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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Zeitungsausgabe - Sagen Sie mal: Johannes Angloher
Quelle: E&M
AUS DER AKTUELLEN ZEITUNGSAUSGABE:
Sagen Sie mal: Johannes Angloher
Sagen Sie mal: In der Rubrik "Sagen Sie mal" stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
 
Johannes Angloher ist Energiehändler und Geschäftsführer der Syneco Trading GmbH 
Quelle: Syneco Trading GmbH

Herr Angloher, am Energiemarkt geht es momentan hitziger zu denn je. Wie turbulent gestaltet sich dadurch Ihr Arbeitsalltag?

Von ‚Alltag‘ kann seit vielen Monaten keine Rede mehr sein. Das heißt auch: Auf Dauer kann es so angespannt nicht bleiben. In dieser Krisensituation müssen sehr viele Informationen schnell aufgenommen, bewertet und mit anderen geteilt werden.

Wie bei den meisten anderen Unternehmen auch haben wir dazu verschiedene Krisenstäbe eingerichtet, um das zu organisieren. Zusätzlich haben unsere Kundinnen und Kunden einen höheren Informationsbedarf und wollen sich verständlicherweise intensiver mit uns austauschen. Weil ja aber auch das bisherige Geschäft weiterläuft, müssen zusätzliche Termine wahrgenommen werden. Das funktioniert eigentlich nur in bisher wenig belegten Randstunden − die Tage werden also länger.

Damit die Arbeitstage in einer solchen Situation nicht völlig ausufern, müssen wir uns noch stärker auf die wirklich wichtigen Themen konzentrieren. Das bedeutet manchmal leider auch, dass wir mehr in Eile sind als üblich, mit den unausweichlichen Konsequenzen vom gelegentlich raueren Ton bis hin zu Fehlern, die unter solchen Umständen nicht immer ausbleiben.

In Wirtschaft und Privathaushalten wächst die Angst vor explodierenden Energiekosten. Als Energiehändler sind Sie direkt am Puls dieser Entwicklungen. Wie schaffen Sie es, sich davon emotional abzugrenzen?

Natürlich haben wir als Akteur in diesem Markt direkten Zugang zu Informationen, die durchaus Besorgnis auslösen. Auch wenn wir die Situation ein wenig besser einordnen können als Laien, sind wir ja nicht frei von Sorgen in dieser Lage. Insofern verursacht diese Krise auch bei uns emotionalen Stress. Wie man damit umgeht, ist bei jedem sicherlich unterschiedlich. Schlussendlich müssen wir alle jetzt Ruhe bewahren und darauf vertrauen, dass wir Teil eines leistungsfähigen Systems sind.

Bisher haben wir gemeinsam noch für jede Herausforderung eine Lösung gefunden!
Was auch recht gut hilft, ist ein Blick auf die vorhandenen positiven Seiten dieser Krise: Wir werden alle zukünftig viel effizienter und achtsamer mit Energie umgehen. Wir werden bewusster auf Abhängigkeiten achten und wir werden − allen Rückschlägen zum Trotz − eine starke und wirksame Beschleunigung der notwendigen Transformation erleben, hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung.

Was können Sie unseren Leserinnen und Lesern in diesen energiewirtschaftlich aufwühlenden Zeiten mit auf den Weg mitgeben?

Niemand sollte sich von den täglichen Hiobsbotschaften und Alarmmeldungen verrückt machen lassen und in Panik verfallen. Auch wenn wir uns mit dem Ukraine-Krieg und dem möglichen Gaslieferstopp durch Russland mit einer noch nie dagewesenen Lage konfrontiert sehen, sind wir überzeugt davon, dass wir gemeinsam mit allen Beteiligten − Politik, Branchenverbänden und Unternehmen − auch diese Herausforderung meistern.

Wenn Putin uns den Gashahn endgültig zudreht, kann es für Industrie und Haushaltskunden sehr ungemütlich werden im kommenden Herbst und Winter. Aber auch das müssen und das werden wir schaffen! Klar ist, dass auch Russland bei einem Gasstopp ein echtes Problem bekommt. Die bislang bereits beschlossenen Sanktionen wirken − vielleicht nicht so schnell, wie wir alle uns das wünschen mögen, aber sie wirken. Wenn dann auch kein Gas mehr fließt, wird das Russlands Haushalt belasten. Und für den Kreml dürfte immer klarer werden, dass dieser Schritt aller Voraussicht nach das Ende der russischen Gaslieferungen nach Westeuropa ist. Das wird Putin nicht egal sein.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Montag, 08.08.2022, 08:58 Uhr

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