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Enerige & Management > Photovoltaik - PV-Hersteller Meyer Burger warnt vor China-Kooperation
Quelle: Fotolia/@nt
PHOTOVOLTAIK:
PV-Hersteller Meyer Burger warnt vor China-Kooperation
Meyer Burger arbeitet nicht mehr mit dem Technologieriesen Heraeus zusammen, der in China forscht und entwickelt. In Europa will die Solarbranche eine komplette Wertschöpfungskette.
 
Der Chef des schweizerischen Solarmodul- und Solarzellenherstellers Meyer Burger Technology, Gunter Erfurt, fordert die Abgrenzung Europas in der Photovoltaik(PV)-Forschungsförderung, um seinen Technologievorsprung zu erhalten. Es gehe nicht an, dass "wir Steuergelder Europas ausgeben und dann an alle austeilen", sagte Erfurt in einer Onlinediskussion am 23. Juli auf den "The Smarter E Industry Days".

Meyer Burger etwa arbeite nicht mehr mit dem Technologiekonzern Heraeus zusammen, seit jener seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung (R&D) nach China verlagert habe. Gemeinsame Entwicklungen seien nach den Projekten anderweitig in Asien aufgetaucht. Heraeus liefert an die PV-Industrie laut Internetseite beispielsweise Leitungsdrähte und Silikat-Komponenten und bearbeitet für sie Quartzoberflächen. "Unsere europäische Industrie hat China groß gemacht", kritisierte Erfurt. Es sei auch ein Fehler gewesen, jedes Unternehmen weltweit zu beliefern, das beliefert werden wollte. Erfurt erwähnt in diesem Kontext den Solarzellenfabrikbauer Centrotherm.
 
Gunter Erfurt, der Chef des Zellen- und Modulherstellers Meyer Burger, kritisierte auf einem digitalen Podium zwei konkrete Zulieferer der PV-Branche
Quelle: Solar Promotion

Prof. Andreas Bett, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme Ise, brachte die Forderung nach dem Wiederaufbau einer durchgängigen nachhaltigen Wertschöpfungskette der PV in Europa mit einer Kapazität von 10.000 MW noch mal vor, die er im April 2020 mit dem "Greenfab"-Whitepaper   aufgestellt hatte. Die Forderung betreffe also nicht nur die Modulproduktion, sondern auch jene der Wafer, der Rohmaterialien oder des Solarglases sowie die Kristallisierung. "Wir müssen sie zurückbringen", fasste Bett zusammen. "Wir brauchen die Hilfe jetzt!"

Derzeit liegt die Modulfertigungskapazität in Europa bei 6.000 MW, sagte Peter Fath, der der Fachabteilung PV-Produktionsmittel des VDMA vorsteht. Die PV-Fertigung kehrt jetzt schon in Teilen von Asien nach Europa zurück, an das es laut Fath in der vergangenen Dekade allein 40.000 bis 50.000 MW Kapazität bei monokristallinen Zellen (Mono-PERC) verloren hatte: Meyer Burger etwa eröffnete im Mai "im ehemaligen Silicon Valley" Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) eine Solarzellenfabrik und in Freiberg (Sachsen) eine Solarmodulfabrik.
 
Auf einem digitalen Podium zum Wiederaufbau der PV-Produktion am 23. Juli 2021 (v.l.o.): Aurelie Beauvais (Solarpower Europe), Andreas Bett (Fraunhofer Ise), Peter Fath (VDMA) und Gunter Erfurt (Meyer Burger)
Quelle: Solar Promotion

Als "regelrechten Durchbruch" für einen vollständigen Lückenschluss in der Wertschöpfungskette bezeichnete Aurelie Beauvais, stellvertretende Geschäftsführerin des Dachverbands Solarpower Europe, die Aufnahme der Erneuerbaren in die Liste der strategisch bedeutsamen Branchen in der industriepolitischen Strategie der EU. Stranggepresstes Alu als Zulieferkomponente ist Beauvais zufolge bereits in die EU-Liste der CO2-Zölle (CBAM) aufgenommen, Solarglas aber nicht. Bereits im Februar hatte Brüssel die "Europäische Solarinitiative" mit dem Ziel ins Leben gerufen, bis 2025 eine Fertigungskapazität von 25.000 MW zu erreichen.

VDMA: Importeure müssen EU-Arbeitsrecht einhalten

Fath führt auch die Geschäfte von RCT Solutions, einem Maschinenbauer für die Solarindustrie. Er forderte eine verpflichtende Wertschöpfungsquote von 50 % in Europa im Sinne eines "globalen Trends" und Importstrafen für Technologieklau und Nichteinhaltung des EU-Arbeitsrechts.

Importschranken sind in der heimischen PV-Branche indes durchaus umstritten, offenbarte das Podium. 84 % von 200 vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) befragten Mitgliedsunternehmen unterstützen "gezielte Maßnahmen" Deutschlands, um Lücken in der Solarwertschöpfungskette "ohne Einschränkung des fairen Welthandels" zu schließen. Dieses Ergebnis gab BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig am 23. Juli in einer Pressekonferenz auf den "The Smarter E Industry Days" bekannt.
 

Georg Eble
Redakteur
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Freitag, 23.07.2021, 16:23 Uhr

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