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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Piel: "Unsere PPA-Plattform bietet eine neue Transparenz"
Bild: Lars Schmid, Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Piel: "Unsere PPA-Plattform bietet eine neue Transparenz"
Grüne PPA sind im Kommen. Das Start-up Nefino vermittelt demnächst solche Verträge digital für die sogenannten Ü-20-Windturbinen. Ein Gespräch dazu mit Geschäftsführer Jan-Hendrik Piel.
 
E&M: Herr Piel, warum bietet Nefino in Zusammenarbeit mit dem Portal wind-turbine.com nun auch eine digitale Plattform für Power Purchase Agreements (PPA; d. Red.) an?

Piel: Für all die Windenergieanlagen, die ab 2021 keine Förderung mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten, braucht es für deren Weiterbetrieb alternative Vermarktungsformen. PPA werden sich dafür unseres Erachtens zu einer wichtigen Option entwickeln. Deshalb haben wir diesen Marktplatz entwickelt, der die Erzeuger und größere Abnehmer aus Industrie, Gewerbe und Handel zusammenbringt. Aus diesem Kreis gibt es genügend Unternehmen, die ihre Ökostrombilanz und ihren Carbon Foot Print verbessern wollen und müssen.

E&M: Konzentriert sich Nefino mit ihrem Digitalangebot vor allem auf die sogenannten Post-EEG-Anlagen, die Ü-20-Windturbinen, oder gehören auch neue grüne Projekte zum Portfolio?

Piel: Natürlich ist unsere PPA-Plattform auch offen für neue Windenergieanlagen, wir gehen aber davon aus, dass anders als außerhalb Deutschlands hierzulande in den kommenden Monaten und Jahren in der Windbranche PPA vor allem beim Weiterbetrieb von Altanlagen im Fokus stehen werden. Was wirklich kommt, entscheiden aber Angebot und Nachfrage.

E&M: Für PPA-Abschlüsse gibt es bislang keine Standardverträge. Lieferverträge müssen in der Regel von Juristen verfasst und begutachtet werden. Ist das für die neue PPA-Plattform eine Hürde?

Piel: In Zusammenarbeit mit Juristen wollen wir fünf, sechs Vertragsmuster erarbeiten, die die wesentlichen Bestimmungen von PPA-Verträgen enthalten. Bei diesen Entwürfen wollen wir auch die Expertise von Banken einbinden, die für die Finanzierung und Absicherung solcher Direktbelieferungsverträge unverzichtbar sind. Ob wir diese Musterverträge bis Ende November vorliegen haben, wenn wir mit unserer PPA-Plattform starten, ist noch offen. Wir wollen aber bereits im kommenden Frühjahr die Version 2.0 für unsere Plattform vorstellen. Dann werden die Vertragsmuster eingebunden sein.
 
Jan-Hendrik Piel: "Wir sehen, dass bei den PPAs für die Post-EEG-Phase richtig viel Musik drin ist."
Bild: Nefino GmbH

E&M: Dennoch scheint es nicht ohne Juristen zu gehen.

Piel: Bei PPA-Verträgen für Windenergieanlagen in der Post-EEG-Phase wird es oft genug nicht um einen einfachen Festpreis gehen. Vielmehr müssen sich Erzeuger und Abnehmer auf ein Risk Sharing einstellen, bei dem beispielsweise eine Mindestvergütung pro Kilowattstunde definiert ist und alle weiteren Erlöse von der Entwicklung des Börsenstrompreises abhängig sind. Neben den Preisrisiken verkompliziert die Absicherung der Mengenrisiken durch Fixierung von Liefermengen die Vertragsausgestaltung. Bei einer solchen Konstruktion ist es schon besser, wenn ein versierter Jurist das Vertragswerk absegnet. Viele Bestandteile von PPA-Verträgen ähneln sich, keine Frage. Es wird aber immer eine individuelle Note geben, womit die Juristen ins Spiel kommen.

E&M: Kommen die PPA-Plattform von Nefino und wind-turbine.com nicht zu früh? Solche Direktbelieferungsverträge sind Neuland für den deutschen Windmarkt und müssen sich erst noch einspielen. Ein neues Vermarktungsinstrument − und dann noch digital. Überfordert das nicht den Windmüller?

Piel: Überhaupt nicht. Das Interesse an unserer Plattform auf der Husum Wind Mitte September war riesengroß. Der Druck auf die Anlagenbetreiber steigt, je näher das Ende der EEG-Vergütung kommt. Und wollen sie ihre Windmühlen weiterbetreiben, steigt auch ihre Bereitschaft, sich mit Alternativen wie unserer Plattform zu beschäftigen. Für die Energieversorger und Vermarkter bietet die Plattform eine neue Form von Transparenz, da sie so erkennen können, welche Windmüller sich überhaupt für PPA-Verhandlungen interessieren.

E&M: Nefino ist Anfang September mit einem digitalen Windpark-Check für Altanlagen gestartet. Wenn es demnächst noch die PPA-Plattform gibt, läuft das nicht auf die Überforderung eines Start-ups hinaus? Immerhin geht es bei PPA-Abschlüssen nicht um ein paar Eurocent, sondern um mehrstellige Beträge.

Piel: Das ist eine große Herausforderung, keine Frage. Dieser stellen wir uns gern mit Unterstützung unseres Partners wind-turbine.com. Wir sehen, dass bei den PPA für die Post-EEG-Phase richtig viel Musik drin ist.
 Zur PersonDer studierte Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftswissenschaftler Jan-Hendrik Piel gehört zu den Gründern und Geschäftsführern des Start-Ups Nefino   GmbH mit Sitz in Hannover. Nefino hat in Zusammenarbeit mit dem Portal wind-turbine.com   auf der diesjährigen Husum Wind eine Plattform live geschaltet, mit der Betreiber alter Windenergieanlagen erkennen können, ob sich der Weiterbetrieb ihrer Anlagen wirtschaftlich lohnt. Beide Partner werden auf einer Euroforum-Konferenz Ende November erstmals ihr neues PPA-Portal vorstellen. 
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 26.09.2019, 12:41 Uhr

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