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Enerige & Management > Biomasse - Seminarreihe zur Flexibilisierung von Biogasanlagen vor Ort
Quelle: Fotolia / XtravaganT
BIOMASSE:
Seminarreihe zur Flexibilisierung von Biogasanlagen vor Ort
Eine neue Perspektive für Biogasanlagen, die aus der EEG-Förderung laufen, bietet eine Seminarreihe des Netzwerks „Flexperten“. Sie tourt aktuell durch verschiedene Orte in Deutschland.
 
Viele Biogasanlagen erreichen bald das Ende ihrer EEG-Förderung nach 20 Jahren. Deshalb muss es nicht notwendig sein, sie stillzulegen. Über Strategien, Technik und Fördermöglichkeiten für erfolgversprechende Konzepte haben die Flexperten in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas, dem Bundesverband KWK, dem bayrischen C.A.R.M.E.N. e.V. und anderen Kooperationspartnern ein neues Seminarangebot aufgelegt.

In Triesdorf, Landkreis Ansbach, bei Nürnberg fand das erste Seminar im April 2022 statt. In der gut besuchten ehemaligen Reithalle erfuhren die Interessierten, wie sie über „RED-2-Zertifikate“ oder „Flexibilisierung“ eine Grundsatzentscheidung für die Zukunft treffen können. Wer die Biogasanlage nach der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterbetreiben will, muss sich mit einer möglichst fitten Anlage den neuen Herausforderungen im Strom- und Wärmemarkt stellen oder sein Biogas im Rohzustand verkaufen.

Strom, Gas oder Wärme liefern?

Aktuell werden hohe Preise für Biomethan im Gasnetz angeboten, vor allem, wenn das Biomethan aus Gülle gewonnen wird. Es ist aber auch möglich, eine Vergütungsverlängerung um zehn Jahre nach EEG zu erhalten, erläuterte Manuel Maciejczyk, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas. Der Ausschreibungsprozess dafür ist sehr anspruchsvoll und schreibt deutlich verschärfte Umweltanforderungen vorn. Eine 15 Jahre alte Biogasanlage muss den Maisdeckel von 40 % einhalten und darf maximal 45 % der installierten Leistung erzeugen. Die Modernisierung der Abgasreinigung werde unvermeidlich sein, sagte Maciejczyk.

Für die Flexperten stellte deren Sprecher Uwe Welteke-Fabricius die Möglichkeit vor, sich mit einer flexibel gefahrenen Biogasanlage als Spitzenlaststromlieferant Geld zu verdienen. „Wer obendrein noch Wärme in ein Nahwärmenetz liefere, könne bei den aktuell hohen Energiepreisen schon ohne EEG-Förderung auskommen“, so der Flexperte. Für große Investitionen würden die Banken aber noch lange die Sicherheit der EEG-Förderung verlangen, schränkte Welteke-Fabricius ein.
 
Beispiel-Speicherkraftwerk Wülfinghausen (bei Hannover) bestehend aus Biogasanlage mit Zubau BHKW mit 2 MW Leistung, Großwärmepuffer, Gasspeicher und einer Betriebszeit um 2.000 Jahresstunden
Quelle: Flexperten

Biomasse-BHKW für die Nahwärme attraktiv

Auch das Geschäftmodell des „unecht neuen Satelliten“ sei höchst interessant: Wenn ein Wärmenetz erschlossen oder verdichtet wird, könne man dort ein neues BHKW installieren und mit diesem als Neuanlage an der Ausschreibung teilnehmen. Das BHKW werde mit bis zu 8-facher Überbauung und einem großen Wärmepuffer hoch flexibel ausgelegt und vom bestehenden Anlagestandort aus mit Biogas versorgt. Die Investitionen finanzierten sich dann mit dem Flexibilitätszuschlag, der nach EEG 2021 auf 65 Euro/kW erhöht wurde und über 20 Jahre ausgezahlt wird.

Auch Biogas-BHKW hätten vor allem in Kombination mit Speichern und Nahwärmenetzen gute wirtschaftliche Chancen, erläuterten Praktiker aus ihren Erfahrungen. Thomas Paes, Inhaber des Speicherspezialisten Hans van Bebber, erläuterte den Nutzen von großen Pufferspeichern. Für sie sei eine wirklich professionelle Auslegung der Hydraulik, nötig um die Temperaturschichtung im Wärmepuffer zu optimieren. Das Konzept des Speicherkraftwerks, das die flexible Stromerzeugung mit einer gesteigerten Ausnutzung der BHKW-Wärme kombiniert, sei am effektivsten für Klimaschutz und Einnahmen.

Biomasse nicht nur aus Maisanbau

Biogaserzeugung sei zudem inzwischen auch aus Mist, Getreide- und Maisstroh zu ersetzen. Als neue Energiepflanze mache die durchwachsenen Silphie Karriere, die zwar weniger Ertrag als Mais bringe, aber dafür wichtige Vorteile bei Biodiversität und im Humusaufbau biete. Aus den Fasern der mehrjährigen Pflanze lasse sich sogar ein nachhaltiges Papier produzieren, das bereits erfolgreich für Verpackungen eingesetzt wird.

Clemens Maier berichtet anschließend von den Erfolgen, aus den Gärprodukten wertvolle Düngemittel zu erzeugen, mit denen weitere Einkünfte erzielt werden können. Die Seminarserie wird im Mai in Tarmstedt (9.5.) und Heek (10.5.) fortgeführt. Es folgen Leipzig (20.5.) und Trier (23.5.)

Die Seminartermine   finden sich auf der Website des Netzwerks Flexperten.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Freitag, 29.04.2022, 15:35 Uhr

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