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Enerige & Management > Österreich - OMV sichert sich weitere Pipeline-Kapazitäten für Gastransport
Quelle: Fotolia / YuI
ÖSTERREICH:
OMV sichert sich weitere Pipeline-Kapazitäten für Gastransport
Ab 1. Oktober könnte der Konzern seine Kunden rechnerisch ohne Einfuhren aus Russland versorgen. Die Sozialdemokraten fordern einen „Energiegipfel“ zur Krisenbewältigung.
 
Zusätzliche Pipelinekapazität von insgesamt 40 Mrd. kWh hat sich der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV für das kommende Gasjahr, das vom 1. Oktober 2022 bis einschließlich 30. September 2023 dauert, gesichert. Das meldete die OMV am 14. Juli. Gebucht wurde die Kapazität auf der Trans-Austria-Gasleitung (TAG), mit der der Import aus Italien möglich ist, sowie auf der West-Austria-Gasleitung (WAG), die die Einfuhr von Gas aus Deutschland erlaubt.

Wie sich die Kapazität auf die TAG und die WAG verteilt, legte die OMV nicht offen. Technisch ist die TAG die leistungsstärkere Leitung. Gebaut wurden die beiden Pipelines, um russisches Gas nach Italien und Westeuropa zu transportieren. Lieferungen gegen die hauptsächliche Flussrichtung („reverse flow“) sind jedoch inzwischen ebenfalls möglich.

In einer Mitteilung betonte der Konzern, die gebuchte Kapazität entspreche „beinahe der Hälfte des österreichischen Jahresbedarfs und deckt die Lieferverpflichtungen der OMV in Österreich ab“. Von der Pipelinekapazität her gesehen, wäre die OMV somit rechnerisch nicht mehr auf Gasimporte aus Russland angewiesen. Laut dem täglichen Lagebericht der Austrian Gas Grid Management (AGGM) zeigten sich bereits seit Beginn der Woche verstärkte Einfuhren über die WAG am Eintrittspunkt Oberkappel an der bayrisch-österreichischen Grenze.

Generaldirektor Alfred Stern ergänzte, die OMV habe „sehr früh im März mit dem Einspeichern von Erdgas begonnen“. Zurzeit seien ihre Speicher zu fast 80 % befüllt. Auf der Website der Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) wird der Füllstand der OMV-Speicher am 12. Juli mit rund 76,6 % beziffert. Der Füllstand aller Gasspeicher auf österreichischem Bundesgebiet – mit Ausnahme der bekanntlich nur ans deutsche Netz angeschlossenen Anlage in Haidach in Oberösterreich – lag laut der AGSI bei 42,3 %.

SPÖ will über Strompreisdeckel sprechen

Unterdessen übt die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) heftige Kritik an der Energiepolitik der Bundesregierung aus Konservativen (Österreichische Volkspartei, ÖVP) und Grünen. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner wetterte bei einer Pressekonferenz, die Regierung agiere „hilflos, mutlos, planlos und immer zu spät“. Rendi-Wagner forderte die umgehende Einberufung eines „Energiegipfels“ zur Krisenbewältigung. Teilnehmen sollten die Regierung, die im Parlament vertretenen Parteien, die Sozialpartner sowie die Unternehmen der Energiewirtschaft. Besprechen will Rendi-Wagner vor allem zwei Themen: die Versorgungssicherheit sowie einen bundesweiten Strompreisdeckel für Haushalte mit einem Verbrauch von bis zu 3.500 kWh.

Hinsichtlich der Versorgungssicherheit verlangt Rendi-Wagner ein „aktives Vorgehen“ der staatlichen Österreichischen Beteiligungs-AG (ÖBAG), die unter anderem die Anteile des Bundes an der OMV sowie am größten Stromkonzern des Landes, dem Verbund, verwaltet. Die ÖBAG sollte sich der SPÖ-Chefin zufolge an den geplanten deutschen LNG-Terminals beteiligen: „Das ist eine strategische Frage, die man nicht privaten Unternehmen überlassen kann.“ Das Grundsatzabkommen zwischen Österreichs Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und deren deutschem Amts- sowie Parteikollegen Robert Habeck vom 12. Juli über die Beteiligung privater österreichischer Energieversorger an den deutschen Terminals trage dem nicht Rechnung. Sie, Rendi-Wagner, habe mit dem deutschen Bundeskanzler, Olaf Scholz (SPD), bereits vor zwei Monaten über diese Frage gesprochen, und dies der österreichischen Regierung mitgeteilt: „Von deren Seite geschehen ist aber bis vorgestern nichts.“

Endlich vorlegen müsse die Regierung auch ihre Pläne für den Fall einer vollständigen Unterbrechung der Gasimporte aus Russland: „Wir brauchen mehr Ehrlichkeit und Transparenz. Die Regierung muss ihre Szenarien bekannt geben.“

Auf die Frage der Redaktion nach der Ausgestaltung des Strompreisdeckels verwies Rendi-Wagner auf den „Energiegipfel“: Es liege an der Regierung, die Details ausarbeiten zu lassen. Mehrere der ÖVP angehörige Landeshauptleute hätten in den vergangenen Tagen einen solchen „Deckel“ gefordert: „Das ist ein Hilferuf an die Bundesregierung.“
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 14.07.2022, 16:13 Uhr

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