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Enerige & Management > Interview - Sagen Sie mal: Helge-Uve Braun
Quelle: Fotolia / wellphoto
INTERVIEW:
Sagen Sie mal: Helge-Uve Braun
In der Rubrik "Sagen Sie mal" stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
Herr Braun, welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Arbeit als neuer Präsident des Bundesverbands Geothermie legen?
Ich engagiere mich dafür, dass die Rahmenbedingungen für die Nutzung der Geothermie deutlich verbessert werden. Sie bietet gerade für die Wärmeversorgung große Vorteile: Geothermie ist ‚grüne Fernwärme‘, sie dekarbonisiert die Wärme- und Kälteversorgung, verringert Energieimporte und schafft Wertschöpfung in Deutschland. Die Tiefengeothermie ist einer der wesentlichen Pfeiler zur Umsetzung der Wärmewende. 

Ein besonderes Augenmerk werde ich auf die anstehenden Klimaschutzsofortmaßnahmen legen. Hier muss ein Programm zum Ausbau der Geothermienutzung für den Wärmemarkt integriert werden. Wir benötigen vor allem eine stärkere Förderung von Wärmenetzen mit Geothermieeinspeisung sowie eine Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für tiefe und oberflächennahe Geothermievorhaben. Die Kombination aus einem Erkundungsprogramm und einer Absicherung der Fündigkeit steht ebenfalls oben auf der Prioritätenliste.

Der vorhersehbare und notwendige dynamische Ausbau der Geothermienutzung benötigt faire Rahmenbedingungen, eine starke Forschungslandschaft, Kapital und vor allem Fachkräfte. Gerade die Situation auf dem Markt für Fachkräfte erfordert eine Aus- und Weiterbildungsoffensive von Bund und Ländern. Auch dafür werde ich mich starkmachen. 
 
Helge-Uve Braun ist neuer Präsident des Bundesverbandes Geothermie
Quelle: Stadtwerke München / Stefanie Aumiller

Welche Potenziale schreiben Sie der Erdwärme zur Erreichung der Energiewende zu? 
Vor allem im Wärmemarkt liegen die größten Potenziale der Geothermie. Darüber hinaus lassen sich mit Geothermie Gebäude kühlen, Strom erzeugen und durch die stoffliche Nutzung des Thermalwassers Rohstoffe wie Lithium extrahieren. In der Eröffnungsbilanz von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck heißt es: ‚Tiefe Geothermie kann ganzjährig hohe Temperaturen zur Gebäudeversorgung liefern und wird überhaupt erst durch Wärmenetze nutzbar. Für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 muss das vorhandene Potenzial für Geothermie erheblich stärker genutzt werden. Es beträgt zehn Terawattstunden pro Jahr bis 2030 und wir wollen es so weit wie möglich nutzen.‘

Es freut mich sehr, dass Habeck die Bedeutung der Geothermie erkannt hat. Bezüglich des Potenzials der Tiefen Geothermie liegen die Einschätzungen renommierter Forschungseinrichtungen aber sogar höher, zwischen 100 und 250 Terawattstunden pro Jahr. Das bedeutet, dass ein großer Anteil der Fernwärme in Zukunft mit Geothermie betrieben werden kann. Für die Oberflächennahe Geothermie liegen vor allem regionale Studien vor. Nordrhein-Westfalen etwa geht davon aus, dass über 50 Prozent des Wärmebedarfs von Wohngebäuden durch Oberflächennahe Geothermie gedeckt werden können.

Was müsste sich hierfür politisch ändern?
Der Bundesverband Geothermie hat eine Reihe von Vorschlägen formuliert. Im Wesentlichen geht es dabei um die systematische Erkundung des Untergrunds zur Identifizierung geothermischer Quellen, die Etablierung eines verbesserten Förderrahmens einschließlich einer Fündigkeitsabsicherung, die Verkürzung von Genehmigungsverfahren und eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive für Fachkräfte. All das wird gegenwärtig im Dialog zwischen Branche und Politik weiter konkretisiert. Im Kern braucht es jetzt schnell eine umfassende Gesetzesinitiative zum Ausbau der Geothermie.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Mittwoch, 02.03.2022, 09:44 Uhr

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