• Leichte Abgaben auf hohem Niveau
  • Prozess um Säure-Attentat: "Ein ganz fürchterlicher Vorgang"
  • Politik und Unternehmen begrüßen Gas-Alarmstufe
  • Eon will Hauptstadtregion mit nachhaltigen Konzepten versorgen
  • Bundesregierung erläutert Smart-City-Politik
  • Im Ländle müssen die Sektoren jetzt beim CO2-Sparen liefern
  • Chemnitz spielt Erhalt seines Braunkohle-Kraftwerks durch
  • Großauftrag für Siemens Gamesa
  • Studie warnt vor Lithium-Engpass bei der Verkehrswende
  • Norwegen will EU mehr Öl und Gas liefern
Enerige & Management > Bilanz - OMV: Ergebnisplus mit Wermutstropfen
Quelle: OMV
BILANZ:
OMV: Ergebnisplus mit Wermutstropfen
Mit den höheren Öl- und Gaspreisen stieg das Quartalsergebnis des Konzerns OMV massiv. Doch musste er in Russland 2 Mrd. Euro abschreiben und dekonsolidierte das dortige Geschäft.
 
Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine bildeten den Schwerpunkt der Erläuterungen Generaldirektor Alfred Sterns und Finanzvorstand Reinhard Floreys bei der Bilanzpressekonferenz der OMV am 29. April. Infolge der massiv gestiegenen Öl- und Gaspreise verdiente die OMV im ersten Quartal 2022 ausnehmend gut. Die Umsatzerlöse waren mit 15,83 Mrd. Euro um 146 % höher als im ersten Quartal 2021. Das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns belief sich auf 3,16 Mrd. Euro, was einem Zuwachs um 173 % entspricht. Wegen Abschreibungen von rund 2 Mrd. Euro „im Zusammenhang mit den Tätigkeiten in Russland und dem Nord-Stream-2-Projekt“ war der Gewinn mit 855 Mio. Euro allerdings nur um rund 2 % höher als im ersten Quartal 2021.

Infolge der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar entschloss sich die OMV bekanntlich, keine weiteren Investitionen in Russland zu tätigen. Ferner überlegt sie, ihre 24,99-Beteiligung an der Gasförderung im Gebiet Jushno Russkoe im Nordosten des westsibirischen Urengoj-Felds aufzugeben. Stern zufolge verbietet ein Dekret Präsident Wladimir Putins aber Divestitionen. Was das im Detail bedeutet, muss die OMV noch analysieren: „Erst dann können wir eine Entscheidung über Jushno Russkoe treffen.“

Jedenfalls dekonsolidierte das Unternehmen per 1. März sein Russlandgeschäft. Den Grund dafür umriss Finanzchef Florey so: Aufgrund eines Dekrets Putins erhalten ausländische Investoren keine Zahlungen außerhalb Russlands für ihre Operationen innerhalb Russlands: „Wir haben daher keine Kontrolle über die diesbezüglichen Geldflüsse.“ Folglich beziehe die OMV ihre in Russland erzielten Geschäftsergebnisse und Cashflows in der Bilanz nicht mehr ein. Ebenso berücksichtige sie die Öl- und Gasförderung in Russland nicht mehr in der Berichterstattung über ihre Gesamtförderung. In die Produktionskosten würden jene Russlands nicht mehr eingerechnet. Laut Stern belief sich die Förderung der OMV in Jushno Russkoe 2021 auf etwa 100.000 Fass Erdöleinheiten pro Tag (boe/d). Das entspreche etwa einem Fünftel der gesamten Gasproduktion des Konzerns. Laut dessen Strategie soll sein Gasbezug aus Jushno Russkoe 2025 nur mehr etwa 80.000 boe/d ausmachen und bis 2030 auf etwa 40.000 boe/d sinken.

Sanktionen jedenfalls einhalten

Zur Frage, ob die OMV das aus Russland bezogene Gas künftig in Rubel bezahlen wird, konstatierte Stern: „Wir arbeiten an einer Lösung, die mit den Sanktionen vereinbar ist.“ Jedenfalls werde die OMV sämtliche Sanktionsbestimmungen strikt einhalten. Sie habe eine „Gas Taskforce“ eingerichtet, um dies zu gewährleisten. Ihre Zahlungen an Gazprom beziehungsweise die Exportgesellschaft Gazprom Export erfolgen laut Stern auf monatlicher Basis. Die nächsten Überweisungen seien im Mai fällig.

Stern bekräftigte, dass weder die EU insgesamt noch Österreich kurz- oder auch nur mittelfristig in der Lage ist, auf russisches Gas zu verzichten. Ihr in der norwegischen Nordsee gefördertes Gas verkauft die OMV zurzeit in Deutschland. Über Leitungskapazitäten, um dieses nach Österreich zu bringen, verfügt sie nicht. Die Schiefergasvorkommen im Weinviertel nordöstlich von Wien zu erschließen, würde laut Stern mindestens bis Ende der Dekade dauern, wenn die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen gegeben wären. Das aber ist nicht der Fall. Außerdem wolle Österreich ja bis 2040 „klimaneutral“ werden: „Wir könnten das Gas aus dem Weinviertel also nur etwa zehn Jahre lang nutzen.“

Ähnlich steht es um die Erschließung des Offshore-Gasfelds Neptun Deep im bulgarischen Teil des Schwarzen Meers. Stern wiederholte, die OMV benötige eine Rechtsnovelle, um über die Investition in das Feld entscheiden zu können. Zuletzt sei offenbar „etwas Bewegung“ in den Rechtssetzungsprozess gekommen. Wenn die Novelle vorliegt, braucht die OVM neun bis zwölf Monate für ihre „Final Investment Decision“. Bis zum Beginn der Gasförderung sind weitere rund vier Jahre zu veranschlagen. Die schriftlich eingebrachte Frage der Redaktion, wie die OMV das Gas aus Neptun Deep nach Österreich bringen könnte, beantwortete der Konzern nicht. Das Europäische Gericht hatte im März eine Entscheidung der Agentur der Regulierungsbehörden (Acer) aufgehoben, die die Realisierung der Pipeline HUAT von Bulgarien über Ungarn nach Österreich verlangte. Somit ist unabsehbar, wann und auf welchen Wegen Österreich Gas aus Neptun Deep erhalten könnte.

Was den Ausblick für dieses Jahr betrifft, erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent von etwa 95 US-Dollar je Fass, verglichen mit 75 Dollar im vergangenen Jahr. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis dürfte bei etwa 45 Euro/MWh liegen, 2021 waren es 16,5 Euro gewesen. Die voraussichtliche Öl- und Gasproduktion soll bei 390.000 boe/d liegen, 2021 belief sie sich auf 486.000 boe/d.
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 29.04.2022, 14:00 Uhr

Mehr zum Thema