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Bild: Prokon
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Prokon macht als Genossenschaft weiter
Der Bieterkampf ist entschieden: Die Prokon-Gläubiger stimmen mit Mehrheit für eine Zukunft als Bürger-Energiegenossenschaft, der EnBW-Konzern geht leer aus.
 
Jubel bei den „Freunden von Prokon“, Belegschaft und Unterstützern: Die Gläubiger des insolventen Windpark-Betreibers Prokon haben sich am 2. Juli mit großer Mehrheit für die Fortführung des Unternehmens als Genossenschaft entschieden. Nach Angaben von Teilnehmern der Versammlung in der Messe Hamburg sprachen sich am Nachmittag alle acht Gläubigergruppen für den entsprechenden Investitionsplan aus. Damit entfällt eine weitere Abstimmung über das Angebot der EnBW, Prokon für 550 Mio. Euro zu übernehmen. Das Ergebnis soll am 3. Juli um 14 Uhr vom Insolvenzgericht offiziell bestätigt werden.
 
Zu der seit 11 Uhr andauernden Gläubigerversammlung in der Messe Hamburg hatten nach Feststellung des Insolvenzgerichts Itzehoe rechtzeitige Zustimmungen von mehr als 37 000 Gläubigern und Genussrechte-Investoren vorgelegen. Sie versammelten ein Nominalkapital von 886 Mio. Euro. Das Gericht hatte im Mai die Zustimmung von mindestens 660 Mio. Euro Forderungsaufkommen zur Bedingung gemacht, dass überhaupt über einen Genossenschafts-Investorenplan abgestimmt werden konnte. Dieses Quorum wurde weit übertroffen. Womöglich war dazu eine Fristverlängerung, die Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Penzlin wegen des Postler-Streiks eingeräumt hatte, gar nicht notwendig. Insgesamt waren nach Mitteilung des Insolvenzvertreters Gläubiger mit Forderungen von 1,056 Mrd. Euro vertreten - Hiervon sprachen sich 843 Mio. Euro für den Genossenschaftsplan aus.
 
Der nun beschlossene Insolvenzplan sieht vor, die noch zu gründende Prokon-Genossenschaft mit Gesellschafter-Eigenkapital von mindestens 160 Mio. Euro auszurüsten. Das entspräche etwa 24 % aus der voraussichtlichen Insolvenzquote von 58 %. Etwa 220 Mio. Euro (also weitere 34 %) sollen in eine Anleihe umgewandelt werden, die über 15 Jahre läuft und mit 3,5 % verzinst wird. Daneben stehen aber auch weitere Geldgeber bereit: Die beratende sozial-ökologische GLS-Bank hatte dazu ein Treuhandkonto für willige Unterstützer eingerichtet, die bisher nicht zu den Prokon-Anlegern gehörten. Nach Angaben der Bochumer Bank sind darauf bis zum 1. Juli rund 25 Mio. Euro an zusätzlichem Kapital von etwa 2 000 potenziellen neuen Genossenschaftsmitgliedern eingegangen.
 
Durch die Entscheidung im ersten Abstimmungsverfahren kam es zu keinem weiteren Votum über den Bieterplan der EnBW, die ein 550 Mio. Euro schweres Übernahmeangebot vorgelegt hatte. Mit den 54 Prokon-Windparks hätte der Energiekonzern aus Karlsruhe seinen Bestand an ökologischen Energie-Anlagen auf einen Streich mehr als verdoppelt. Die nun erfolgte Abstimmung zeigt aber, dass die bisherigen Prokon-Investoren ihre Zukunft mehrheitlich nicht in den Händen eines der vier großen Energiekonzerne wissen wollten. Sie war insofern auch ein Votum über die Energiewende in bürgerlicher Handlungshoheit - die in den letzten Jahren durch die Berliner Energiepolitik oft genug beschnitten und behindert worden ist. Die aktuellen Koalitionsbeschlüsse zum Kohlestrom mögen da vielleicht den „letzten Tropfen“ beigesteuert haben. Auch die Prokon-Angestellten hatten sich zuletzt mit großer Mehrheit für eine Zukunft als Genossenschaft ausgesprochen.
 

Tom Jost
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 02.07.2015, 17:45 Uhr

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