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Enerige & Management > Interview - Sagen Sie mal: Jan-Peter Müller
Quelle: Fotolia / wellphoto
INTERVIEW:
Sagen Sie mal: Jan-Peter Müller
In der Rubrik "Sagen Sie mal" stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
Worauf achten Sie als großer Investor bei der Auswahl von Entwicklern und Turbinen- und Panel-Herstellern?
Bei der Auswahl der richtigen Partner sind drei Kriterien für uns entscheidend: Track Record, After-Sales-Service & ESG-Konformität. Beim Thema Track Record schauen wir uns an, wie viele Jahre das Unternehmen am Markt ist, wie viele Turbinen, Panels und Projekte erfolgreich installiert wurden, was die Performance-Daten und unser Benchmark-Vergleich der Module oder Turbinen sagen. 

In Bezug auf den After-Sales-Service zählen für uns die Flexibilität und Geschwindigkeit im Adressieren etwaiger Probleme während der Betriebsphase. Ob Mängel schnell beseitigt und vorgeschlagene Optimierungen schnell umgesetzt werden, ist für die Performance entscheidend.

Eine generelle ESG-Konformität sowie das Erfüllen bestimmter Standards sind unerlässlich. ESG steht für Environment, Social und Governance − also Umweltschutz, soziales Engagement und faire Unternehmensführung. Dabei schauen wir uns das einzelne Projekt und die Richlinien des jeweiligen Partnerunternehmens genau an − das betrifft alle Teile der Wertschöpfungskette. 
 
Jan-Peter Müller ist Head of Infrastructure der Commerzbank-Tochter Commerz Real
Quelle: Commerz Real AG

Wo will die Commerz Real in Europa und Deutschland weiter zukaufen − und in welchen Energieerzeugungsarten?
Wir sind konstant auf der Suche nach attraktiven Assets in den Bereichen Erzeugung, Übertragung und Speicherung erneuerbarer Energie. Kerneuropa ist dabei im Fokus, aber Investitionen in alle OECD-Länder sind möglich. In Nordeuropa haben wir bereits einzelne Assets sichern können, zuletzt in Finnland. Insgesamt glauben wir, dass der Markt hier sowohl im Wind- als auch im Solarbereich weiter wachsen wird und sehen interessante Möglichkeiten in Schweden, Finnland, aber auch in Norwegen und Dänemark. In Westeuropa wollen wir in Frankreich wachsen und werden dort 2021 den Onshore-Windmarkt betreten. Die Benelux-Staaten sind grundsätzlich spannend, aber sehr hochpreisig.

Südeuropas PV- und Windenergie-Assets sind ebenso interessant und große Pipelines stehen derzeit zum Verkauf. Schwerpunktland für uns ist Spanien. 2020 haben wir dort die ersten Investitionen auch in Projektentwicklungen getätigt und sind sehr zufrieden. Wir scheuen uns nicht davor, auch einmal früher in die Wertschöpfungskette einzusteigen. Osteuropas Märkte sind vielversprechend − Polen, Tschechien oder Kroatien werden eine stark wachsende Rolle in Portfolios spielen. 

Wie steht es um die Entwicklung der einzelnen nationalen Märkte für Power Purchase Agreements (PPA)?
Europas PPA-Märkte entwickeln sich erfreulich. Wir sehen eine Professionalisierung und Standardisierung und dadurch eine größere Marktpraktikabilität. Es gibt mehr potenzielle Interessenten, die langfristige PPA von zehn und mehr Jahren nachfragen − seien es Energiehändler oder unterschiedlichste Konzerne als Endverbraucher von grünem Strom.

Regional gesehen war Skandinavien von jeher Vorreiter bei PPA, auch Deutschland und Spanien haben zunehmend reife PPA-Märkte. In Frankreich sind PPA aufgrund der guten staatlichen Vergütungssysteme noch selten nötig. Speziell dort, wo stark steigende Energiepreise prognostiziert werden, finden sich Unternehmen, die ihren Strompreis langfristig mit Produzenten fixen wollen. Hier ist unser gutes Netzwerk Trumpf.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 19.11.2021, 08:30 Uhr

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