• Strom: Day Ahead weiter hoch
  • Gas: Preisanstieg geht weiter
  • Braunschweig setzt Voicebots zur Zählererfassung ein
  • Kultur zum Stromvertrag
  • Generationswechsel in Norderstedt
  • Kaminabbruch als Signal für den Wandel
  • Kohleausstiegsgesetz tritt in Kraft
  • MVV Q1-Q3/2019-2020: Prognose bekräftigt
  • Rabeneck übernimmt bei den Stadtwerken Schaumburg-Lippe
  • E-Auto-Prämie: Ablehnung liegt nur bei 5 %
Enerige & Management > Windkraft Offshore - Pole Position: 14 Megawatt und mehr auf See
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Pole Position: 14 Megawatt und mehr auf See
Siemens Gamesa, weltweit größter Lieferant von Offshore-Windturbinen, hat ein neues Flaggschiff: die neue "SG14-222 DD", so das Typenkürzel, bringt es auf eine Leistung von 14 MW plus.
 
Siemens Gamesa hat angekündigt, eine Offshore-Windturbine mit mindestens 14 MW Generatorleistung und einem Rotordurchmesser von 222 Metern auf den Markt zu bringen. Mit etwas „Feintuning“ im Maschinenhaus (Fachleute sprechen von Power-Boost-Funktion) lässt sich der Leistungsoutput sogar auf 15 MW erhöhen.

Nach eigenen Angaben will das deutsch-spanische Gemeinschaftsunternehmen den Prototypen Ende 2021 auf dem Testfeld im nordjütländischen Österild errichten. Die Serienfertigung der neuen, wie gewohnt getriebelosen SG 14-222 DD ist für das Jahr 2024 vorgesehen.

Siemens Gamesa dürfte damit – Stand heute – die leistungsstärkste Hochsee-Windenergieanlage im Portfolio haben. Im Vergleich zum Vorgängermodell bringt es die neue Mega-Turbine nach Berechnungen des Herstellers auf eine rund 25 % höhere Stromproduktion.

Der kommerzielle Vertrieb für die neue 14 MW+-Anlage dürfte schon bald beginnen, da auf wichtigen Offshore-Windmärkten Großprojekte anstehen: In Deutschland beispielsweise das EnBW-Projekt He Dreiht mit 900 MW Leistung, das Mitte dieses Jahrzehnts in Betrieb gehen soll. Aus Kostengründen zählt bei solchen Megaprojekten jede Anlage, die auf See nicht gebaut werden muss. So lassen sich beispielsweise mehrstellige Millionenbeträge in Fundamente, Schiffslogistik oder auch in die spätere Wartung sparen.

Dass Siemens Gamesa eine größere Offshore-Windturbine entwickelt, hatte in Branchenkreis längst die Runde gemacht. Auf der Wind-Europe-Konferenz Ende November 2019 in Kopenhagen, auf der das Unternehmen sein (damals) neues Flaggschiff mit 11 MW Leistung und 193 Meter Rotordurchmesser vorgestellt hatte, drucksten die Verantwortlichen auf Fragen nach einer noch größeren Anlage noch herum.

Seit geraumer Zeit gibt es einen Wettlauf um die leistungsstärkste Windturbine auf See. Erstmals kündigte MHI Vestas im Herbst 2018 auf der Hamburger Windmesse den Sprung über die 10-MW-Marke an. Die damals präsentierte Anlage war eine Weiterentwicklung der 8-WM-Plattform.

Im vergangenen Jahr errichtete der GE-Konzern im Hafen von Rotterdam eine komplett neu entwickelte Mega-Turbine mit 12 MW Leistung und erstmals mit mehr als 200 Meter Rotordurchmesser, nämlich genau mit 220 Metern. Abgesehen von zwei Prototypen steht noch keine einzige Anlage im Wasser, GE verfügt dennoch über ein Auftragspolster von rund 5.000 MW.

Dass Siemens Gamesa diese Größenklasse nicht GE allein überlassen würde, war absehbar. „Größe allein ist aber nicht alles“, betont Martin Gerhardt, Leiter des Offshore-Produktmanagements, „was zählt, sind die Verfügbarkeit und die langfristigen Produktionskosten.“ Gerhardt ist deshalb froh, für die SG 14-222 DD auf die Produktionsdaten von mittlerweile mehr als 1.000 Offshore-Windturbinen zurückgreifen zu können, die das Unternehmen mittlerweile von der DD-Reihe verkauft hat.

Für die neue Mega-Windturbine haben die Entwicklungsingenieure „zahlreiche bewährte Komponenten im Maschinenhaus upgegradet und optimiert“, so Gerhardt gegenüber E&M. Auch das elektrische Equipment sei auf die neue Generatorleistung angepasst worden. Die Gondel der neuen Anlage macht auf jeden Fall einen kompakten Eindruck, was auch damit zusammenhängt, dass bei der Überarbeitung Material reduziert werden konnten. Das Gewicht der Gondel beträgt so „nur noch“ 500 Tonnen. Das wirkt sich positiv auf die Konstruktion der Turmsegmente und der Fundamente aus.

Mit der SG 14-222 DD ist bei Siemens Gamesa jedenfalls noch nicht das Ende der technologischen Fahnenstange erreicht. Auf die Frage nach der nächstgrößeren Anlage antwortet Produktmanagement-Leiter Gerhardt ausweichend: „Heute stellen wir die SG14-222 DD vor. Alles weitere zur gegebenen Zeit.“
 
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 19.05.2020, 15:19 Uhr

Mehr zum Thema