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Enerige & Management > Unternehmen - Prokon: Überraschungen auf der Schlussgeraden
Bild: Prokon
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Prokon: Überraschungen auf der Schlussgeraden
Kurz vor der entscheidenden Gläubigerversammlung spitzt sich die Auseinandersetzung um die Zukunft des insolventen Windenergieunternehmens Prokon zu.
 
Ungewöhnliche Folge des Poststreiks: Bis zum 26. Juni lief die Frist, in der die bisherigen Genussrechte-Inhaber erklären sollten, ob sie ihre Ansprüche in eine neue Genossenschaft einbringen oder lieber das Übernahmeangebot der Karlsruher EnBW akzeptieren. Jetzt hat Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin nach Informationen von E & M Powernews beschlossen, auch leicht verspätet eingehende Erklärungen zu berücksichtigen. Das Insolvenzgericht Itzehoe lässt ihm dazu die Möglichkeit, denn per Beschluss vom 15. Mai ist Penzlin lediglich aufgegeben, die Zustimmungserklärungen für den Genossenschafts-Plan „bis zum Beginn des Erörterungs- und Abstimmungstermines“ vorzulegen. Also: bis zum 2. Juli um 11 Uhr in der Messe Hamburg. Auf dem Postweg müssen die Erklärungen nun bis zum 1. Juli bei Penzlin oder Prokon eingegangen sein.
 
Zum Stand der Eingänge macht Penzlins Sprecherin Tina Mentner derzeit keine Angaben. Auch die Unterstützer „Freunde von Prokon“ verfügen über keine gesicherten Erkenntnisse, weil eine nachrichtliche Koppelung von Votum und Zweitmeldung an den Verein nicht organisiert wurde. Rückschlüsse erlaubten allerdings die ausgestellten Vertretungsvollmachten, sagt der Vorsitzende Wolfgang Siegel: „Und da sind wir im Plan. Auch das rechtfertigt unsere Zuversicht.“ Bisher sind nach Angaben des Insolvenzverwalters rund 36 000 Anlegervoten eingegangen.
 
Um die Genossenschaft auf den Weg zu bringen, müssen Zustimmungserklärungen über nominal 660 Mio. Euro an Genussrechtsforderungen zusammenkommen. Nur dann kann über die Umwandlung in Genossenschaftsanteile und eine Anleihe abgestimmt werden. Findet sich hier keine Mehrheit oder wird das 660-Mio.-Euro-Quorum nicht erreicht, folgt der Entscheid über den Investoren-Plan der EnBW, die Prokon für 550 Mio. Euro übernehmen will. Bei Ablehnung würde das Unternehmen anschließend zerschlagen - allerdings mit der voraussichtlich geringsten Insolvenzquote von 48,5 %, während EnBW mit 52,2 % und die Genossenschafts-Initiative mit 58,9 % werben. Noch nicht berücksichtigt ist hier eine absehbare Verschlechterung wegen veränderter Windkraftförderung in Finnland. Den Ausgang des Bieterwettkampfes will Penzlin im Anschluss an die geschlossene Gläubigerversammlung bekannt geben.
 
Unterdessen haben sich auf der Schlussgeraden weitere Unterstützer beider Bieter gemeldet. So rät Marc Tüngler als Hauptgeschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sich im Zweifel gegen das Genossenschaftsmodell zu entscheiden. Derzeit sei nicht geklärt, ob es später Ausschüttungen geben werde oder die Anteile veräußerbar wären - und wenn, dann zu welchem Wert. Auch liege nicht einmal ein Wertpapier-Prospekt vor. Dem halten die Prokon-Freunde entgegen, dass das Übertragungsrecht von Anteilen in der Gründungssatzung verankert sei und Genossenschaften von der Prospektpflicht ausgenommen sind.
 
Am 24. Juni bot zudem die Düsseldorfer Naturstrom AG den Gläubigern an, im Falle von späteren Zweifeln oder Liquiditätsbedarf auch nach der Gründung Genossenschaftsanteile von Mitgliedern übernehmen zu wollen. Allerdings ist hier noch nicht geklärt, bis zu welcher Höhe ein solcher Stützkauf erfolgen kann. Üblicherweise sichern sich Genossenschaften per Maximalbeteiligungs-Beschluss dagegen ab, irgendwann von einzelnen potenten Anteilszeichnern abhängig zu werden. Naturstrom-Chef Dr. Thomas Banning meldet sich übrigens auch für das „Bündnis Bürgerenergie“ zu Wort: Der bundesweit agierende Verein, unter dessen Dach sich mehr als 100 Einzelmitglieder und Genossenschaften vernetzen, wünscht sich einen Erfolg der Initiative als „wichtiges Signal für die Stärkung der Energiewende in Bürgerhand“. Bisher hätten die Anleger nur das Risiko und den Kapitalverlust getragen, als Genossen könnten sie die weitere Entwicklung aktiv mitgestalten.
 
Ein kaum vermutetes, dafür umso stärkeres Signal der Unterstützung kommt dagegen aus Bochum. Bei der sozialökologischen GLS-Bank existiert seit kurzem ein Treuhandkonto für Geld von potenziellen Neu-Genossenschaftern, die nicht zum Kreis der alten Prokon-Gläubiger gehören. In ihrem Haus-Blog verkündete die GLS am 24. Juni, dass sich bisher 1 500 Menschen entschieden hätten, für den Neuanfang einer Prokon eG frisches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Nach Angaben der Bank seien innerhalb von zehn Tagen 15 Mio. Euro eingesammelt worden.
 

Tom Jost
© 2020 Energie & Management GmbH
Freitag, 26.06.2015, 09:30 Uhr

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