• Strom: Spot verbilligt sich weiter
  • Gas: Preise wieder auf Talfahrt
  • Netzbetreiber als Prozessbeschleuniger
  • Nordwesten will bei Wasserstoff vorangehen
  • Erste Erfolge für Bochumer Grünstrom-Offensive
  • Envelio sammelt Millionen ein
  • Stadtwerke Münster sind jetzt klimaneutral
  • Künstliche Intelligenz für Schwungradspeicher
  • Opal sucht neuen Geschäftsführer
  • Versicherungskammer Bayern steigt bei EE-Projektierer ein
Enerige & Management > Wärme - Roll: "Wir machen das Gesamtsystem Fernwärme deutlich besser"
Bild: Detlef, Fotolia.com
WÄRME:
Roll: "Wir machen das Gesamtsystem Fernwärme deutlich besser"
Hansjörg Roll, Technikvorstand der MVV Energie in Mannheim, über den nachhaltigen Umbau der fossilen Fernwärmeversorgung zu mehr Klimaverträglichkeit.
 
E&M: Herr Dr. Roll, MVV hat im Sommer ihre Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt: Welche Folgen hat sie für die Fernwärmeversorgung in Mannheim?
 
Roll: Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren eine zentrale Säule unserer Unternehmensstrategie. Dabei ist und bleibt das Energiesystem der Zukunft unser Investitionsschwerpunkt. Wir wollen in den kommenden Jahren weitere drei Milliarden Euro in die Energiewende investieren. Damit verdoppeln wir in den nächsten zehn Jahren die Leistung unserer eigenen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.
 
Hansjörg Roll: „Wir stärken gleichzeitig die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Mannheimer Fernwärme“
Bild: MVV

Für den gleichen Zeitraum haben wir uns vorgenommen, 10 000 Megawatt erneuerbare Energien neu ans Netz zu bringen und die jährlichen Kohlendioxid-Einsparungen auf eine Million Tonnen netto pro Jahr zu verdreifachen.
Im Rahmen dieses Nachhaltigkeitsprogramms investieren wir in Mannheim in die Zukunft der umwelt- und klimafreundlichen Fernwärmeversorgung der Stadt und der Metropolregion Rhein-Neckar. Wir schließen bis Ende 2019 unser abfallgefeuertes Heizkraftwerk an unser Fernwärmenetz an. Mit dieser zweiten Wärmequelle neben der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung des Großkraftwerks Mannheim (GKM) machen wir unsere Fernwärme sicherer, flexibler und vor allem erneuerbarer. Wir stärken gleichzeitig die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Mannheimer Fernwärme.

„Wir decken im Sommer den Wärmebedarf voll aus der thermischen Abfallverwertung“

E&M: Die Fernwärme für Mannheim wird hauptsächlich in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt – aber der Brennstoff Kohle ist ein Auslaufmodell. Verliert damit auch die KWK in der Fernwärmeversorgung an Bedeutung?
 
Roll: Effizienz ist eines der zentralen Themen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. Die Kraft-Wärme-Kopplung ist, unabhängig vom verwendeten Brennstoff, die effizienteste Technologie dafür. Das GKM spielt diese Vorteile mit einem der modernsten Kohleblöcke in Europa voll aus. Für die Versorgungssicherheit ist das auf absehbare Zeit unverzichtbar.

Wenn ab Ende 2019 die Wärmeeinspeisung aus unserem abfallgefeuerten Heizkraftwerk in Mannheim hinzukommt, heben wir gleich an mehreren Stellen Synergien. So decken wir im Sommer den vergleichsweise geringen Wärmebedarf voll aus der thermischen Abfallverwertung und erhöhen dadurch die Gesamteffizienz unseres Heizkraftwerks weiter. Da in dieser Jahreszeit zudem ausreichend Strom aus Sonne und Wind zur Verfügung steht, kann das GKM auf einen dann in dieser Phase unwirtschaftlichen Betrieb verzichten.

Im Winter dagegen, bei hohem Wärmebedarf und wenig Strom aus erneuerbaren Quellen, spielt das GKM sowohl strom- wie auch wärmeseitig eine zentrale Rolle. Unter dem Strich machen wir so das Gesamtsystem Fernwärme Mannheim mit den beiden Erzeugungsanlagen insgesamt deutlich besser – zum Vorteil unserer Kunden und der Umwelt.
 
E&M: Welche alternativen Energiequellen für die Fernwärme kommen für Mannheim noch in Betracht?
 
Roll: Wir schaffen mit den Investitionen in unser abfallgefeuertes Kraftwerk und die Anbindung an das Leitungsnetz einen Primärenergiefaktor von 0,42 für die Fernwärme. So bieten wir für die kommenden Jahre eine attraktive und nachhaltige Wärmeversorgung. In der Zukunft sind in der Tat viele Möglichkeiten der Einspeisung denkbar – diese Unabhängigkeit von der Art der Erzeugung ist ja einer der großen Vorteile der Wärmenetzsysteme. Bei der Auswahl weiterer Wärmequellen werden dann, wenn es soweit ist, sowohl technische wie wirtschaftliche und standortbezogene Überlegungen eine Rolle spielen. Daran arbeiten wir kontinuierlich.
 

Peter Focht
Redakteur
+49 (0) 30 89746265
eMail
facebook
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 30.11.2017, 13:21 Uhr

Mehr zum Thema