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Enerige & Management > Kernkraft - Reparaturen an Isar 2 irritieren Umweltministerium
Quelle: Shutterstock / hxdyl
KERNKRAFT:
Reparaturen an Isar 2 irritieren Umweltministerium
Laut Betreiber Preußen Elektra muss das bayerische Kernkraftwerk Isar 2 wegen eines Lecks im Oktober repariert werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kritisiert Bayern.
 
Am 19. September wurde bekannt, dass das Kernkraftwerk Isar 2 im kommenden Monat für eine Woche heruntergefahren werden muss, um ein Ventil-Leck zu reparieren. Zuvor hatten der TÜV Süd und die Bayrische Staatsregierung immer für eine längere Laufzeit des Kraftwerks plädiert, um fehlendes Erdgas zur Stromerzeugung zu ersetzen. Laut Ausstiegsgesetz sollte das Kraftwerk zum 31.12.2022 außer Betrieb gehen. Sein geplanter Verbleib in einer Reserve bis April 2023 veranlasste nun die Betreiber Preußen Elektra zur Information über die nötige Reparatur.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nannte es „unseriös“, keine früheren Hinweise aus Bayern über den Reparaturbedarf erhalten zu haben. Insbesondere die Staatsregierung und der bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (Freie Wähler), hätten darüber informieren müssen. Am 4. August hatten der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und CDU-Chef Friedrich Merz den Reaktor besucht, um zu demonstrieren, dass er für eine längere Laufzeit zur Verfügung stehe. „Ich frage mich schon, ob sie über die Leckage nicht informiert wurden, oder ob sie das Problem in ihrer Pressekonferenz einfach verschwiegen haben“, sagte Lemke.

Betreiber muss über Reparatur entscheiden

Am 19. September hatte das Bundesumweltministerium eine Mitteilung der Eon-Tochter Preussen Elektra veröffentlicht, wonach das Kraftwerk bis zum eigentlich geplanten Betriebsende am 31. Dezember weiterlaufen könne. Für einen Reservebetrieb über dieses Datum hinaus sei jedoch bereits im Oktober eine Reparatur nötig. Dies würde laut Betreiber mit einem einwöchigen Stillstand des Meilers einhergehen.

Lemke erklärte, dass für einen Notfallreservebetrieb der drei verbliebenen deutschen Kernkraftwerke ab Januar 2023 noch „mehrere Gesetzesänderungen“ nötig seien. Gespräche mit dem Betreiber sollten klären, ob er diese Reparaturen durchführt, sagte die Ministerin. Das aufgetretene Leck mache deutlich, „dass Fragen der Sicherheitsanforderungen bei der politischen Debatte über eine Laufzeitverlängerung von CDU und CSU systematisch ignoriert werden“, kritisierte Lemke. Es bestätige sie in ihrer Haltung, dass „eine Laufzeitverlängerung von drei bis vier Jahren nicht verantwortlich und auch nicht einfach möglich ist“.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): „Wir brauchen sofort eine Entscheidung zur Laufzeitverlängerung, dann kann das Kernkraftwerk für den Betrieb bis März/April vorbereitet werden.“ Zusätzlich müssten neue Brennstäbe aus Schweden bestellt werden, die im Bedarfsfall im nächsten Herbst eingebaut werden könnten. „So können wir auch den Winter 2023/24 stromsicher überstehen“, argumentierte Aiwanger.

Umweltverbände fordern komplette Abschaltung

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sascha Müller-Kraenner, forderte die sofortige Abschaltung von Isar 2. Das Leck beweise, dass das Kraftwerk „ein permanentes Sicherheitsrisiko darstellt“. Eine spätere Übernahme in den Reservebetrieb komme keinesfalls in Betracht. „Die eigentlich alle zehn Jahre vorgeschriebene umfassende Sicherheitsüberprüfung von Isar 2 liegt inzwischen 13 Jahre zurück“, erinnerte er zugleich. Weitere Sicherheitsmängel seien deshalb nicht auszuschließen. Die zuständige Atomaufsicht des Freistaates Bayern müsse die Einhaltung der für die Hochrisikotechnologie Atomkraft vorgeschriebenen Sicherheitsstandards durchsetzen, forderte Müller-Kraenner.

Die bundesweite Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ erinnerte, das Isar 2 bereits im Januar 2022 wegen eines Ventillecks heruntergefahren werden musste. Pressesprecher Armin Simon verlangte von Eon eine umfassende Information der Öffentlichkeit über die Art der Schäden und ihre Lokalisierung im Kraftwerk. Nach Informationen seiner Organisation habe der Reaktor seit Mai 2022 seine Nennleistung nicht mehr erreicht. „Der jüngsten Mitteilung zufolge ist das AKW bereits in 40 Tagen – ab November 2022 – nicht mehr in der Lage, nach einem Stillstand wieder anzufahren“, betonte Simon. Jede Betriebsstörung bedeute somit unter Umständen das endgültige Aus.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 20.09.2022, 14:35 Uhr

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