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Enerige & Management > Unternehmen - Prokon-Gläubiger bevorzugen EnBW-Offerte
Bild: Fotolia.com, DeVIce
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Prokon-Gläubiger bevorzugen EnBW-Offerte
Die Chancen für die Energie Baden-Württemberg (EnBW), das insolvente Windenergie- und Stromversorgungsunternehmen Prokon zu übernehmen, steigen.
 
Im Bieterwettstreit mit der Hamburger Capital Stage AG haben sich die wichtigsten Gläubiger von Prokon für die anscheinend höhere Offerte des Südwest-Energiekonzerns entschieden, Das haben EnBW und der Prokon-Insolvenzverwalter am 12. Mai mit einer Ad-hoc-Meldung verkündet. Nach einem Bericht des Handelsblatts soll das Gebot bei rund 550 Mio. Euro liegen. Ob EnBW sich damit durchsetzt, entscheiden die rund 100 000 Gläubiger von Prokon, die sich Anfang Juli in Hamburg treffen. Als Alternative liegt aus dem Kreis zahlreicher Genussrechts-Inhaber der Vorschlag auf dem Tisch, das Unternehmen als Genossenschaft mit vielen Anteilseigner in Eigenregie weiterzuführen.

Für die Gläubiger sei dieser Weg "der risikoreichere, weil sie mit ins unternehmerische Risikio gehen müssten", warb EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux am 13. Mai im Rahmen einer Telefonkonferenz für das eigene Angebot, "damit könnten die Gläubiger nach einer gewissen Zeit mit einer Barauszahlung rechnen". Insgesamt 1,4 Mrd. Euro hatte das frühere Prokon-Management bei Bundesbürgern eingesammelt. Sprich, trotz eines möglichen EnBW-Erwerbs von Prokon verlieren die Anleger jede Menge Geld.

Die kommenden Wochen werde EnBW "intensiv nutzen", so Mastiaux, "um die Genussrechtsinhaber und auch die Prokon-Belegschaft von uns zu überzeugen." Konkret will EnBW das Prokon-Geschäft rund um alle Windenergie-Aktivitäten kaufen, womit auch die Übernahme von rund 300 Mitarbeitern verbunden wäre. Im möglichen Kauf von Prokon sieht der EnBW-Chef eine gute Kombination aus "industriellen und energiewirtschaftlichen Know-how." Mit einer guten Kapitalbasis solle das Kerngeschäft von Prokon gestärkt werden: "Dank der Prüfung der Prokon-Bücher wissen wir, dass das Windgeschäft von Prokon gesund gewesen ist und Gewinne abgeworfen hat." Mastiaux ließ keinen Zweifel daran, dass die Rendite der bisherigen Pronkon-Windparks "im Rahmen unserer Erwartungen liegt."

Dass EnBW Prokon erwerben will, kommt nicht von ungefähr. Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr hatte Vorstandschef Mastiaux Mitte März erneuert angekündigt, dass EnBW den Anteil der erneuerbaren Energien an der eigenen Erzeugung von 19 % im Jahr 2012 auf über 40 % im Jahr 2020 mehr als verdoppeln will. Zu diesem Wachstum sollen unter anderem neue Onshore-Windparks in Deutschland und der Türkei beitragen. Allein in Deutschland will EnBW bis Ende Dekade seinen Onshore-Bestand auf rund 1 000 MW ausgebaut haben. Hierzulande verfügt EnBW bislang über eine bescheidene Windkraft-Kapazität von etwas mehr als 200 MW, die der Energiekonzern überwiegend von Projektentwicklern erworben hat. Gelänge die Übernahme von Prokon, würde sich das Onshorewind-Portfolio gleich um rund 540 MW erhöhen. Zudem entwickelt Prokon neben Deutschland derzeit Windparks in Polen und Finnland, beide EU-Staaten gelten als ausgemachte Wachstumsländer in der Windbranche.

Nach Angaben von Dirk Güsewell, Leiter der EnBW-Geschäftseinheit Erzeugung, umfasst Prokons Projektpipeline derzeit rund 4 200 MW: "Sicherlich wird davon nicht alles realisiert werden, wir gehen aber davon, dass wir davon einen großen Teil der geplanten Windparks bauen können." Sollte EnBW Prokon erwerben können, sei absehbar, dass der Stromkonzern seine regenerativen Auszahlziele früher erreichen wird als geplant, wenn nicht sogar übertreffen werde.

Erst nach einem Zuschlag der Gläubigerversammlung Anfang Juli will der EnBW-Vorstand die Frage entscheiden, ob der Markenname Prokon für das eigene Windenergiegeschäft weiter bestehen bleibt.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 13.05.2015, 13:10 Uhr

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