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Enerige & Management > Bilanz - Q1-Q3: Uniper profitiert vom Erdgasgeschäft
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
BILANZ:
Q1-Q3: Uniper profitiert vom Erdgasgeschäft
Die deutlich gestiegen Gaspreise wirken sich positiv auf die Geschäfte von Uniper aus. Der Energiekonzern hob seine Prognose an.
 
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 405 Mio. Euro auf 614 Mio. Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg ebenfalls um mehr als die Hälfte auf 487 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am 5. November mit. Erste Ergebnisse hatte Uniper Ende Oktober veröffentlicht und in diesem Zuge seine Prognose bereits angehoben.

Der Ergebnisanstieg spiegelt nach Auskunft des Konzerns vor allem einen höheren Beitrag aus dem Gasgeschäft wider. „Wir erleben derzeit einen globalen Wettbewerb bei der Nachfrage nach Gas“, teilte Finanzchefin Tiina Tuomela mit. Entsprechend gab es einen deutlichen Ergebnisanstieg im Segment globaler Handel, zu dem Versorgung, Transport und Speicherung von Erdgas gehören. Einen ergebnisdämpfenden Effekt hatten hingegen preis- und mengenbedingt höhere Rückstellungen für CO2-Zertifikate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Den Rückstellungen stehen nach Auskunft von Uniper Absicherungsgeschäfte gegenüber, die erst im vierten Quartal 2021 realisiert werden. Auf Ganzjahresbasis geht Uniper davon aus, dass dieser Effekt das bereinigte Ebit nicht belastet.

Das Ergebnis im Segment europäische Erzeugung liegt über dem des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Das Segment profitierte vor allem von der Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4 Ende Mai 2020 sowie der kommerziellen Wiederinbetriebnahme der Gaskraftwerksblöcke Irsching 4 und 5 im vierten Quartal 2020. Ebenfalls positiv wirkten höhere Erlöse aus dem britischen Kapazitätsmarkt. Einen deutlichen Ergebnisanstieg im Vergleich zum Vorjahr gab es auch beim globalen Handel.

Das Ergebnis im Segment russische Stromerzeugung pendelte sich auf Vorjahresniveau ein. Positiv auf das Uniper-Geschäft wirkten die Inbetriebnahme des Kraftwerksblocks Berjosowskaja 3 im Mai 2021 und die damit einhergehenden Erträge aus dem Kapazitätsmechanismus sowie insgesamt höhere Einnahmen auf dem Day-Ahead-Strommarkt. Zugleich liefen bei vier weiteren Blöcken die Kapazitätszahlungen aus, was das Ergebnis dämpfte.

Die Nettoverschuldung sank seit Jahresende von rund 3 Mrd. Euro auf 1,4 Mrd. Euro. Wesentlicher Grund dafür sei der Anstieg des operativen Cashflows aufgrund der Veränderung des Nettoumlaufvermögens aus dem Gasgeschäft sowie durch eine höhere Zuführung zu den CO2- und Drohverlustrückstellungen, die nicht zahlungswirksam seien. Des Weiteren führte die Verringerung von Rückstellungen für Pensionen und ähnlicher Verpflichtungen, bedingt durch den Anstieg der Pensions-Rechnungszinsen verglichen zum Jahr 2020, zu einem weiteren Rückgang.

Verkauf von Anteilen und Kraftwerken im konventionellen Segment

Zwei Entscheidungen dürften sich ebenso positiv auf das Ergebnis auswirken: Bereits Anfang Oktober hatte Uniper angekündigt, sich vom konventionellen Dienstleistungsgeschäft zu trennen und entsprechend das Engineering-Geschäft zusammenzustreichen. Es ist in der „derzeitigen Aufstellung nicht in der Lage, die strategischen und kommerziellen Erwartungen von Uniper zu erfüllen“, so die Begründung in einer Mitteilung. Dies werde auch einen erheblichen Personalabbau mit sich bringen.

Die Pläne sehen vor, dass sich die Engineering-Kompetenzen künftig auf den Betrieb der eigenen Anlagen und die Wachstumsschwerpunkte Dekarbonisierung und grüne Kundenlösungen konzentrieren. Das Dienstleistungsgeschäft für Dritte im konventionellen Sektor wird laut Uniper eingestellt und auf Engineering-Dienstleistungen für Betreiber kerntechnischer Anlagen als weiteres neues strategisches Geschäftsfeld beschränkt.

Außerdem hat Uniper ebenfalls im dritten Quartal den Verkauf der Anteile am Braunkohle-Kraftwerk Schkopau bei Halle/Saale vollzogen und beendete damit die letzte verbliebene Beteiligung an einem Braunkohlekraftwerk im europäischen Portfolio.

Dass sich Uniper vom konventionellen Geschäft trennt, hat damit zu tun, dass die frühere Eon-Tochtergesellschaft vor rund drei Jahren einen Strategiewechsel vollzogen hat: vom reinen Kraftwerksbetreiber zum Anbieter erzeugungsnaher Dienstleistungen. Uniper verfolgt eine Dekarbonisierungsstrategie. Das Ziel, das europäische Erzeugungsportfolio bis 2035 CO2-neutral zu stellen, spielt für den Konzern dabei eine Schlüsselrolle.

Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung hebt Uniper seine Prognose an und erwartet in diesem Geschäftsjahr, dass das bereinigte Ebit zwischen 1 Mrd. und 1,3 Mrd. Euro liegen wird. Die Prognose zuvor lag zwischen 800 Mio. und 1 Mrd. Euro. Auch beim bereinigten Konzernüberschuss rechnet Uniper mit bis zu 1,5 Mrd. Euro statt bislang 850 Mio. Euro.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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