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Enerige & Management > Österreich - OMV will "Wasserstoffpartnerschaft" mit Russland
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
OMV will "Wasserstoffpartnerschaft" mit Russland
Für die Importe könnte laut Generaldirektor Rainer Seele die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 genutzt werden. Das befürwortet auch Uniper-Chef Andreas Schierenbeck.
 
Die Europäische Union sollte eine „Wasserstoffpartnerschaft“ mit Russland eingehen. Das empfahl OMV-Generaldirektor Rainer Seele am 27. Januar auf der European Gas Conference, die bedingt durch die Corona-Pandemie heuer virtuell abgehalten wird. Seele erläuterte, Europa benötige Wasserstoff, um seine Klimaziele zu erreichen.

Und Russland, respektive der Konzern Gazprom, sei in der Lage, diesen zu liefern. Nicht zuletzt dafür könnte laut Seele die umstrittene fast fertiggestellte Pipeline Nord Stream 2 dienen. Seele zufolge ist diese Leitung aber auch aus einem anderen Grund unverzichtbar: Die Erdgasförderung in der EU sinke. Daher müsse der Bedarf zunehmend durch Importe gedeckt werden: „Über die Nord Stream 2 könnte rund ein Drittel dieser Einfuhren erfolgen.“

Die Wichtigkeit von Erdgas für die Energieversorgung Europas steht für Seele außer Zweifel. Dies habe sich bei der Bewältigung der Störung im europäischen Stromnetz am 8. Januar einmal mehr gezeigt, bei der flexible Gaskraftwerke eine maßgebliche Rolle gespielt hätten. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien werden solche Anlagen laut Seele weiter an Bedeutung gewinnen. Sie können die witterungsbedingt schwankende Stromproduktion von Windparks und Solarkraftwerken gut ausgleichen.

Ähnlich argumentierte Uniper-Vorstandschef Andreas Schierenbeck. Auch ihm zufolge wird es notwendig sein, den künftigen Wasserstoffbedarf der EU mit Importen zu decken. Der effizienteste Weg hierzu wäre laut Schierenbeck, weiterhin Erdgas aus Russland einzuführen und daraus in der EU selbst Wasserstoff zu erzeugen. So ließe sich die bestehende Erdgas-Infrastruktur weiter nutzen.

Ebenso wie die OMV ist die Uniper an der Finanzierung der Nord Stream 2 beteiligt. Gefragt, ob die Fertigstellung der Pipeline noch an politischem Druck scheitern könnte, konstatierte Schierenbeck: „Ich glaube, die Leitung wird fertiggestellt. Das ist wegen der Importlücke einfach notwendig. Man muss dieses Projekt nicht mögen. Aber man sollte diese Tatsache akzeptieren.“

Auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig geliefert

Die Gazprom ihrerseits bekennt sich zur Zusammenarbeit mit Europa, betonte der Vorsitzende ihres Aufsichtsrates, Viktor Zhubkov. Sein Unternehmen decke rund ein Drittel des Gasbedarfs in den Staaten der Europäischen Union. Auch während der COVID-19-Pandemie habe es keinerlei Lieferschwierigkeiten gegeben: „Das zeigt unsere Zuverlässigkeit selbst unter den herausfordernsten Bedingungen.“

Die Direktorin von Gazprom Export, Elena Burmistrova, berichtete, ihr Unternehmen habe 2020 rund 175 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU und die Türkei geliefert. Erfolgt sei dies sowohl auf Basis von Langfristverträgen als auch auf der Grundlage kurzfristiger Kontrakte. „Die langfristigen Verträge sichern die Versorgung, die kurzfristigen Geschäfte gewährleisten die notwendige Flexibilität“, erläuterte die Managerin. Dies habe sich während der Pandemie einmal mehr erwiesen.

LNG sucht sich die Märkte mit den höchsten Preisen
ezeigt hätten sich aber auch die Risiken der Versorgung mit verflüssigtem Erdgas (LNG) für die Kunden, ergänzte Burmistrova. Dessen Anbieter seien bestrebt, stets die Märkte mit den höchsten erzielbaren Preisen zu beliefern. Im 4. Quartal 2020 sei LNG deshalb vor allem nach Asien transportiert worden: „Ich verstehe die Anbieter. Sie suchen sich die profitabelsten Märkte. Aber ihr Verhalten verdeutlicht die Schwäche einer auf LNG beruhenden Gasversorgung.“ Über Pipelines geliefertes Gas stabilisiere dem gegenüber die Märkte. Überdies sei die Nutzung von Erdgas mit den klimapolitischen Zielen der Europäischen Union bestens vereinbar. Es werde daher auch weiterhin eine „fundamentale Rolle“ für die Energieversorgung Europas spielen.

Umstellung auf Wasserstoff nötig

Johann Raunig vom Beratungskonzern McKinsey warnte indessen vor übertriebenen Erwartungen. Berechnungen seines Unternehmens zufolge ist ein vollständiger Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger notwendig, wenn der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf weniger als 1,5 Grad begrenzt werden soll, wie dies das Klimaabkommen von Paris vorsieht: „Auch für Erdgas gibt es dann keinen Platz mehr.“ Deshalb sei die Gaswirtschaft gut beraten, sich entsprechend auszurichten. Insbesondere werde es darum gehen, die bestehende Infrastruktur für den Transport und die Verteilung von Erdgas in Zukunft für die Wasserstoffversorgung zu nutzen.
 
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 27.01.2021, 14:48 Uhr

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