Die Ukraine und Russland hatten nach der Unabhängigkeit der Ukraine immer wieder Meinungsverschiedenheiten vor allem bei Erdgas, wie diese E&M-Meldung vom Dezember 2005 verdeutlicht.
Russland und die Ukraine haben sich kurz vor Beginn des Jahres 2006 noch nicht auf einen Vertrag für Gaslieferung und -transit geeinigt. Einem Rahmenvertrag von 2001 zufolge werden die miteinander verrechneten Mengen und Preise jährlich neu festgelegt.
Der russische Konzern OAO Gazprom fordert für das von ihm an die Ukraine gelieferte Erdgas inzwischen einen Preis von 230 US-Dollar (194 Euro) je 1.000 Kubikmeter anstelle der bisher gezahlten 50 US-Dollar. Die ukrainische Regierung bezeichnete diese Forderung bisher als unannehmbar, erklärte sich aber grundsätzlich zu einem schrittweisen Übergang zu international üblichen Preismodellen bereit. Präsident Wiktor Juschtschenko hält dazu eine Frist von drei Jahren für nötig. Nach seiner Ansicht ist derzeit ein Gaspreis von 80 US-Dollar gerechtfertigt.
Gazprom hat für den Fall einer Nichteinigung angekündigt, ab 1. Januar 2006 nur noch die Gasmengen in die ukrainischen Pipelines zu speisen, die zum Transit nach Mittel- und Westeuropa bestimmt sind. In einem ähnlichen Streit mit Weißrussland hatte der Konzern Anfang 2004 die Lieferungen in dieses Land und damit auch den Gastransit nach Westeuropa schon einmal kurzzeitig vollkommen unterbrochen.
Auf die Versorgung in Deutschland hatte dies damals keinen spürbaren Einfluss. Auch in der Ukraine dürften sich die Auswirkungen eines Lieferstopps zunächst in Grenzen halten, da das Land über Untergrundspeicher mit einer Kapazität von 32 Mrd. Kubikmeter verfügt.
Die Ukraine verbraucht jährlich 78 Mrd. Kubikmeter Erdgas. 20 Mrd. Kubikmeter fördert sie selbst, 23 Mrd. Kubikmeter kommen aus Russland und bisher 34 Mrd. Kubikmeter aus Turkmenistan. Medienberichten zufolge hat das Land inzwischen mit Turkmenistan einen Liefervertrag für 2006 über 40 Mrd. Kubikmeter zum Preis von knapp 60 US-Dollar geschlossen.
Gazprom strebt auch in anderen Nachbarländern deutliche Preiserhöhungen für das Jahr 2006 an. Eine Ausnahme bildet Weißrussland, das weiterhin Erdgas für 50 US-Dollar bezieht.
Sonntag, 14.12.2025, 15:20 Uhr
Stefan Schroeter
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