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Enerige & Management > Österreich - OMV-Chef Rainer Seele geht
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
OMV-Chef Rainer Seele geht
OMV-Generaldirektor Rainer Seele nimmt die Möglichkeit der Verlängerung seines Vorstandsvertrags um ein Jahr nicht in Anspruch. Er verlässt das Unternehmen per 30. Juni 2022.
 
OMV-Generaldirektor Rainer Seele verlässt den österreichischen Öl- und Erdgaskonzern per 22. Juni 2022. Dies habe er dem Aufsichtsratsvorsitzenden Mark Garrett mitgeteilt, hieß es in einer Ad-hoc-Meldung am 26. April. An der OMV ist die Republik Österreich mit 31,5 % beteiligt, 24,9 % gehören der staatlichen Investmentgesellschaft MPPH aus Abu Dhabi. Die übrigen 43,6 % sind Streubesitz. Seele kam 2015 von der Wintershall zur OMV. Er stand seit einiger Zeit unter Druck.

So wurde ihm vorgehalten, für die Aufstockung des Anteils der OMV am österreichischen Dünger- und Kunststoffkonzern Borealis von 36 auf 75 % mit rund vier Mrd. Euro deutlich zu viel bezahlt zu haben. Ferner soll die „Chemie“ zwischen ihm und Garrett, dem vormaligen Vorstandschef der Borealis, alles andere als stimmig sein. In Medienberichten war unter anderem von „Schreiduellen“ zwischen den beiden Managern die Rede.

 
Verlässt die OMV Mitte 2022:
Generaldirektor Rainer Seele
Bild: OMV

Für Aufregung sorgten ferner Meldungen, denen zufolge die OMV die Ausforschung von Umwelt-NGOs sowie der Bewegung "Fridays4Future" veranlasst haben sollte – ein Vorwurf, den Seele in einem Schreiben an Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) vehement zurückwies. Zwar seien Informationen über diese Organisationen gesammelt worden, aber ausschließlich mit legalen Mitteln. Auch sei es bei der Aktion vordringlich um den Schutz sensibler Anlagen vor Besetzungen durch Umweltaktivisten gegangen.

Überdies läuft ein Verfahren seitens der österreichischen Datenschutzbehörde gegen die OMV. Diese ließ angeblich Diensthandys von Mitarbeitern überwachen, nachdem Medien mehrfach Konzerninterna zugespielt wurden. Die Mitarbeiter sollen damit einverstanden, der Betriebsrat jedoch nicht eingebunden gewesen sein.

Unbestritten sind allerdings manche Erfolge Seeles. Ungeachtet der Kosten gilt die Übernahme der Mehrheit an der Borealis als grundsätzlich richtig, um die OMV für die „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft vorzubereiten. Auch der Erwerb eines 15-%-Anteils am mit rund 837.000 Barrel Tageskapazität viertgrößten Raffineriekomplex der Welt in Ruwais in Abu Dhabi wird vielerorts als zukunftsweisender Schritt betrachtet.

Geopolitisch bedingt und damit nicht Seele anzulasten sind die Probleme um den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2, für deren Finanzierung die OMV bis einschließlich 2020 etwa 729,3 Mio. Euro aufwandte. Ein weiteres Großprojekt, der von Seele geplante Erwerb von 24,98% an den Blöcken 4A/5A der Achimov-Formation im westsibirischen Urengij-Gasfeld, konnte bis dato nicht abgeschlossen werden.

Im vergangenen Jahr verringerte sich der Gewinn der OMV gegenüber 2019 bedingt durch die Corona-Pandemie um 31 % auf 1,48 Mrd. Euro. Der Umsatz fiel um 29 % auf 16,55 Mrd. Euro. Wie sich die Geschäfte im 1. Quartal 2021 entwickelten, wird am 29. April bekannt gegeben.
 

Klaus Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 26.04.2021, 13:36 Uhr

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