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Enerige & Management > Gas - Planbarkeit wird Schlüssel für die Gaswirtschaft
Quelle: Euroforum
GAS:
Planbarkeit wird Schlüssel für die Gaswirtschaft
Auf einer Gaskonferenz in Berlin standen die Rahmenbedingungen im Fokus. Sowohl für neue Kraftwerke, die Speicherbefüllung im nächsten Winter und für erneuerbare Gase fehle das Umfeld.
 
In Berlin findet am 27. und 28. September die Handelsblatt-Jahrestagung Gas statt. In diesem Jahr liegt der Fokus sowohl auf der sicheren Versorgung mit Erdgas für die nahe Zukunft wie auf dem Wechsel zu klimafreundlicheren Gasen in den nächsten Jahrzehnten. Übereinstimmend forderten Teilnehmer der Branche von der Politik Rahmenbedingungen, die die nötigen Investitionen absichern. In seinem Online-Statement sicherte Christian Maaß, Abteilungsleiter Energiepolitik – Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium (BMWK), neue Regelungen zu.

Maaß versprach eine neue Biomassestrategie, die helfen soll, heimische Energiequellen besser zu nutzen. Zudem werde das Marktdesign dahingehend geändert, dass Biogas nicht länger in der Grundlast zur Stromerzeugung genutzt wird. Stattdessen solle es flexibel eingesetzt werden, wenn nicht genug Strom aus Windkraft und Photovoltaik erzeugt wird, sagte der Abteilungsleiter. In Bezug auf langfristige Verträge für Flüssigerdgas (LNG) als Ersatz für russisches Pipelinegas sagte Maaß: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch mit mittelfristigen Verträgen zurechtkommen.“

LNG braucht Perspektive

Investoren scheuten aktuell die hohen Kosten für Gasverflüssigungsanlagen, wenn sie diese nicht mindestens 20 Jahre betreiben können. „Unserer LNG-Terminals sollen bis in die 2040er Jahre betrieben werden, damit gibt es für Exporteure eine gewisse Planungssicherheit“, erläuterte Maaß. Allerdings müssten die Gase zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammen. Da Klimaschutz aber weltweit gelte, sei es für die Lieferanten durchaus lohnend auf erneuerbare Gase umzurüsten, auch wenn es als Brücke vielleicht erst "blauer Wasserstoff" sei – also Wasserstoff aus Erdgas mit CO2-Abscheidung, glaubt der BMWK-Abteilungsleiter.

Außer dem „H2Global“-Programm Deutschlands werde sich auch die EU weitere Instrumente ausdenken, um klimaneutrale Gase oder Kraftstoffe zu befördern. Das sei mit den sogenannten „Aviation Fuels“, Kraftstoffen für die Luftfahrt, schon begonnen worden. Es solle nicht nur alles teurer werden als bisher, sondern durch steigende Nachfrage wegen regulatorischer Vorgaben auch trotz Klimaschutz weiter wirtschaftlich funktionieren, versprach Maaß. In der aktuellen Heizkrise müssten trotz Entlastungen von den hohen Preisen auf jeden Fall Sparanreize gesetzt werden, mahnte er abschließend.
 
Im Gespräch auf der Jahrestagung Gas 2022: v. li. Frank Doods (Staatssekretär im niedersächsischen Energieministerium) und Klaus Stratmann (Handelsblatt) Quelle: Handelsblatt/Euroforum


Frank Doods, Staatssekretär im niedersächsischen Energieministerium, musste zuerst eine Demonstration gegen die Erdgasförderung passieren, bevor er zum Konferenzort kam. Doods zeigte Verständnis für die Forderung der Demonstranten nach mehr Sicherheit bei der Förderung – auch vor Erdbeben, wie im niederländischen Groningen geschehen. Dennoch sagte er in Bezug auf die deutsche Eigenversorgung mit Erdgas: „Auch neue Explorationen sind nicht ausgeschlossen, aber Wasserschutzgebiete und Umweltverträglichkeit bleiben gesichert.“ Und es bleibe beim Frackingverbot, das sei auch mit der Förderindustrie abgesprochen.

Alte aufgelassen Gasförderbohrungen würden aktuell auch für geothermische Anwendungen untersucht. Das könne eine Zukunft für Wärmeenergie im Einklang mit den Klimaschutzzielen sein, sagte Doods. „Wir sollten die Chance der Krise ergreifen, jetzt noch schneller alternative Energien zu erschließen“, mahnte er. Der Umbau der Stahlindustrie in Niedersachsen habe schon 2015 begonnen, erinnerte er. „Der Weg in Richtung Klimaneutralität ist unumkehrbar, aber zunächst muss die aktuelle Krise gemeistert werden“, sagte Doods.

Speicherbetreiber wollen wieder mehr Markt

Catherine Gras, CEO des Erdgasspeicherbetreibers Storengy UK & Germany, resümierte, dass die Gasversorgung für diesen Winter dank der staatlichen Eingriffe weitgehend gelöst worden seien. „Für das nächste Jahr muss das Gasspeichergesetz dahingehend geändert werden, dass Kunden wieder Speicher buchen“, mahnte sie zugleich. Wegen der Unsicherheiten im Liefer- und Preisumfeld, warteten viele ab. „Im März 2023 ist es schon zu spät, um noch Speicherkapazitäten für den Winter 2023/24 zu verkaufen“, mahnte Gras. Es sei aber nicht nötig, alles zu überarbeiten, dafür sei es zu spät, schloss sie.

In der aktuellen Krise ist und war es sinnvoll, auch zu den hohen Preisen die Speicher zu füllen, lobte David Bothe, Director von Frontier Economics. Doch für die nächste Heizperiode sollte das Ziel der sicheren Gasversorgung effizienter erreicht werden. Eine Füllung der Speicher durch THE (Trading Hub Europe) war eine Notlösung.

Bothe sieht aber im aktuellen Regelwerk eine Entmutigung für private Investoren, trotz hoher Preise Erdgas zu kaufen, da ja im Zweifel der Staat über THE Gas kaufe und einspeichere. Das sollte wieder durch Marktanreize angeregt werden, die aktuell fehlen. Es müsse schnell Klarheit geschaffen werden, wie es im kommenden Jahr weitergeht, welcher Anteil staatlich gekauft und gefüllt wird und welcher dem Markt vorbehalten bleibt, forderte der Ökonom.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 27.09.2022, 11:56 Uhr

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