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Enerige & Management > Gas - Russland forciert LNG-Exporte nach Europa
Quelle: Shutterstock / Igor Grochev
GAS:
Russland forciert LNG-Exporte nach Europa
Im Ukrainekrieg legten in Europa mehr Tanker mit Flüssigerdgas an. Auch aus Russland. Für Gazprom zählt LNG zu einem vorrangigen Geschäftsfeld.
 
Im November erklärte der Aufsichtsrat des russischen Gaskonzerns, dass die erhöhte LNG-Produktion zu den Prioritäten unter den Geschäftfeldwern von Gazprom gehört. Das Gremium genehmigte auf dieser Grundlage Projekte zur Produktion und Lieferung von verflüssigtem Erdgas. Die Schaffung neuer Kapazitäten sei eine zusätzliche Chance, Absatzmärkte zu diversifizieren und die Gasversorgung russischer Verbraucher flexibler zu gestalten.

Ganz auf dieser Linie hatte Gazprom bereits im September an der Ostseeküste an der Verdichterstation Portowaja die LNG-Produktion aufgenommen. Der Konzern will damit die Energieversorgung der russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) stärken.

Doch Tanker mit LNG von Portowaja an Bord legten nicht nur in Richtung Kaliningrad ab, sondern nahmen offenbar auch Kurs auf Griechenland. Darüber berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant am 24. November. Demnach sollen zwei Tanker das griechische LNG-Terminal Revithoussa Griechenland ansteuern, während ein Tanker zum Testen der Technologie tatsächlich für Kaliningrad vorgesehen sei.

Russische LNG-Kapazitäten

Die zwei Linien zur Gasverflüssigung in Portowaja an der finnischen Grenze weisen eine Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen LNG im Jahr auf. Geplant ist ein Ausbau auf 2 Millionen Tonnen. Ebenso soll in Ust-Luga nahe der estnischen Grenze ein Komplex zur Gasverarbeitung und -verflüssigung entstehen. Er soll eine Kapazität von 13 Mio. Tonnen LNG im Jahr erreichen. Doch mit dem Rückzug des Anlagenspezialisten Linde wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, der auch die Technologie zur Gasverflüssigung in Portowaja lieferte, dürfte sich die Projektumsetzung verzögern.

Auf der Pazifikinsel Sachalin betreibt Gazprom zusammen mit japanischen Unternehmen das zweitgrößte LNG-Werk mit einer Kapazität von 9,6 Millionen Tonnen. Pläne zum Bau einer dritten Produktionslinie liegen auf Eis.

Kommt Gazprom bei seinen LNG-Plänen eher zögerlich voran, verfügt der zweitgrößte Gasproduzent Nowatek auf der nordsibirischen Jamal-Halbinsel über das größte LNG-Werk in Russland. Das betreffende Werk Yamal LNG weist eine Verflüssigungskapazität von 17,4 Mio. Tonnen LNG im Jahr auf. An Yamal LNG sind Frankreichs Total Energies und Chinas Nationale Öl- und Gasgesellschaft CNPC zu je 20 Prozent beteiligt. Der Chinesische Seidenstraßen-Fonds hält knapp 10 Prozent, während Nowatek mit 50,1 Prozent die Mehrheit innehat.

Europa in der Zwickmühle

Von der Jamal-Halbinsel seien aus Russland die meisten Schiffsladungen mit LNG gekommen, die europäische Terminals in Frankreich, Belgien, Spanien und den Niederlanden in Empfang nahmen, hieß es in einem Bericht der Financial Times Ende November über russische Rekordlieferungen nach Europa. Importierte Europa im Verlauf der Monate immer weniger Gas aus Russland per Pipeline, legten die LNG-Importe auch aus Russland kräftig zu. Demnach sind zwischen Januar und Oktober in diesem Jahr im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2021 um 42 Prozent auf 17,8 Milliarden Kubikmeter Gas gestiegen. Russisches LNG machte in diesem Zeitraum folglich 16 Prozent der gesamten europäischen Schiffsimporte aus. Dies mache deutlich, wie schwer es für Europa ist, sich von russischen Quellen zu lösen, so das Finanzblatt.

Der im Vergleich zu China kurze Transportweg von der Jamal-Halbinsel zu europäischen Häfen ist für Russland attraktiv, um die Lücke bei Pipeline-Transporten zumindest ein Stück weit wettzumachen. Zugleich könnten sie wie reduzierte Gaslieferungen über Pipelines zum Druckmittel gegen Europa werden. Ob noch ein Strang der Gasleitung Nord Stream 2 intakt ist, ist nicht abschließend geklärt.

Aktuell liefert Russland über die Ukraine am Tag gut 42 Millionen Kubikmeter Gas nach Westeuropa. Das ist in etwa so viel wie über die Schwarzmeer-Gasleitung Turkish Stream in die Türkei. 
 

Josephine Bollinger-Kanne
© 2023 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 30.11.2022, 11:45 Uhr

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