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Enerige & Management > Wasserstoff - Pilotanlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff geplant
Bild: Thyssenkrupp Steel Europe
WASSERSTOFF:
Pilotanlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff geplant
Im Industriemaßstab entsteht in Dormagen eine Anlage zur Speicherung grünen Wasserstoffs in flüssige organische Träger. Neun Millionen Euro steuert das Land Nordrhein-Westfalen bei.
 
 
1.800 Tonnen an grünem Wasserstoff sollen in Dormagen ab 2024 pro Jahr in flüssige, organische Träger − sogenannte "liquid organic hydrogen carriers" (LOHC) − chemisch gespeichert werden. Zum Einsatz kommen soll die LOHC-Technologie des in Erlangen ansässigen Unternehmens "Hydrogenious LOHC Technologies GmbH", die auf dem Trägermedium Benzyltoluol basiert. Benzyltoluole werden bislang zumeist als technische Flüssigkeit in Kondensatoren oder Wärmetransportflüssigkeit verwendet. 

Nun soll die patentierte LOHC-Technologie des Unternehmens auf industrielle Größenordnung in Nordrhein-Westfalen hochskaliert werden. Dies hat Hydrogenious am 3. März bekannt gegeben. "Im Rahmen unseres Vorhabens machen wir den Dormagener Chempark zur Heimat der weltweit größten Pilotanlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff in LOHC", erklärte Geschäftsführer Daniel Teichmann.

Die Projektleitung und den Anlagenbetrieb übernimmt die in der Nähe ansässige Tochter des Unternehmens, die "LOHC Industrial Solutions NRW GmbH". Diese sei ganz bewusst in Nordrhein-Westfalen gegründet worden, wie es aus Erlangen heißt. "Das Rheinische Revier ist in unseren Augen ein idealer Standort für die Erprobung und Etablierung innovativer Wasserstoff-Wertschöpfungsketten", erklärt Teichmann auch mit Blick auf das nahe gelegene Forschungszentrum Jülich, das dem Vorhaben wissenschaftlich zur Seite steht und maßgeblich an der Entwicklung der LOHC-Technologie beteiligt war.

"Die geplante Anlage in Dormagen weist etwa eine zwanzigfache Einspeicherleistung gegenüber den bisherigen Anlagengrößen auf", verdeutlicht Prof. Peter Wasserscheid, Direktor am Institut für Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich. Drei Aspekte will er mit seinem Forschungsteam beim Projekt in Dormagen näher untersuchen: das Katalysatorverhalten im Realbetrieb, mögliche Einflüsse der LOHC- beziehungsweise der Wasserstoffqualität auf den Einspeicherprozess und auf die Weiterentwicklung industriell nutzbarer Qualitätssicherungsverfahren für das LOHC-System. 

Wasserstoffproduktion direkt vor Ort

Ein zweiter Standortfaktor, der für Dormagen spricht, ist laut Hydrogenious die Möglichkeit zur Vor-Ort-Produktion von grünem Wasserstoff. So soll dieser von der Covestro Deutschland AG kommen, die auch die Standortfläche der künftigen Einspeicherungsanlage stellt. Covestro ist ein Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen, Mitgesellschafter von Hydrogenious und ein Investor des LOHC-Projektes. 

Klaus Schäfer, CTO von Covestro, erklärt dazu: "Wir richten unser Unternehmen konsequent am Gedanken der Kreislaufwirtschaft aus. Daher freuen wir uns, den Bau der LOHC-Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren Produktionsanlagen unterstützen zu können. Sie eröffnet neue, spannende Verwertungsmöglichkeiten für grünen Wasserstoff, der als wertvolles Nebenprodukt in unserer Produktion entstehen wird." Zur Menge macht er keine Angaben.

Die beim Einspeicherungsprozess freiwerdende Wärme soll, so der Plan der Partner, in das Dampfnetz und damit in die Energieversorgung des Standorts in Dormagen eingespeist werden. 
 
Produktionsstandort von Covestro im Chempark Dormagen
Bild: Covestro Deutschland

Ein weiterer Investor des Projektes und Gesellschafter von Hydrogenious ist Royal Vopak. Das niederländische Unternehmen beschäftigt sich mit der Lagerung und Distribution von Mineralöl, Gas und Chemieprodukten. Es will eine überregionale und globale Wasserstofflogistik entwickeln. Im Dormagener Projekt plant es nach Angaben von Hydrogenious eine Lieferkette für den grünen Wasserstoff bis nach Rotterdam auf die Beine zu stellen. Dort soll dieser aus dem LOHC freigesetzt und insbesondere im Mobilitäts- und Industriesektor zum Einsatz kommen. Genaueres dazu gaben die Partner gegenwärtig noch nicht bekannt.

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Vorhaben in Dormagen mit Fördermitteln aus dem Programm "progress.nrw − Innovation" mit insgesamt 9 Mio. Euro. 2 Mio. Euro der Fördermittel fließen für die begleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen zum Forschungszentrum Jülich.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Mittwoch, 03.03.2021, 14:20 Uhr

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