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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Politische Ambitionen erschweren Ausbau
Quelle: Fotolia / ptoscano
WINDKRAFT OFFSHORE:
Politische Ambitionen erschweren Ausbau
Europa hat sich für Klimaschutz und Unabhängigkeit von Russland hohe Ziele bei Offshore-Wind gesetzt. Um sie zu erreichen, müssen viele Fesseln weg, hieß es beim BDEW-Kongress.
 
Innerhalb eines Jahres habe die EU ihre Ziele für den Offshore-Wind-Zubau verdoppelt, sagte Catrin Jung, Vice President Business Unit Offshore von Vattenfall. Das erfreue zwar die Branche, stelle sie aber zugleich vor praktisch nicht lösbare Herausforderungen. In der Diskussion auf dem Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin nannte sie fehlende Kapazitäten bei den Turbinen- und Ausrüstungsherstellern, Fachkräftemangel und Fehler im deutschen Wind-auf-See-Gesetz als Haupthindernisse für die Umsetzung.

Alle drei europäischen Turbinenhersteller hätten derzeit finanzielle Probleme, weshalb sie nicht ohne weiteres ihre Produktionskapazitäten hochschrauben könnten, erläuterte Jung. Hier versuchten die Auftraggeber zu helfen, aber auch die EU solle sie unterstützen.
 
Diskussion zum Thema Offshore auf dem BDEW-Kongress 2022:
von links Peter Barth (Geschäftsführer Amprion Offshore), Catrin Jung (Vice President Offshore Vattenfall), Viviane Raddatz (Klimaschutz und Energiepolitik WWF Deutschland), Moderator Michael Iovu (Fachgebietsleiter BDEW)
Quelle: E&M / Harmsen

Für die deutschen Ausschreibungen auf nicht voruntersuchten Flächen mit Differenzverträgen (CfD) müsse eine Deckelung der Gebotskomponente analog zur niederländischen Regelung kommen. Sonst würde "dummes Geld" für die Flächen bezahlt, das für den realen Ausbau fehle - eine Formulierung, die bereits Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverbandes Windparkbetreiber Offfshore (BWO), im Mai im Interview mit dieser Redaktion verwendet hatte. Zudem kämen möglicherweise Anbieter zum Zug, die dann nicht pünktlich liefern könnten, fürchtet Jung.

Infrastruktur für Windkraft fehlt

Auch Peter Barth, Geschäftsführer Amprion Offshore, zeigte sich nicht glücklich über die jähen politischen Wendungen. So habe man mühsam "mit dem Schuhanzieher" eine Stromleitung zwischen Naturschutzgebieten geplant, die jetzt plötzlich ein Drittel größer ausfallen müsse. Er plane dennoch, bis 2028 seinen Teil zum Projekt Windoffshore beizutragen. 

Allerdings mahnte er die EU und Deutschland, sich um den Erhalt von Werften zu kümmern. Ohne diese fehle die Infrastruktur, um im Meer zu bauen. Die Covid-Pandemie habe gezeigt, dass man sich nicht nur auf außereuropäische Kapazitäten verlassen könne. "Es gibt auch Länder, die unsere Aufträge annehmen würden, in die ich aber wegen der Menschenrechtslage ungern gehen würde", erinnerte Barth. Von Genehmigungsbehörden erwartet er "mehr Vertrauen", dass auch Netzbetreibern wie Amprion Naturschutz wichtig ist.

WWF: Nur noch Co-Nutzung möglich

Aus Sicht des Naturschutzes sagte Viviane Raddatz, Fachbereichsleiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF, wie sehr die Meere unter der Klimaerhitzung leiden, sei klar. Daher müssten alternative Energien für Klimaschutz augebaut werden, wobei aber die größtmögliche Vorsicht gelten solle. "Wir wissen noch wenig über die Auswirkungen von Baumaßnahmen und Windturbinen", so mahnte sie weitere Forschung an.

Inzwischen gebe es in Nord- und Ostsee keine Flächen mehr, die für den Naturschutz unwichtig und für Windkraft zusätzlich verfügbar seien. Darum müsse eine geteilte Flächennutzung - die sogenannte Co-Nutzung - mit Schifffahrt, Fischerei, Militär und anderen Interessenten gefunden werden. Dafür sei auch mehr internationale Kooperation hilfreich, was bei EU-Ländern möglich sein sollte, hoffte Raddatz.

Windparks beeinträchtigen sich gegenseitig

Internationale Zusammenarbeit sieht auch Catrin Jung von Vattenfall als eine Möglichkeit, die ehrgeizigen Pläne umzusetzen. So sollte es möglich sein, Windparks länderübergreifend zu planen. Es gebe in einem dänischen Park von Vattenfall teilweise Platz für mehr Turbinen, wegen der Ausschreibung müssten aber zu viele Turbinen in einem deutschen Park gebaut werden, wo sie sich gegenseitig Leistung abschneiden. Sie erhofft sich hier nach dem Windgipfel der EU-Länder vom Mai (wir berichteten) mehr Flexibilität. Auch für teure Naturschutzforschungen könnten Unternehmen und Staaten zusammenlegen, regte Jung an. "Die Meeresvögel sind ja die gleichen und richten sich nicht nach Grenzen", argumentierte sie.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 02.06.2022, 13:32 Uhr

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