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Enerige & Management > Interview - Sagen Sie mal: Gero Lücking
Bild: Fotolia.com, iQoncept
INTERVIEW:
Sagen Sie mal: Gero Lücking
In der Rubrik „Sagen Sie mal“ stellen wir drei kurze Fragen und bitten um drei kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
Herr Lücking, Ist das bisherige System der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität das richtige?

Alle sagen, dass das derzeitige System ein Hemmnis für den Ausbau der Elektromobilität ist. Die Ladesäulenbetreiber haben den Markt unter sich aufgeteilt. Wir wissen aber auch, dass hinter keiner der bisherigen Ladesäulen ein Geschäftsmodell steht. Mit dem reinen Betrieb von Ladesäulen ist kein Geld zu verdienen. Die bisherige Betreiberstruktur ist zudem extrem kundenunfreundlich. Der Zugang zu den Ladesäulen ist noch viel zu kompliziert, die Preise für Ladestrom sind extrem unterschiedlich. Das macht für die Nutzer von Elektroautos den Kostenvorteil, den die Elektromobilität hat, zunichte und ist ein echtes Hemmnis für die Entwicklung dieser Autos. Auch wenn die Mehrzahl der Ladevorgänge in Zukunft wohl zu Hause oder auf dem Parkplatz der Arbeitsstätte stattfinden wird, muss es dennoch Möglichkeiten geben, jederzeit am Ende einer Fahrt Strom zu laden. Dafür braucht es öffentliche Ladesäulen und den diskriminierungsfreien Zugang für alle Stromanbieter.
 
Gero Lücking ist Geschäftsführer Energiewirtschaft des Ökostromanbieters LichtBlick
Bild: LichtBlick SE

Wer soll sie aufbauen und für ihren Betrieb zuständig sein?

Wir halten es für naheliegend, die Ladesäulen als Teil des Stromnetzes zu betrachten. Dann wären der Ausbau und der Betrieb der Ladeinfrastruktur Aufgabe der Verteilnetzbetreiber. Demnach wären Ladesäulen zusätzliche Netzanschlüsse, die der Netzbetreiber zu errichten hätte. Für Anbieter von Ladestrom – also alle Stromanbieter - wäre es dann attraktiv, Angebote zu machen, weil sie damit einen diskriminierungsfreien Zugang zur Ladeinfrastruktur hätten. Wir haben auch ein Interesse daran, unseren Strom an den Ladesäulen im ganzen Land anbieten zu können. Bisher fehlt dieser Zugang und er wird von den Ladesäulenbetreibern über Sondergebühren erschwert oder er ist gar nicht möglich. Die Nutzer von Elektroautos könnten nach unserem Vorschlag den Stromvertrag mit ihrem Stromversorger überall hin mitnehmen. Das Laden der Autobatterie würde zu den dem Kunden bekannten Konditionen über die Stromrechnung abgerechnet. Der Fahrzeugnutzer müsste sich um nichts kümmern. Das wäre wesentlich einfacher und kundenfreundlicher als bisher

Wer legt fest, wie viele Ladesäulen gebaut werden und wer bezahlt das ganze?

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur unterläge wie auch der Netzausbau der Kontrolle der Bundesnetzagentur. Über Kennzahlen wie Fläche, Bevölkerungsdichte und Zahl der Fahrzeuge können sehr einfach belastbare Kennzahlen für notwendige Ladesäulen bestimmt werden. Der Ausbau des Ladenetzes sollte der Marktdurchdringung mit Elektrofahrzeugen immer ein wenig vorweglaufen. Die Kontrolle der Kosten wäre Aufgabe der Regulierungsbehörde. Unseren Berechnungen nach würde die Einbeziehung der Ladeinfrastruktur in das regulierte System die Netzentgelte um weniger als ein Prozent erhöhen. Der Aufbau der Ladeinfrastruktur unterläge wie der Netzausbau dem Effizienzkriterium.
 

Peter Focht
Redakteur
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Dienstag, 23.02.2016, 08:53 Uhr

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