufen, der seit 2020 Mitglied des Aufsichtsrats von Siemens Gamesa gewesen war.

Neu geschaffen wird die Position eines „Chief Technology Officers“ (CTO). Dieser verantwortet künftig die Technologieentwicklung im Onshore- ebenso wie im Offshorebereich. Das soll laut Eickholt der weitestmöglichen Harmonisierung und Standardisierung der Technologien im gesamten Unternehmen dienen. Wer den neuen Posten übernimmt, werde „zur rechten Zeit“ bekanntgegeben.

Strategieprogramm "Mistral"

Bei allem Restrukturierungselan möchte Eickholt indessen nicht zu weit gehen. Zwar gibt es ihm zufolge „Differenzen zwischen den bestehenden und den tatsächlich benötigten Produktionskapazitäten“. Auch der Verwaltungsaufwand übersteige das Angemessene. Darüber werde in den kommenden Monaten mit den Sozialpartnern zu verhandeln und anschließend zu befinden sein. Es gehe aber keineswegs um ein massenweises „Köpferollen“, versicherte Eickholt. Die gesamte Branche erwarte vermehrte Auftragsvolumina. „Das heißt, wir dürfen nicht zu massiv in Strukturen eingreifen, die wir vielleicht in neun oder zwölf Monaten brauchen werden. Diese Diskussion ist nicht einfach, und längerfristige Überlegungen spielen eine ganz wesentliche Rolle.“

Viel verspricht sich das Siemens-Gamesa-Management daher vom kürzlich vorgestellten Strategieprogramm „Mistral“. Dieses hat im Wesentlichen drei Ziele: Kurzfristig sollen die Einkünfte stabilisiert werden. Mittelfristig wird angestrebt, die Wachstumsmargen zu erhöhen. Und langfristig soll das volle Potenzial des Unternehmens zur Entfaltung kommen.
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 02.08.2022, 15:19 Uhr

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