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Enerige & Management > Gas - Rekordpreise im Handel, nur vereinzelt teurere Endpreise
Quelle: Fotolia / Dmitry Naumov
GAS:
Rekordpreise im Handel, nur vereinzelt teurere Endpreise
Am 22. August hat der Energiegroßhandel in Deutschland neue Allzeitrekorde gesehen. Für Oktober gibt es zwar wenig Haushaltskunden-Preiserhöhungen - aber wenn, dann kräftig.
 
Die Börsenpreise für Strom und Gas sind am 22. August so hoch gewesen wie noch nie. Steffen Suttner, Geschäftsführer des Wechselportals Check 24, führte die Rekorde auf die Unsicherheit der Händler zurück, wie sich die von Russland angekündigte dreitägige erneute angebliche Revision der Ostseeröhre Nord Stream 1 auf die Verfügbarkeit von Gas auswirkt. Erst im Juli war Nord Stream elf Tage lang regulär gewartet worden. Danach hatte Russland den Gasfluss kurzfristig auf 20 % halbiert.

Laut Check 24 wurde 1 MWh Gas am 22. August für den Folgetag am liquidesten kontinentaleuropäischen Handelspunkt, der holländischen TTF, für 282 Euro gehandelt − 985 % mehr als vor Jahresfrist. Die Lieferung für den 22. August dagegen war laut End-of-Day-Preis der Börse EEX noch für 245,79 Euro zu haben gewesen; am deutschen Handelspunkt THE waren 246,21 Euro/MWh zu zahlen gewesen. Für 27. Juli war der börsliche Day ahead erstmals über die 200 Euro geklettert.

Am 19. August war der Frontmonat September mit 244,43 Euro/MWh abgerechnet worden, der Dezember 2022 mit 252,27 Euro. Das vierte Quartal 2022 hatte einen Settlementpreis von 249,32 Euro/MWh, die Folgequartale wurden dann immer günstiger abgerechnet, bis hinunter auf 153,07 Euro/MWh fürs dritte Quartal 2023. Das Frontjahr 2023 hatte einen Abrechnungspreis von 233,27 Euro/MWh, das Folgejahr einen von 167,54 Euro/MWh − eine klassische Backwardation, in der die ferner liegenden Lieferzeiten günstiger werden.

Die wenigsten Gas-Grundversorger erhöhen

Im Schnitt sind auch die von Check24 berechneten Gas-Haushaltskundenpreise im August auf einen Rekordwert geklettert. Ein Familienhaushalt muss im Bundesschnitt für 20.000 kWh im Jahr 3.717 Euro zahlen − auf Jahressicht ein Plus von 185 Prozent. Der kWh-Preis beläuft sich derzeit auf 18,6 Ct/kWh (alles brutto).

Check24 berechnet seinen "Gaspreisindex" nach eigenen Angaben monatlich als gewichteten Durchschnitt von Grundversorgungstarif, dem jeweils günstigsten Sondertarif des Grundversorgers und dem jeweils günstigsten Tarif eines der Wettbewerber.

Für Oktober, den Beginn der Heizperiode, haben Gasvertriebe in 110 Fällen Tariferhöhungen angekündigt, und zwar im Schnitt um 87 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2022. Betroffen sind 0,8 Mio. der 20 Mio. erdgasversorgten Haushalte. 

Die Grundversorgungstarife ließen sich bis Mitte August erhöhen, wenn die Anpassung vom 1. Oktober an greifen soll. Dies gilt auch für Strom. Bei Sondertarifen haben die Energievertriebe einen flexibleren Vorlauf, und sie müssen ihre Preisänderungen auch nicht im Internet veröffentlichen. Kumuliert ist es nach Recherchen von Check 24 in den jüngsten sechs Monaten zu 659 Gaspreiserhöhungen oder deren Ankündigung gekommen. Es gibt allein etwa 750 Gas-Grundversorger.

Umsatzsteuer kompensiert die Gasumlagen nicht

Die Umsatzsteuer-Senkung auf 7 %, die am 1. Oktober greift, gleicht die neuen Gasumlagen nicht aus. Laut Check 24 steigt die jährliche Belastung des Muster-Familienhaushalts um 277 Euro auf 3.994 Euro, 277 % mehr als im Oktober 2021. Dabei schlagen die Umlagen mit folgenden Beträgen zu Buche:
  • die Gasbeschaffungsumlage von 2,419 Ct/kWh mit 484 Euro,
  • die Regelenergieumlage von 0,57 Ct/kWh mit 114 Euro 
  • und die Gasspeicherumlage von 0,059 Ct/kWh mit 12 Euro.
Eine Strom-Stunde nahe an den 800 Euro

Die Strom-Day-ahead-Auktion hat am 22. September für den Folgetag ebenfalls mit einem Preisrekord aufgewartet: 605,13 Euro/MWh. Am Vortag waren es noch 563,81 Euro gewesen. Die Lieferstunde 19 bis 20 Uhr notierte sogar bei 794,95 Euro/MWh. Das Frontjahr war Anfang August auf mehr als 400 Euro geklettert, hatte sich danach stetig verteuert und am 19. September in der Abrechnung bei 585,50 Euro notiert.

Einige Stromvertriebe ziehen höhere Endpreise nach

Familienhaushalte zahlen im August für einen relativ hoch angesetzten Jahresverbrauch von 5.000 kWh im Mittel mit knapp 2.000 Euro oder 39,9 Ct/kWh − 31 % mehr als im Vorjahresmonat, so der Check-24-Strompreisindex. Für August bis Oktober gibt es nur 187 Verteuerungen für die Privatkundschaft oder deren Ankündigung, und zwar durchschnittlich um 47 %. Betroffen sind 3,6 Mio. der 40 Mio. stromversorgten Haushalte. Seit März waren es kumuliert 1.115 Erhöhungen, so Check ​24. Es gibt etwa 1.100 Strom-Grundversorger.

In der Grundversorgung werden laut jüngstem Monitoringbericht von Netzagentur und Kartellamt im Schnitt nur 2.100 kWh Strom im Jahr verbraucht.
 

Georg Eble
Redakteur
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Montag, 22.08.2022, 15:24 Uhr

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