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Enerige & Management > F&E - Projekt für Tiefengeothermie im Vogtland
Quelle: Fotolia / alphaspirit
F&E:
Projekt für Tiefengeothermie im Vogtland
Geoforscher vermuten im sächsischen Vogtland Potenzial zur Nutzung von Erdwärme aus bis zu 5.000 Metern Tiefe. Der Freistaat fördert jetzt die Erkundung.
 
Dass Energie aus der Erde im Vogtland von Zeit zu Zeit Geschirr klappern lässt, ist nichts Neues. Seit Jahrhunderten werden in der Region immer wieder sogenannte Schwarmerdbeben beobachtet, die Magnituden einzelner Ereignisse erreichen auf der Richterskala Werte über 4. Und gut 60 Jahre ist es her, dass man bei Bohrungen im Ortsteils Geilsdorf in Weischlitz eher zufällig auf Thermalwasser stieß. Geologische Untersuchungen zeigen, dass im Untergrund Südwest-Sachsens ein großer Granitstock (Pluton) steckt. An tektonischen Störungen, die darüberliegende Schichten durchziehen, gelangt Erdwärme nach oben. Jetzt wollen Wissenschaftler das Potenzial für Tiefengeothermie zum Heizen erschließen.

Aus der Thermalquelle Neumühle bei Weischlitz sprudelt 25 Grad warmes Wasser. In fünf Kilometern Tiefe könnte nach Modellierungen der Geoforscher die Temperatur der Erdkruste bei 200 Grad liegen. Zum Vergleich: Der mittlere geothermische Gradient liegt in Deutschland bei drei Grad pro hundert Metern. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die hydrothermalen Reservoire im Umfeld der geothermischen Anomalie im Vogtland zu prospektieren. Daran beteiligt sind das Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ), die Bergakademie in Freiberg und die Universität Jena. Das sächsische Landesamt Umwelt fördert das Vorhaben. Die Laufzeit beträgt nach Angaben der Potsdamer Forscher zunächst ein Jahr, für 2023 ist ein Anschlussprojekt vorgesehen.

Forschende entwickeln ein "Wärme-Rersvoir-Modell"

In der ersten Phase sollen Geologie, Hydrochemie und Gasgeochemie der Thermalwasservorkommen in der ehemaligen Flußspatgrube bei Schönbrunn und der Quelle Neumühle näher untersucht werden. Geochemische und isotopengeochemische Messungen sollen Rückschlüsse auf Alter und Herkunft heißer Fluide erlauben. Erkenntnisse über geodynamische Einflüsse wie etwa Magmenaufstiege in der Erdkruste versprechen sich die Forscherinnen und Forscher von seismischen Untersuchungen.

"Wir erstellen ein Wärme-Reservoir-Modell, eventuell auch Vorschläge für erste Bohrungen und welche genauen Standorte sich für die Wärmegewinnung am besten eignen würden", erklärte der GFZ-Geologe Horst Kämpf gegenüber der Deutschen Presseagentur. Er und seine Kollegen können sich vorstellen, dass das Reservoir im Untergrund für den Betrieb eines kleinen Kraftwerks reicht. Kämpf verweist etwa auf die Wärmegewinnung im süddeutschen Molassebecken.

Dort hat man Thermalwasservorkommen mit Temperaturen von 35 bis 165 Grad angebohrt. Die Ergiebigkeiten liegen zwischen 40 und 200 Litern pro Sekunde. Die Tiefenwässer werden aus Kalksteinformationen des Oberjura gefördert – auch als Weißer Jura oder Malm bezeichnet. Diese Formationen treten in der Fränkischen und Schwäbischen Alb zutage und tauchen dann nach Süden ab. Die bisher tiefste Geothermiebohrung bei Holzkirchen südlich von München reicht bis in fünf Kilometer Tiefe. In Bayern existieren nach Angaben die Wirtschaftsministeriums 23 Geothermienanlagen. Das hydrothermale Potenzial liegt nach Angaben des Hauses aktuell bei etwa 380 MW für die Wärmenutzung und rund 36 MW für die Stromerzeugung. Sechs der 23 Anlagen dienen der geothermischen Stromerzeugung.
 

Manfred Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Montag, 19.09.2022, 15:22 Uhr

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