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Enerige & Management > Politik - PV in Österreich vor allem auf Dachflächen
Bild: Fotolia.com, YuI
POLITIK:
PV in Österreich vor allem auf Dachflächen
Die Bundesländer sind skeptisch hinsichtlich der Nutzung von Freiflächen für die Solarstromerzeugung. Beim PV-Kongress formulierten sie ihre Kritik teils mit harten Worten.
 
Die Regierungen der neun österreichischen Bundesländer sind sich einig: Für die Errichtung neuer Photovoltaikanlagen sind in erster Linie Dachflächen zu nutzen. In zweiter Linie kommen bereits anderweitig genutzte Areale in Frage, etwa versiegelte Erdböden sowie Abraum- und Mülldeponien. Erst, wenn es nicht mehr anders möglich ist, sollen Grünflächen herangezogen werden. Das betonten die für Energie zuständigen Landesräte beziehunsgweise deren Vertreter am 24. März beim PV-Kongress 2021 des Verbandes Photovoltaic Austria, der wegen der COVID-19-Pandemie online abgehalten wird.

Bekanntlich plant Österreich, seinen Strombedarf ab 2030 bilanziell vollständig mit erneuerbaren Energien zu decken. Zu diesem Zweck soll die Ökostromerzeugung um rund 50 % beziehungsweise 27 Mrd. kWh pro Jahr gesteigert werden, von denen 11 Mrd. kWh auf die Photovoltaik entfallen. Verglichen mit der derzeitigen Elektrizitätserzeugung solcher Anlagen ist dies in etwa eine Versechsfachung. Laut einer Studie im Auftrag des Elektrizitätswirtschaftsverbandes Oesterreichs Energie lassen sich auf Dachflächen jedoch nur rund 5,4 Mrd. kWh erzeugen. Für die übrigen 5,6 Mrd. kWh müssen somit Freiflächen herangezogen werden.

„Spiel mit falschen Karten“

Die Kärntner Landesrätin Sara Schaar betonte am 24. März, wenn auf sämtlichen geeigneten Dächern und Fassaden PV-Paneele installiert würden, ließen sich österreichweit rund 13 Mrd. kWh pro Jahr erzeugen. Allein auf Kärnten kämen davon etwa 3,3 Mrd. kWh. Freiflächen würden somit nicht benötigt. Die Diskussion über die Nutzung solcher Flächen werde von „Lobbies“ vorangetrieben, die den Eignern der Flächen „das Blaue vom Himmel herunter versprechen. Da wird mit falschen Karten gespielt“, wetterte Schaar.

Problematisch gesehen wird die Verwendung von Freiflächen auch in Niederösterreich, berichtete Herbert Greisberger, der Leiter der landeseigenen Energieagentur, in Vertretung Energielandesrat Stephan Pernkopfs. PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen zu errichten, hält Greisberger nicht für erforderlich. Auch mache sich diesbezüglich bereits Widerstand aus der Bevölkerung bemerkbar. Die Motive dafür sieht Greisberger differenziert. Es seien Investoren „durchs Land gezogen“, die manchen Bauern hohe Beträge für die Überlassung von Flächen geboten hätten: „Das könnte auch Neid geweckt haben.“

Auch im Land Salzburg sollen PV-Anlagen bevorzugt auf Dachflächen installiert werden, insbesondere solchen von Industrie- und Gewerbebetrieben sowie auf Gebäuden der öffentlichen Hand, erläuterte Gerhard Löffler vom Kabinett Energielandesrat Heinrich Schellhorns. Soweit Freiflächen genutzt würden, seien versiegelte und andere „vorbelastete“ Areale zu bevorzugen. Das Flächenpotenzial ist laut Löffler indessen keine Herausforderung: „Die Probleme sind der Mangel an Fachkräften und die knappe Zeit.“ Ob es gelinge, die bundesweit geplanten 11 Mrd. kWh bis 2030 zu errichten, bleibe daher abzuwarten.

Kaum Äcker verfügbar

Ähnlich beurteilt die Angelegenheit der Vorarlberger Energielandesrat Johannes Rauch. Ihm zufolge wurden in seinem Bundesland bislang PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 120 MW installiert. Bis 2030 sei eine Verdreifachung geplant, „und das schaffen wir auch“. Vorarlberg wolle dafür vor allem Dachflächen heranziehen. Diese gelte es, bevorzugt zu nutzen: „Dann kommen Sonderflächen wie Lärmschutzwände an die Reihe.“ Kein Thema seien dagegen Äcker als Standorte: „Davon haben wir ohnehin kaum welche.“

In Wien sollen ab 2030 PV-Anlagen mit insgesamt 800 MW Leistung Ökostrom erzeugen, berichtete der Leiter der Abteilung Energieplanung im Magistrat, Bernd Vogl: „Das ist wirklich ambitioniert. Zurzeit sind wir bei etwa 50 MW.“

Hinsichtlich der Nutzung von Dächern wiederum gelte es, die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. Was Neubauten betrifft, besteht laut Vogl bereits die Pflicht, PV-Anlagen zu installieren. Im wesentlich sensibleren Altbau – Stichwort Denkmalschutz – „werden wir Technologien brauchen, die weniger sichtbar und daher vielleicht teurer sind. Also müssen wir uns bei den Förderungen etwas überlegen“. In den anderen Bundesländern, dem Burgenland, Oberösterreich, der Steiermark und Tirol, werden zurzeit Pläne für den Ausbau der Photovoltaik und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen erarbeitet.

Zu zügigem Vorgehen mahnte der Präsident des Bundesverbands Photovoltaic Austria, Herbert Paierl. Ihm zufolge wurden im vergangenen Jahr österreichweit PV-Anlagen mit etwa 250 MW installiert. Um auf eine ausreichende Leistung zur Erzeugung der angestrebten 11 Mrd. kWh zu kommen, „bräuchten wir bei diesem Tempo 44 Jahre. Wir haben aber nur bis 2030 Zeit“.
 

Klaus Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 24.03.2021, 16:06 Uhr

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