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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Sehenden Auges in die Flaute
Bild: pict rider / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Sehenden Auges in die Flaute
Im ersten Halbjahr hat es einen ordentlichen Zubau bei der Windkraft gegeben. Für 2019 ist der Einbruch bei den Neuaufstellungen nicht mehr abzuwenden.
 
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat es bei der Windkraft an Land einen Bruttozubau von 1 626 MW gegeben. Gemessen am Rekordergebnis von 2 281 MW im Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Rückgang von rund 30 %. Dennoch zeigten sich die beiden Windenergieverbände, der Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems, bei ihrer traditionellen Halbzeitbilanz in Berlin zufrieden mit der neu installierten Leistung. „Das liegt im Korridor unserer Erwartungen“, hieß es von beiden Verbänden.

Der Bau der 497 Windturbinen, die in der ersten Jahreshälfte ans Netz gegangen sind, basiert komplett auf Genehmigungen, die ihre Betreiber unter dem „alten“ Förderregime des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bis Ende 2016 erhalten hatten. Aus diesem Fundus dieser „Alt-Genehmigungen“ gibt es laut Anlagenregister der Bundesnetzagentur weitere rund 1 900 MW Windkraftleistung, von denen das Gros wohl bis Jahresende in Betrieb gehen wird – anderenfalls verlieren die potentiellen Betreiber den Anspruch auf eine erhöhte Vergütung nach dem „alten“ EGG. So gesehen erwarten die Windenergieverbände für das gesamte Jahr einen Zubau von etwa 3 500 MW – eine Zahl, die ihrer Prognose von Jahresanfang entspricht.

Zwar wird Deutschland mit dieser neu installierten Windkraftleistung auch in diesem Jahr der größte Windmarkt in Europa bleiben, das dürfte die heimische Windindustrie kaum beruhigen. Denn absehbar ist, dass der Zubau im kommenden Jahr auf eine Größenordnung von etwa 2 000 MW „abrauschen“ wird. „Gemessen am Rekordzubau von gut 5 400 Megawatt im Jahr 2017 ist das ein dramatischer Rückgang“, schlug BWE-Präsident Hermann Albers Alarm, „das wird nicht ohne Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten bleiben, zumal der Negativtrend sicherlich bis ins erste Halbjahr 2020 anhalten wird.“

Verantwortlich für die miese Stimmung in der deutschen Windbranche sind zwei Faktoren. Da ist zum einen der „Designfehler für die Bürgerenergie“ (O-Ton VDMA Power Systems-Geschäftsführer Matthias Zelinger) bei der letzten EEG-Novelle: Diesen vermeintlichen Bürgergruppen hat das Gesetz bis zu 54 Monate Zeit für den Bau ihrer bei den letztjährigen Auktionsrunden erfolgreichen Windparkprojekte eingeräumt: „Damit kann kein Hersteller für seine Produktionsabläufe planen“, betonte Zelinger.
 
Onshore-Zahlen für Deutschland
Status des Windenergieausbaus an Land Leistung in Megawatt Anzahl Anlagen
Netto-Zubau im 1. Halbjahr 1 505,36 396
Brutto-Zubau im 1. Halbjahr 1 626,05 497
davon Repowering 296,50 88
Abbau im 1. Halbjahr 120,69 101
Kumulierter Anlagenbestand am 30.06.2018 52 282,3 29 071
Quelle: BWE und VDMA Power Systems

Die im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen für die Jahre 2018 und 2019 in Höhe von jeweils 2 000 MW Windkraft an Land lassen - das ist die zweite Belastung - nach wie vor auf sich warten. Wann und ob überhaupt das sogenannte 100-Tage-EEG-Gesetz, in dem diese Zusatzmengen gesetzlich verankert werden sollten, kommt, ist auf dem Berliner Politparkett nicht absehbar. Vor der parlamentarischen Sommerpause hatten sich Union und Sozialdemokraten über diese Sonderausschreibungen zerstritten. Insbesondere der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU-Fraktion wollte von diesen zusätzlichen Ausschreibungsmengen nichts mehr wissen.

Derzeit hält sich in Berlin das Gerücht, dass die Union allenfalls einer Zusatzmenge zwischen 600 und 1 000 MW pro Jahr zustimmen würde. „Egal wie hoch das Volumen letztendlich ausfällt, marktrelevant werden die bezugschlagten Windenergieanlagen ohnehin frühestens Ende 2020“, verweist Albers auf die Konsequenzen der verzögerten Sonderausschreibungen. Intern geht der Bundesverband Windenergie davon aus, dass die Sonderausschreibungen zeitlich bis 2021 „gestreckt“ werden. Die Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer hatte jüngst eine Verteilung der zusätzlichen Auktionsmengen inklusive des Jahres 2022 vorgeschlagen.

Der Vorschlag hat folgenden Hintergrund: Die Genehmigungen für neue Windturbinen ist zuletzt deutlich eingebrochen. Im Vergleich zu den Jahren 2014 bis 2016 liegt das Minus für die zurückliegenden anderthalb Jahre nach einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land bei über 70 %. „Sonderausschreibungen bei einer nicht ausreichend vorliegenden Zahl von Genehmigungen machen absolut keinen Sinn“, betonte VDMA-Mann Zelinger in Berlin. Zusammen mit BWE-Präsident Albers gab er den Ball zurück an die Politik.

„Was wir brauchen, ist ein festes Mengen- und Zeitgerüst für den im Koalitionsvertrag vereinbarten 65-prozentigen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2030.“ Das verschaffe Windprojektierern und Investoren die notwendige Planungssicherheit, gezielt für neue Genehmigungen zu arbeiten.

Im Herbst, heißt es nebulös, könne es möglichweise zu einer EEG-Novelle kommen. Unterdessen driftet die Windbranche hierzulande in eine Flaute – was die Politik sehenden Auges derzeit aber nicht zum Einlenken und Handeln motiviert.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 26.07.2018, 15:12 Uhr

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