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Enerige & Management > Bilanz - RWE: Halbjahresgewinn wächst um 80 %
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
BILANZ:
RWE: Halbjahresgewinn wächst um 80 %
Insbesondere das „Kerngeschäft“ mit den Ökoenergien entwickelte sich gut. Auch die Gasumlage werde man nicht in Anspruch nehmen müssen.
 
Ein „gutes Ergebnis“ verzeichnete die RWE AG im ersten Halbjahr 2022, betonte Vorstandschef Markus Krebber bei der Bilanzpressekonferenz am 11. August. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 erhöhte sich der Außenumsatz um 91,6 % auf 16,19 Mrd. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 63,2 % auf 2,86 Mrd. Euro, das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) um 101,9 % auf 2,10 Mrd. Euro. Der Halbjahresgewinn (bereinigtes Nettoergebnis) stieg um 80 % auf 1,52 Mrd. Euro.

Auch die Aussichten für das Gesamtjahr sind Krebber zufolge gut. Deshalb werde die diesbezügliche Prognose angehoben. Das bereinigte Ebitda soll bei 5,0 bis 5,5 Mrd. Euro liegen, bisher war von 3,6 Mrd. bis 4,0 Mrd. Euro die Rede gewesen.

Fünf Gründe für das gute Ergebnis

Krebber führte dafür fünf Gründe auf. Erstens wachse der Konzern: „Unsere Strategie ‚Growing Green‘ zeigt Wirkung.“ Zweitens sei die Stromproduktion mit Windparks und PV-Anlagen witterungsbedingt besser ausgefallen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die „flexiblen Anlagen unseres Segments Wasser/Biomasse/Gas wurden und werden mehr gebraucht, weil in Europa ungewöhnlich viel Kraftwerkskapazität nicht zur Verfügung steht“. Als dritten Grund für das bessere Ergebnis bezeichnete Krebber die „erneut starke, über den Erwartungen liegende operative Performance unseres globalen Energiehandels“.

Viertens werde RWE aufgrund politischer Entscheidungen per 1. Oktober drei Braunkohleblöcke wieder in Betrieb nehmen, nämlich Neurath C mit 300 MW sowie Niederaußem E und F mit ebenfalls je 300 MW. Dies bedeute zusätzliche Einnahmen, jedoch keine „Renaissance fossiler Energien“, betonte Krebber: „Wir stehen zum Kohleausstieg. Er ist richtig und er wird kommen.“ Fünftens und letztens profitiere RWE auch von den gestiegenen Großhandelspreisen für Strom.

Allerdings weist die Bilanz dem Halbjahresbericht zufolge zwei „Schönheitsfehler“ auf: Erstens liegt die Eigenkapitalquote bei nur 5,0 % und damit deutlich unter dem oft als heikel erachteten Wert von 30 %. RWE begründet dies mit „Wertveränderungen bei von uns abgeschlossenen Termingeschäften“. Diese hätten aber nur temporäre Bedeutung und „heben sich größtenteils wieder auf, wenn die Kontrakte realisiert werden“. Der zweite „Schönheitsfehler“ ist die Ebitda-Marge, die mit rund 5,7 % unter den laut manchen Analysten wünschenswerten mindestens zehn % liegt.

Gute Entwicklung im „Kerngeschäft“

Umfassend verwies Krebber auf die gute Entwicklung des „Kerngeschäfts“ der RWE, also im Wesentlichen der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien. Allein im ersten Halbjahr seien in diesen Bereich rund zwei Mrd. Euro investiert worden und Anlagen mit 1.200 MW Gesamtleistung in Betrieb gegangen. Insgesamt verfüge RWE über Ökostromanlagen mit 4.800 MW in elf Ländern. Unter den neu hinzugekommenen Projekten findet sich laut Krebber der Offshore-Windpark Kaskasi vor Helgoland, dessen erste Windräder seit einigen Tagen Strom liefern. Kaskasi hat eine Gesamtleistung von 342 MW und soll bis Jahresende vollständig ans Netz gehen. Ferner plant der Konzern, im Bereich seiner Offshore-Windparks schwimmende Solaranlagen zu installieren, um die Meeresfläche optimal auszunutzen. Im zweiten zweiten Halbjahr wird RWE weitere rund drei Mrd. Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Das gesamte Investitionsvolumen von fünf Mrd. Euro sei „rund 30 % mehr als ursprünglich geplant“, betonte Krebber.

"Finanzstark genug, um höhere Gaspreise selbst zu stemmen"

Insgesamt ist die Lage auf dem EU-Energiemarkt „ausgesprochen angespannt“, warnte Krebber. Dies betrifft zumal die Erdöl- und Erdgasversorgung. Russland habe im ersten Halbjahr rund 20 Mrd. Kubikmeter weniger Gas nach Deutschland geliefert als vertraglich zugesichert. Gas aus anderen Quellen wiederum könne nur zu deutlich höheren Preisen beschafft werden. Die Kosten dafür werde RWE selbst tragen und das künftige Umlagesystem nach dem Energiesicherungsgesetz nicht in Anspruch nehmen, versicherte Krebber. RWE sei finanzstark genug, um dies zu stemmen. Wie hoch die Kosten heuer letzten Endes sein werden, hängt davon ab, wie viel Gas Russland bis Jahres liefert. Ebenfalls selbst tragen wird RWE den „finanziellen Schaden“ von rund 748 Mio. Euro für entfallene Lieferungen von Steinkohle aus Russland. Aufgrund der EU-Sanktionen sind Importe russischer Kohle nicht mehr möglich.

Ob das RWE-Kernkraftwerk Emsland über das Jahresende hinaus weiterlaufen wird, müsse politisch entschieden werden, sagte Krebber. "Wichtig ist, dass jetzt ein Stresstest gemacht wird. Auf Basis des Stresstests wird die Politik dann die Entscheidung treffen und die warten wir ab". Nach der Entscheidung gehe es "in die Richtung, die die Politik wünscht".

Dringend geboten hinsichtlich der Energieversorgung Europas und damit auch Deutschlands sind laut Krebber „Tempo und entschlossenes Handeln, um unabhängiger zu werden“. Insbesondere die Beschlüsse aus dem Oster- und dem Sommerpaket der EU müssten „zügig“ umgesetzt werden. „Wo immer es geht, wollen wir erneuerbare Energien, Energiespeicher, flexible Backup-Kapazitäten und Wasserstoff noch schneller aufbauen. Wenn RWE gutes Geld verdient, gewinnt die grüne Energiewelt“, resümierte Krebber.
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 11.08.2022, 15:27 Uhr

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